UBS-Chef Ermotti wehrt sich gegen Bonusregeln

Die Finma hat der UBS in gewissen Bereichen eine Bonusbremse verordnet: Bankchef Sergio Ermotti warnt nun vor einer Ausweitung der Vorschriften.

Gegner von Vorschriften: UBS-Chef Sergio Ermotti will bei der Festlegung der Boni seiner Mitarbeiter freie Hand haben.

Gegner von Vorschriften: UBS-Chef Sergio Ermotti will bei der Festlegung der Boni seiner Mitarbeiter freie Hand haben. Bild: Keystone

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Bei der Grossbank UBS schreibt der Staat derzeit die Bonushöhe einer bestimmten Mitarbeiterkategorie vor: Die Finanzmarktaufsicht Finma hat im November verfügt, dass die Bank ihren Mitarbeitern im Devisen- und Edelmetallhandel nur noch einen Bonus ausrichten darf, der maximal dem doppelten Jahreslohn entspricht. Eine ähnliche Regel gilt in der Europäischen Union für alle Banker.

Während zweier Jahre muss sich die UBS an diese Vorschrift halten. Die Finma hat diese Verfügung als Konsequenz der Untersuchung zu den Manipulationen im Devisenhandel erlassen. Die Finma-Untersuchung hatte zutage gebracht, dass die beschuldigten UBS-Mitarbeiter Boni kassieren konnten, die bis ein Siebenfaches ihres Jahreslohnes betrugen.

Offensichtlicher Widerwillen

UBS-Chef Sergio Ermotti verriet mit seiner Mimik an der gestrigen Medienkonferenz, dass er die Vorgabe der Finma nur zähneknirschend umsetzt. Auf die Frage, ob die Finma-Vorgabe zu einer Art goldenen Regeln für die Bonuspolitik der gesamten Bank werden könnte, reagierte er ablehnend: «Neue Regeln sind nicht willkommen», hielt er fest. Um wettbewerbsfähig zu sein, müsse die UBS in der Salärpolitik frei sein. Solche Regeln berücksichtigten die Wettbewerbssituation zu wenig, in der sich die Bank befinde. Die UBS achte ausserdem genau darauf, dass die Verteilung der Erträge zwischen den Angestellten und den Aktionären fair sei.

In der obersten Chefetage arbeitet die UBS mit Multiplikatoren, die deutlich über 2 liegen. Die Lohnzahlen für das abgelaufene Jahr hat die UBS noch nicht veröffentlicht. Für das Jahr 2013 bezog Ermotti einen Fixlohn von 2,5 Millionen Franken und einen Bonus von 8,2 Millionen. Dies ergibt einen Faktor von 3,3.

Die Warnung des Professors

Norbert Thom, emeritierter Betriebswirtschaftsprofessor der Universität Bern, ist hohen Boni gegenüber kritisch eingestellt: «Wer hohe Boni erreichen kann, geht hohe Risiken ein, für die er in äusserster Konsequenz nicht die persönliche – auch monetäre – Verantwortung tragen muss», erklärt er auf Anfrage. Zudem sei die Gefahr gross, dass die Leistungsziele manipuliert würden. Schliesslich sei in der Praxis kaum zu unterscheiden, was eine Sonderleistung sei und was ein Manager ohnehin leisten müsse.

So machen es die anderen

Auch die andere Schweizer Grossbank – die Credit Suisse – hat bislang keine Bonusobergrenzen eingeführt. Eine Selbstbeschränkung hat dagegen die Berner Kantonalbank (BEKB) erlassen – beim Fixlohn. Eine Richtlinie sieht vor, dass der am besten bezahlte Manager nicht mehr als das Zwanzigfache des am schlechtesten bezahlten Mitarbeiters erhalten darf. Eine Regel zur Bonushöhe gibt es dagegen nicht, aber der Bonus ist bei der BEKB jeweils deutlich kleiner als der Fixlohn.

Die Zürcher Kantonalbank wiederum hat keine Obergrenzen eingeführt. Die Medienstelle betont, dass die Bank eine «moderate und verantwortungsvolle» Salärpolitik verfolge. Auch die Regionalbankgruppe Valiant hat keine Obergrenzen für die Bonihöhe festgelegt. Im Geschäftsjahr 2013 betrug der Bonus für die Geschäftsleitungsmitglieder zwischen 19 und 44 Prozent des Jahreslohnes.

Erstellt: 11.02.2015, 10:46 Uhr

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