Topverdiener trotz Milliardenflops

Carsten Kengeter, früherer Investmentbankchef der UBS, dürfte in fünf Jahren fast 40 Millionen Franken kassiert haben. Dabei war er verantwortlich für den Fall Adoboli und den Libor-Skandal.

Der Trading Floor der UBS in Opfikon ZH: Die riskante Investmentbank brachte zumindest ihrem ehemaligen Chef gutes Geld ein.

Der Trading Floor der UBS in Opfikon ZH: Die riskante Investmentbank brachte zumindest ihrem ehemaligen Chef gutes Geld ein. Bild: Keystone

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Sein Ausscheiden aus der UBS war schon lange erwartet worden. Doch schliesslich hielt er sich überraschend lange im Sattel, der smarte Deutsche, den man im Dezember 2008 geholt hatte, um das Investmentbanking auf Vordermann zu bringen. Tatsächlich hatte sich der Verlust im Handel mit Anleihen, Krediten und Rohstoffen im ersten Amtsjahr von 50 Milliarden auf eine halbe Milliarde Franken reduziert.

Diese «Beinahe-Umkehr in Positive», so der TA damals, war der UBS Grund genug, um dem Manager 2009 über 13 Millionen Entschädigung zuzusprechen – 12,5 Millionen davon als Bonus. Das ist bekannt, weil die UBS jeweils Lohn und Bonus des bestbezahlten Geschäftsleitungsmitglieds und des Konzernchefs einzeln ausweist.

39 Millionen Franken verdient

Auch 2010 war der Chef der Investmentbank mit 9,3 Millionen Topverdiener. Erst 2011, als bekannt wurde, dass der mittlerweile verurteilte Kweku Adoboli in London 2,3 Milliarden Dollar verzockt hatte, flossen die Millionen spärlicher: Die laut UBS «unautorisierten Handelsgeschäfte» schmälerten Kengeters erfolgsabhängige Vergütung. Da er 2011 nicht das bestbezahlte Konzernleitungsmitglied war, ist man auf Schätzungen angewiesen: Trotz Adoboli dürfte er knapp 5 Millionen kassiert haben. 2012 und 2013 dürften es je etwa 6 Millionen gewesen sein, was einen Gesamtbetrag von 39 Millionen Franken ergibt. Viel Geld für einen Manager mit seinem Leistungsausweis. Kengeters Vorgänger Jerker Johansson hatte die Latte allerdings hoch gelegt: Für 14 Monate Arbeit hatte der Schwede laut damaligen Recherchen des TA über 20 Millionen garniert.

Big Pharma ist transparenter

Der Fall Adoboli war nicht der einzige Tolggen in Kengeters Reinheft. Auch der Libor-Skandal, der erst 2012 aufflog, fiel zumindest teilweise in die Ära und das Hoheitsgebiet des Topverdieners. Aus Sicht von Michael Otte, Analyst Corporate Governance bei Vermögensverwalter zCapital, wäre die UBS gut beraten, Kengeters Vergütungen generell offenzulegen: «In Anbetracht der Vergangenheit würde da der UBS Transparenz gut anstehen. Roche und Novartis zum Beispiel legen die Vergütungen für sämtliche Konzernleitungsmitglieder offen.»

Seit die UBS im Herbst entschieden hat, den Fokus auf die Vermögensverwaltung zu legen, hatte Kengeter den Auftrag, die Geschäfte abzuwickeln, die die UBS nicht mehr betreiben will. Risikogewichtete Aktiven von 90 Milliarden (das sind Bilanzpositionen von 260 Milliarden) wurden von der Investmentbank abgetrennt. Nun sollen diese Altlasten möglichst mit Gewinn abgestossen werden. Kein Kinderspiel, wie UBS-Präsident Axel Weber im November 2012 in der «Handelszeitung» erklärte: «Dabei dürfen wir unsere Kapitalquote nicht gefährden. Wir dürfen auch keine Verluste einfahren, die disproportional sind und auch nicht zu rechtfertigen wären.»

Kengeter bleibt Berater der UBS

Neuer Chef der Nicht-Kern-Abteilung der Investmentbank wird Sam Molinaro, der im März 2012 als operativer Chef der Investmentbank zur UBS gestossen war. Der Amerikaner war Finanzchef und operativer Chef der US-Investmentbank Bear Stearns, als diese 2008 von J. P. Morgan Chase übernommen wurde, um eine Insolvenz zu vermeiden. An Erfahrung im Abwickeln solcher Banken fehlt es ihm also nicht. 300 Leute sind bei der UBS in den Prozess involviert, der Ende 2017 abgeschlossen sein soll.

Kengeter wird Molinaro noch einige Monate lang als Berater zur Verfügung stehen, wie UBS-CEO Sergio Ermotti in einem Mail an die Belegschaft schreibt. Es ist anzunehmen, dass sich Kengeter für die restliche Laufzeit seines Vertrags zur Verfügung halten muss. Ob dies der Fall ist, war bei der UBS nicht in Erfahrung zu bringen. Kengeters Pläne sind nicht bekannt. Laut «Financial Times» könnte es Richtung Hedgefonds gehen, als Gründer oder Mitarbeiter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.02.2013, 08:55 Uhr

Der Fall Adoboli war nicht der einzige Tolggen in seinem Reinheft: Carsten Kengeter. (Bild: Keystone )

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