Thiams dickes Lohnplus entfacht neue Abzockerdebatte

Die hohen Managerlöhne sind für Grossinvestoren und Aktionäre ein Ärgernis. Die Politik könnte wieder einschreiten.

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Es ist ein sehr exklusiver Club. Gestern trat erst das dritte Mitglied ein: Tidjane Thiam. Mit einem Plus von 30 Prozent bei den Bezügen ist er der dritte Chef eines in der Schweiz kotierten Konzerns, dessen Jahresgehalt die Schwelle von 10 Millionen Franken überschreitet. Insgesamt 12,7 Millionen Franken soll Tidjane Thiam für das abgelaufene Jahr bekommen.

Das Lohnplus beim CS-Chef gibt der Lohndebatte neue Fahrt. Denn die CS-Aktionäre haben im vergangenen Jahr 37 Prozent verloren, rechnet man die Kursentwicklung sowie die Dividende zusammen. Bei UBS betrug das Minus 29 Prozent.

Das ruft nun auch bürgerliche Politiker auf den Plan. «Diese Managerlöhne sind ein Schlag ins Gesicht des Schweizervolkes, welches die Abzockerinitiative angenommen hat», sagt zum Beispiel der SVP-Nationalrat Adrian Amstutz. «Damals hat man in den Konzernen behauptet, man habe das Problem erkannt. Nichts ist geschehen», bemängelt der frühere Fraktionschef.

CS-Chef Tidjane Thiam soll einen Jahreslohn von 12,7 Millionen Franken erhalten. Foto: Elisabeth Real (Keystone)

Kein Verständnis hat auch Publica, die Pensionskasse des Bundes. «Wir lehnen an den Generalversammlungen grundsätzlich alle Vergütungen ab, die über 10 Millionen Franken liegen», sagt Patrick Uelfeti, stellvertretender Leiter der Vermögensverwaltung bei Publica. In den Gesprächen mit den Konzernmanagern sei das Thema Löhne ein Dauerbrenner – was nichts zu fruchten scheint. Laut Uelfeti lehnt Publica 51 Prozent der Vergütungsberichte ab.

Minder-Initiative verpufft

Nach der Annahme der Abzockerinitiative im Jahr 2013 war es eine Zeit lang ruhig geworden in der Debatte um Managerlöhne. Seitdem müssen die Aktionäre auf der Generalversammlung über die Höhe der Vergütungen im Voraus abstimmen. Rückwirkend räumen ihnen die meisten Konzerne eine Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht ein, was Aktionäre noch am ehesten für kritische Voten nutzen, wie bei ABB, Novartis oder der CS im Jahr 2017.

Doch eine dämpfende Wirkung auf die Bezüge hat die Initiative nicht gehabt. Auch im vergangenen Jahr sind die Saläre der Chefs der 100 grössten Schweizer Konzerne weiter gestiegen, hat die Beratungsfirma Hostettler und Company ermittelt.

Laut CVP-Ständerat Pirmin Bischof hat die Initiative gar eine negative Wirkung. «Jetzt haben wir hohe Lohntransparenz, und es findet eine Nivellierung nach oben statt. Es ist das Gegenteil von dem passiert, was die Initianten beabsichtigt haben.»

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Mit einem Plus von 30 Prozent schwingt Thiams Salär obenaus. Die Bezüge von UBS-Chef Sergio Ermotti sind mit rund 14 Millionen Franken zwar noch höher, doch sind sie im Jahresvergleich leicht gesunken.

Die CS hält den Vergleich von Lohnzuwachs zur Entwicklung der Aktie im Jahr 2018 für irreführend. «Für das Jahr 2018 betrachtete der Vergütungsausschuss nicht nur die Leistung des Jahres, sondern die Zielerreichung des dreijährigen Restrukturierungsplans», erklärt Kai Nargolwala, der Vorsitzende des Vergütungssausschusses, die hohe Steigerungen.

«Die Vergütung sollte an den Mehrwert für die Aktionäre gekoppelt sein. Das ist bei den Grossbanken nicht der Fall», moniert Adriano Lucatelli, Mitbegründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Descartes Finance. «Es ist nicht ersichtlich, wie der Bonus mit der Leistung zusammenhängt», meint auch Christophe Volonté, Leiter Corporate Governance beim Stimmrechtsberater Inrate.

Schweizer Profi-Anlegern sind die Lohnhöhen schon lange ein Dorn im Auge. Doch ihr Einfluss ist zu gering, um eine Änderung zu erzwingen.

«Die Tatsache, dass die Vergütungsberichte bei den Generalversammlungen problemlos durchgehen, hängt mit der steigenden Macht der passiv anlegenden Investoren zusammen», sagt Vermögensverwalter Lucatelli. Er spricht damit die US-Riesen wie Blackrock und Vanguard an, die dank des Siegeszugs von Indexfonds auch hier zu den mächtigsten Aktionären zählen.

Neue 1:12-Initiative?

Blackrock widerspricht der Kritik: Der US-Riese setze sich für eine Vergütungspolitik ein, die das Management für das Erzielen nachhaltiger Erträge belohne, erklärte ein Sprecher. Er ­verwies auf die Abstimmungsstatistik der vergangenen Saison, wonach Blackrock in Kontinentaleuropa in einem Drittel aller Fälle gegen die Vergütungsberichte votiert habe.

Ob die neue Lohndebatte politische Folgen haben wird, ist unsicher. SP-Nationalrat Cédric Wermuth beklagt ein «Systemversagen». Daher habe er überlegt, die 1:12-Initiative, derzufolge der höchste Lohn nicht mehr als das Zwölffache des tiefsten betragen darf, erneut zu lancieren, «um diese Leute zur Räson zu zwingen. Wir werden das sicher besprechen», so Wermuth.

Erstellt: 22.03.2019, 23:10 Uhr

3,3 Millionen für den Chef

Die durchschnittlichen Löhne für Konzernchefs und Verwaltungsratspräsidenten der grössten in der Schweiz kotierten Firmen sind 2018 leicht gestiegen. Die Konzernchefs erhielten im Schnitt 3,3 Millionen Franken, Verwaltungsratspräsidenten 1,1 Millionen Franken. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg von 2,3 respektive 1 Prozent. Die Auswertung vorgenommen hat das Beratungsunternehmen HCM International. Bisher liegen jedoch erst die Vergütungsberichte von 56 der 100 Vergleichsunternehmen vor. Ein Teil der jährlichen Vergütungen der Manager erfolgt in Form von Aktien, die während einer Mindestzeit gehalten werden müssen. Laut HCM steigen die Vorgaben, Aktien zu besitzen. Verbreitet ist, dass Konzernchefs Aktien des Arbeitgebers in der Höhe von drei Jahressalären halten, bei Verwaltungsratspräsidenten liegt der Wert bei einem Jahressalär. (red)

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