Timtschenkos bleiben auch nach US-Sanktionen Mäzene

Die Stiftung des Genfer Rohstoffhändlers und Milliardärs unterstützt die Bereiche Sport und Kultur auch weiterhin finanziell. Trotz Sanktionen der US-Regierung.

Rohstoffhändler und Milliardär Gennadi Timtschenko ist vernarrt ins Eishockey. Foto: Reuters

Rohstoffhändler und Milliardär Gennadi Timtschenko ist vernarrt ins Eishockey. Foto: Reuters

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Der Genfer Rohstoffhändler und Milliardär Gennadi Timtschenko liebt das Eishockey, seine Frau Elena die Kultur. Damit jeder die Projekte seiner Wahl unterstützen kann, gründete das Paar 2008 die Stiftung Neva. Damals betrug das Budget 250'000 Franken. Heute sind es 2,5 Millionen. Geld, das laut Aurélie Charlet, der Sprecherin der Stiftung, auch weiterhin fliessen wird. Die Familie werde die bisherigen Aktivitäten weiterführen, obwohl die US-Regierung Gennadi Timtschenko wegen der Krimkrise auf eine Sanktionsliste setzte und Timtschenko seine Anteile am Rohstoffkonzern Gunvor an Geschäftspartner Torben Törnqvist abgeben musste.

Das Geld fliesst vor allem in Projekte, die den Austausch zwischen der Schweiz und Russland fördern – und «das negative Bild, das man hierzulande von Russland und den Russen hat, korrigieren», so Elena Timtschenko. Russische Schauspieler sollen russische Theaterstücke aufführen und russische Künstler die Musik ihrer Heimat spielen. Institutionen wie die Genfer Oper (Grand Thé­âtre), das Theater Carouge und das Verbier Festival bieten dazu Hand.

Der Oligarch geht selbst aufs Eis

Beim Grand Théâtre hat die Stiftung Neva in jüngerer Vergangenheit Produktionen russischer Opern unterstützt. Im Oktober sponserte sie ein Rezital mit Sängern der St. Petersburger Marijnski-Akademie. Im Februar sponserte sie den Ballettabend «Die russischen Jahreszeiten im 21. Jahrhundert». Wie viel Geld floss und an welche Konditionen es geknüpft war, will Frédéric Leyat, Sprecher des Grand Théâtre, nicht sagen. Neva schalte sich aber nicht in die Saisonplanung ein. Martin Eng­stroem, Leiter des Verbier Festival sagt, Neva unterstütze primär Ausbildungs- und Austauschprojekte zwischen Schweizer und russischen Musikstudenten, nicht aber einzelne ­Solisten oder Komponisten. Verträge würden jedes Jahr neu ausgehandelt.

Gennadi Timtschenko ist Anhänger des Eishockeyclubs Servette und verantwortlich dafür, dass Gunvor einer der drei grössten Sponsoren des Clubs ist. Wie viel Geld Gunvor gibt, will Clubpräsident Hugh Quennec nicht sagen. In der «Tribune de Genève» erklärte er, als er Timtschenko vor vier Jahren zum ersten Mal getroffen habe, sei es zunächst um ein «unsichtbares Mäzenatentum» gegangen. Er habe Gunvor eine Loge regelrecht aufdrängen müssen. Heute sitzen Tim­tschenko und Törnqvist regelmässig im Stadion Les Vernets. Der Russe fährt auch ab und zu selbst aufs Eis, um gegen Quennec und ehemalige Servette-Profis zu spielen. Gunvors Sponsoringvertrag ist eben für die nächsten drei Jahre verlängert worden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.04.2014, 09:13 Uhr

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