Hintergrund

UBS erwartet Milliardenbussen

Der schlechte Ruf kommt die UBS teuer zu stehen. Die Bank schätzt das Risiko für weitere Zahlungen als «erheblich» ein und stellt Milliarden zurück. Bankchef Sergio Ermotti soll nun das Image der UBS aufpolieren.

Bestverdienender Manager der Grossbank: UBS-Chef Sergio Ermotti verdiente letztes Jahr 8,9 Millionen Franken.

Bestverdienender Manager der Grossbank: UBS-Chef Sergio Ermotti verdiente letztes Jahr 8,9 Millionen Franken. Bild: Keystone

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Sergio Ermotti, der Chef der UBS, ist mit 8,9 Millionen Franken auch der bestverdienende Manager der Schweizer Grossbank. Das war nicht immer so, oft erhielt der Chef der Investmentbank den grössten Bonus. Letztmals 2010 Carsten Kengeter, der damals 9,1 Millionen Franken abholte. Vor der Finanzkrise waren die Spitzenlöhne sogar mehr als doppelt so hoch gewesen. Unter Kengeters Ägide sollte die UBS-Investmentbank, die 50 Milliarden Verlust in der Finanzkrise angehäuft hatte, wieder zu Milliardengewinnen zurückkehren.

Es kam anders. 2 Milliarden Franken verlor die UBS wegen des Londoner Händlers Kweku Adoboli. Und 1,4 Milliarden Franken musste die Bank letztes Jahr als Busse dafür zahlen, dass ihre Händler – auch unter Kengeter – den Libor manipuliert hatten. Damit wurde die UBS nach all den Skandalen rund um unversteuerte Gelder und Schrotthypotheken in den Augen der Finanzmarktaufsichten rund um den Globus zum notorischen Übeltäter. So steht es im gestern veröffentlichten Geschäftsbericht.

Speziell hohe Busse

Das schlechte Image der UBS ist für die Bank nicht nur unangenehm, sondern offenbar auch sehr teuer. Im Fall der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor betrug die Strafe für die UBS 1,4 Milliarden Franken, bei der Konkurrenz, die teilweise nicht besser war, nur die Hälfte. Das kommentiert die UBS in ihrem gestern veröffentlichten Geschäftsbericht mit den Worten: «Wir gehen davon aus, dass die US-Behörden bei der Festlegung der Konsequenzen für die UBS die Tatsache berücksichtigt haben, dass in jüngster Vergangenheit in zahlreichen anderen Angelegenheiten schweres Fehlverhalten der UBS festgestellt worden war.» Darum hätten die amerikanischen Behörden bei der Festlegung der Busse nicht berücksichtigt, dass sich die UBS in der Angelegenheit selbst angezeigt und für schuldig erklärt hatte. Aufgrund der kritischen Sichtweise der Aufsichtsbehörden «könnte das Risiko der UBS in Bezug auf die Durchsetzung von Massnahmen höher sein» als bei der Konkurrenz, heisst es weiter.

Damit nicht genug: Die Schweizerische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat die Grossbank an die Kandare genommen. So darf die UBS-Investmentbank keine Zukäufe mehr vornehmen; und auch alle neuen Geschäftsinitiativen unterliegen der Kontrolle der Finma. Dies, obwohl die Bank eigenen Angaben zufolge die internen Kontrollen massiv verbessert hat. Davon unbeeindruckt verlangt die Finma eine externe Bestätigung. Der UBS vertraut sie anscheinend nicht mehr. Dieses Beispiel zeige, dass die schlechten Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden die Geschäftsstrategie «negativ beeinflussen können», schreibt die UBS.

Abschreiber wegen Bussen

Ein weiteres Risiko stellen die Retrozessionen dar, Rabatte für Anlagedienstleistungen, die in der Vergangenheit einbehalten wurden, aber den Kunden zustehen. Im Geschäftsbericht schreibt die UBS, dass dafür Rückstellungen getätigt wurden. Bis Ende 2012 hat die Bank der Finanzmarktaufsicht mitteilen müssen, wie viel solcher Retros sie in den letzten zehn Jahren kassiert hat. Gemäss Insidern geht es um mehr als eine Milliarde. Die Bank versucht die Rückzahlung auf die letzten fünf Jahre zu begrenzen, wegen ihres schlechten Images rechnet sie damit, von den Regulatoren hart angefasst zu werden.

2,7 Milliarden Franken Rückstellungen musste die UBS im vergangenen Jahr für «regulatorische und ähnliche Verfahren» machen. Im Vorjahr waren es 400 Millionen gewesen. Negativ zu Buche schlagen hier «Zivil-, Schieds- und aufsichtsrechtliche Verfahren». Aus Reputationsgründen zahlt die UBS offensichtlich auch, wenn sie nach eigener Auffassung eigentlich freigesprochen werden sollte. Zumindest im laufenden Jahr, so ist zu hören, dürften erneut überdurchschnittliche Abschreiber wegen Bussen anfallen. Die Liste reicht von Bussen wegen Steuerproblemen mit Deutschland und Brasilien, einem Betrugsverdacht in Puerto Rico und neuen Libor-Verfahren rund um den Globus bis zu Rückforderungen von Retrozessionen in der Schweiz in Milliardenhöhe. In vielen Fällen wurden in diesem Jahr Vergleiche geschlossen.

Externe Abklärungen

Der neue UBS-Präsident, Axel Weber, versucht nun das Reputationsproblem mit demselben Anreiz zu lösen, der überhaupt erst zu diesem Problem geführt hat: mit dem Bonus. Ermottis Lohn hängt in Zukunft nicht mehr nur vom Geschäftsergebnis und der Umsetzung der beschlossenen Strategie ab, sondern auch davon, ob sich der Ruf der Bank verbessert. In diesem Zusammenhang hat die UBS ihren Kunden letzte Woche einen ganzen Fragenkatalog zum Image verschickt. Weiter hat Weber eine externe Anwaltsfirma mit Abklärungen beauftragt, ob die verantwortlichen Manager in Sachen Libor wirklich alles daran gesetzt haben, dass die Reglemente befolgt, die Risiken richtig bemessen und die Bücher richtig geprüft werden. Diesen Bericht will er der Generalversammlung vorlegen.

Für Aufregung sorgt, dass der neue Chef der Investmentbank, Andrea Orcel, 25 Millionen als Begrüssungszahlung erhielt. Insgesamt gab es «Golden Hellos» für 96 Millionen. Dennoch war die UBS bei den Transferzahlungen auf der Gewinnerseite: Durch freiwillige Abgänge sparte sie sich Auszahlungen von rund 140 Millionen an aufgeschobenen Boni. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2013, 06:24 Uhr

Gold

Verdacht auf Preismanipulation
Die US-Terminbörsenaufsicht CFTC prüft laut dem «Wall Street Journal» mögliche Preis­manipulationen am Goldmarkt in London. Im Fokus stehen die Methoden bei der Fest- setzung des Kassapreises für eine Feinunze Gold. Der Preis wird von mehreren Banken zweimal am Tag festgesetzt. Bei den Untersuchungen, die auch den kleineren Silbermarkt miteinbeziehen, geht es der CFTC um die Transparenz der Preisfindung. Formelle Ermittlungen seien noch nicht eingeleitet worden, hiess es im Zeitungsbericht. Ein Sprecher der London Bullion Market Association, welche die Qualitätsstandards für das gehandelte Gold und Silber festlegt, wies jeglichen Verdacht der Manipulation bei der Festsetzung der Edelmetallpreise zurück: «Das ist völlig transparent. Mit dem Libor ist es nicht zu vergleichen.» (TA)

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