Topmanager müssen auf Lohnerhöhung verzichten

2017 war ein gutes Jahr für die Schweizer Börse. Dennoch stagnieren bei den grössten Firmen die Löhne. Welche Manager trotzdem zugelegt haben.

Sein Lohn stagniert auf hohem Niveau: Sergio Ermotti, CEO bei der UBS.

Sein Lohn stagniert auf hohem Niveau: Sergio Ermotti, CEO bei der UBS. Bild: Michael Buholzer/Reuters

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Die Börsen haben jahrelang geboomt, so auch 2017. Doch die Bezüge der Schweizer Topshots haben nicht mit der Entwicklung an den Aktienmärkten Schritt gehalten. Das ist bemerkenswert. «Es fällt auf, dass das Vergütungsniveau nicht grundsätzlich steigt», sagt Christophe Volonté, Leiter Corporate Governance bei Inrate und verantwortlich für den Aktionärsdienstleister zRating. Er stellt zudem eine stärkere Ausrichtung an Performancekriterien fest. Das scheint sich mässigend auf die Entwicklung der Managervergütung auszuwirken.

Fest steht, die Chefs kotierter Unternehmen erhalten weiterhin Topgehälter. Doch sie können nicht mehr von automatischen Lohnerhöhungen ausgehen. Die Stagnation lässt sich an der Entwicklung der Durchschnittsgehälter ablesen. CEO von Blue Chips aus dem Swiss Market Index (SMI) erhielten im abgelaufenen Jahr 1 Prozent mehr Lohn als im Vorjahr, durchschnittlich rund 7 Millionen Franken. Ihre Chefs, die Verwaltungsratspräsidenten, mussten gar einen Rückgang von 2,3 Prozent hinnehmen. Sie bekamen rund 2 Millionen Franken zugesprochen. Diese vorläufigen Zahlen haben die Vergütungsberater von HCM International zusammengetragen.

Doch nicht alle mussten mit stagnierenden Löhnen vorliebnehmen. Die Konzernleiter von mittleren bis kleinkapitalisierten Unternehmen bekamen durchschnittlich knapp 7 Prozent mehr in ihre Lohntüte als im Vorjahr. So spielen CEO von Gesellschaften aus der zweiten Reihe wie Dufry, OC Oerlikon oder auch Tecan bei der Vergütung mittlerweile ganz oben mit.

Dass SMI-Schwergewichte die Topverdiener-Tabelle anführen, überrascht nicht. Es gilt die Faustregel: Je grösser das Unternehmen, desto grösser ist das Lohnpaket. Hier sticht die Entwicklung des Gehalts des CEO der Zurich-Versicherung, Mario Greco, ins Auge. Sein Lohn ist im Jahresvergleich 28 Prozent geschrumpft. Der Rückgang geht jedoch hauptsächlich auf die hohe Vergleichsbasis zurück. Greco hatte im Vorjahr zuzüglich seines Gehalts eine «Ersatzzahlung» über 4,2 Millionen Franken in bar und Aktien erhalten, um ihn für entgangenes Geld aus Bonusprogrammen seines früheren Arbeitgebers Generali zu entschädigen. Doch auch der Einstieg auf tieferem Niveau kommt vor: Nestlé-Konzernchef Mark Schneider etwa verdiente in seinem ersten CEO-Jahr rund 32 Prozent weniger als Vorgänger Paul Bulcke in seinem letzten.

Am augenfälligsten ist der Vorstoss mittelgrosser Unternehmen wie des Flughafen-Retailers Dufry, des Technologiekonzerns Oerlikon und der Privatbank Vontobel in die obersten Vergütungssphären. Bei Dufry-CEO Julián Díaz trägt hauptsächlich die langfristige, flexible Vergütungskomponente zur Lohnsumme von 7,4 Millionen Franken bei. Und VR-Präsident Juan Carlos Torres Caletero, dem 5,3 Millionen Franken zugesprochen wurden, sieht sich auch in einer exekutiven Funktion. Gemäss einem Dufry-Sprecher befasst sich Caletero mit strategischen Fragen, begleitet Transaktionen und pflegt Beziehungen zu wichtigen Investoren.

Grosszügiger Russe

Auch Oerlikon und Vontobel zahlen ihren CEO im Vergleich zur Unternehmensgrösse ein beachtliches Gehalt. Zur Erinnerung: Oerlikon hat trotz steiler Aktienkursentwicklung 2017 eine Marktkapitalisierung von rund 5,3 Milliarden Franken, Vontobel von 3,6 Milliarden Franken. Bei der Zürcher Privatbank bemerkenswert sind auch die Bezüge des langjährigen VR-Präsidenten Herbert Scheidt (seit 2011 im Amt). Er darf gemäss Bankengesetz keine exekutive Funktion ausüben, erhielt aber mehr als mancher SMI-Präsident.

