Bei der UBS kommt es jetzt auf Khan an

Die Grossbank muss die Ziele zurückschrauben. Die Börse reagiert prompt und heftig.

UBS-CEO Sergio Ermotti an einer Medienkonferenz der UBS. Foto: Melanie Duchene/EQ Images

UBS-CEO Sergio Ermotti an einer Medienkonferenz der UBS. Foto: Melanie Duchene/EQ Images

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Für UBS-Chef Sergio Ermotti war es ein durchwachsenes Jahr an der Spitze der grössten Schweizer Bank. Nach einem Gewinnrückgang schraubt er die Finanzziele für die kommenden Jahre zurück - denn sie sind durch die niedrigen Zinsen sowie die maue Entwicklung der Investmentbank und im Heimatmarkt Schweiz in unerreichbare Ferne gerückt. Die Aktionäre reagierten enttäuscht und schickten das Papier auf eine Talfahrt von fünf Prozent.

Kurseinbruch am Dienstag: Die UBS-Aktie wird heute von den Anlegern verschmäht.

Ein Lichtblick kommt hingegen aus der Vermögensverwaltung, deren Co-Leitung vor kurzem Iqbal Khan übernommen hat. Er trimmt die Kernsparte der Bank auf Wachstum und macht keine Abstriche bei seinem Gewinnziel.

Ziele zum wiederholten Mal gesenkt

Bankübergreifend peilt die UBS im Zeitraum von 2020 bis 2022 eine Rendite auf dem harten Kernkapital von zwölf bis 15 Prozent an, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Bisher hatte sich die UBS bis 2021 einen Wert von 17 Prozent vorgenommen. Damit schraubte Ermotti bereits zum wiederholten Mal die Renditeziele - diesmal bereits gut ein Jahr, nachdem er sie ausgegeben hatte.

In der Telefonkonferenz mit den Analysten musste er sich auch Kritik dazu gefallen lassen. «Warum glauben Sie, die Ziele diesmal zu erreichen?», fragte ein Bank-Experte. Ermotti entgegnete, dass die neuen Vorgaben einem Stresstest unterzogen worden sind, also auch bei einer wirtschaftlichen Eintrübung sollte die Grossbank zumindest das untere Ende der Bandbreite erreichen. «In einem normalen Marktumfeld wollen wir Richtung 15 Prozent gehen», versprach Ermotti.

Das alles soll gelingen, ohne massiv die Kosten zu senken. Im laufenden Jahr will Ermotti die Kosten zwar um eine Milliarde Dollar senken, etwa, indem die Bank weniger externe Dienstleister einspannt. Doch diese Einsparungen sollen dazu dienen, Investitionen zB. in die Digitalisierung zu finanzieren. Unter dem Strich sollen die Kosten daher unverändert bleiben - auch das hat viele Investoren enttäuscht.

Khan unter Erfolgsdruck

Ob es gelingt, die neuen Ziele zu erreichen, hängt zum grossen Teil vom Erfolg von Iqbal Khan ab, der die Vermögensverwaltung gemeinsam mit Tom Naratil leitet. Beide hatten vor kurzem einen Umbau der Sparte angekündigt, bei der 3 Hierarchiestufen wegfallen und die Regionen mehr Verantwortung bekommen sollen. «Ich erwarte, dass dies bereits im ersten Quartal spürbare Effekte haben wird», sagte Ermotti.

Viel Zeit bleibt Khan nicht, das Kerngeschäft der Bank mit der Beratung von Millionären und Milliardären anzukurbeln. Im vergangenen Jahr wuchs der bereinigte Vorsteuergewinn um vier Prozent. Von 2020 bis 2022 peilt die Bank ein Plus von zehn bis 15 Prozent an.

Den Starkult um den Ex-CS-Manager, der vor seinem ehemaligen Arbeitgeber beschattet worden war, versuchte Ermotti zu dämpfen. Er betonte, dass die Pläne zum Umbau des Wealth Managements schon vor Khans Ankunft im Sommer in Arbeit waren. «Wir sind nicht dafür da, um ein Star-System zu füllen», so der UBS-Chef. Die juristische Aufarbeitung der Beschattungsaffäre sei Khans private Angelegenheit. Die gesenkten Gewinnziele kamen für die meisten Experten nicht überraschend - insbesondere nachdem die Erzrivalin Credit Suisse ihre Erwartungen bereits im Dezember gesenkt hatte. Sie peilt für 2020 nun eine Eigenkapitalrendite von rund zehn Prozent an statt bisher von elf bis zwölf Prozent. Ihr Ergebnis für das vergangene Jahr will die Credit Suisse Mitte Februar veröffentlichen.

Im Gesamtjahr 2019 verbuchte die UBS einen Gewinn von 4,30 Milliarden Dollar, fünf Prozent weniger als im Jahr davor. Die Dividende soll auf 0,73 Dollar je Titel steigen. Im Vergleich zu den US-Banken fällt der Gewinn der grössten Schweizer Bank gering aus: Die grösste US-Bank JP Morgan etwa verdiente im Vorjahr 36,4 Milliarden Dollar.

UBS verkauft Fondsvertriebsplattform

In der vergleichsweise kleine Sparte Asset Management – der Vermögensverwaltung für Versicherungen und Pensionsfonds - trennt sich die UBS von einem Teil ihres Geschäfts. Sie verkauft die Mehrheit an UBS Fondscenter, einer Fondsvertriebsplattform für Finanzdienstleister, an die zur Deutschen Börse gehörende Firma Clearstream. Daraus erwartet die Bank einen Gewinn von rund 600 Millionen Dollar.

In der Schweiz will die UBS ihre Kunden zudem dazu bringen, ihr Bargeld nicht auf den Konten der Bank zu horten. Denn angesichts der Negativzinsen entstehen der UBS dadurch hohe Kosten. Wenn Kunden ihr Geld nicht investieren wollen, müssten sie erhöhte Gebühren bezahlen, kündigte Finanzchef Kirt Gardner an.

Erstellt: 21.01.2020, 06:51 Uhr

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