Ähnlich wie bei Dufry schenkt bei Oerlikon-CEO Roland Fischer insbesondere die Marktwertbetrachtung der zugesprochenen Langzeitvergütung in Aktien ein. Unternehmen, in denen der russische Oligarch Victor Vekselberg das Sagen hat – neben Oerlikon sind das Sulzer sowie Schmolz & Bickenbach –, fallen gemeinhin mit grosszügiger Vergütungspolitik auf.

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Ein weiteres Unternehmen, das bei der CEO-Vergütung in der Topliga mitspielt, ist der Laborausrüster Tecan. Mit einem Umsatz von 548 Millionen Franken und einem Börsenwert von 2,6 Milliarden Franken ist er von bescheidener Grösse. CEO David Martyr, konnte aber dank einer grossen Aktienzuteilung sein Gehalt 2017 auf SMI-Niveau schrauben. Gemäss der Gesellschaft handelt es sich dabei um eine «einmalige Retentionsmassnahme» – also um einen Spezialbonus, um den Mann an das Unternehmen zu binden.

Neben grosszügiger Vergütungspraxis gibt es eine Vielzahl von Anomalien, die Fragen aufwerfen. Dem Nachfolger von Boris Collardi als CEO der Bank Julius Bär, Bernhard Hodler, wurden letztes Jahr 4,8 Millionen Franken zugesprochen. CEO war er aber nur etwas mehr als einen Monat. Zuvor war er als Risikoverantwortlicher einfaches Mitglied der Geschäftsleitung.

Lindt-Präsident verdient mehr als doppelt so viel wie sein CEO

Beim Schokoladeproduzenten Lindt & Sprüngli und beim Marktdienstleister DKSH hat eine überspannte Vergütungspraxis Tradition. Der langjährige Lindt-CEO Ernst Tanner besetzt seit 2017 den Präsidentenposten, verdiente aber mehr als doppelt so viel wie sein Nachfolger Dieter Weisskopf. Neben einem Präsidentenhonorar von 2,3 Millionen Franken hat Tanner für die Einarbeitung von Weisskopf und «erbrachte Leistungen in den letzten drei Jahren» zusätzlich 4,2 Millionen Franken erhalten.

Ein ähnliches Muster ist bei DKSH zu beobachten. Der langjährige CEO, Jörg Wolle, gab sein Amt zwar im März 2017 ab, erhielt für das Gesamtjahr dennoch 5,8 Millionen Franken. Darin enthalten ist eine vertraglich vereinbarte Zahlung von 4,3 Millionen Franken für die Einarbeitungszeit des neuen CEO Stefan Butz. Zusätzlich durfte Wolle VRP-Honorare von DKSH (0,6 Millionen Franken) und vom Logistikspezialisten Kühne & Nagel (1,2 Millionen Franken) entgegennehmen.

Mit umstrittener Lohnpolitik hat sich auch der Vermögensverwalter GAM einen Namen gemacht. Im Vorjahr hatte die Aktionärskritik aber erstmals Konsequenzen. «Der Vorsitzende des Compensation Committee wurde nicht gewählt, der Bonus fürs Management abgelehnt», sagt Barbara Heller vom Aktionärsberater Swipra. Das Unternehmen ist bei der Lohnpolitik über die Bücher. GAM-CEO Alex Friedman verdient dieses Jahr 29 Prozent weniger. Das zeigt: Wenn Aktionäre Kritik üben wollen und ihre Stimmrechte wahrnehmen, können sie Wandel durchsetzen.

Erstellt: 03.05.2018, 17:43 Uhr

Zu den Vergütungsdaten

Die tabellarische Übersicht stützt sich auf öffentliche Informationen, die der Aktionärsdienstleister zRating zusammengetragen hat. Die Daten wurden aus den publizierten Vergütungsberichten der Gesellschaften übernommen. Es handelt sich um einen Zwischenstand. Bislang hat zRating 123 von total 180 Schweizer Unternehmen ausgewertet. Grundsätzlich wurden die in einem Geschäftsjahr zugesprochenen Vergütungskomponenten addiert.


Die CEO-Gehälter setzen sich in der Regel aus einer fixen Cash-Komponente, einem kurzfristigen Bonus (in Cash oder Aktien) und einem langfristigen Bonus (in Aktien) zusammen. Die Präsidentenlöhne bestehen meistens aus einem fixen Cash-Anteil und einer langfristigen Aktienzuteilung. Bei den langfristigen Aktienzuteilungen wurden die Steuerwerte in Marktwerte umgerechnet. Wegen der zahlreichen Variationen bei den Vergütungsmodellen und unterschiedlicher Transparenzstandards der Unternehmen sind Konsistenz und Vergleichbarkeit der Lohndaten nicht in jedem Fall gegeben.

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