UBS-Chef in Belgien abgeführt

Aus Übersee bläst der UBS schon länger ein harter Wind entgegen. Nun entdeckt die belgische Justiz amerikanische Methoden im Kampf gegen die Steuerflucht – der Chef der Niederlassung wurde festgehalten.

Auch aus europäischen Ländern wächst der Druck: Signet der UBS. (Archivbild)

Auch aus europäischen Ländern wächst der Druck: Signet der UBS. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Belgier machen es im Kampf gegen Steuerflucht den Amerikanern nach: Marcel Brühwiler, Schweizer Patron der UBS Belgium, wurde gestern wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation festgehalten und stundenlang befragt. Die Staatanwaltschaft wirft dem Chef der belgischen UBS-Niederlassung vor, Steuerflucht in die Schweiz organisiert zu haben.

Gegen Ableger der UBS in Frankreich und Deutschland laufen zwar ähnliche Verfahren. Die harsche Festnahme nach einer Hausdurchsuchung am Domizil des UBS-Chefs gestern Vormittag in Brüssel ist aber eine Premiere in Europa. Federführend ist Untersuchungsrichter Michel Claise, spezialisiert in Wirtschaftskriminalität und bekannt als Hardliner. Brühwiler war auch am Abend immer noch nicht auf freiem Fuss.

Andere Filialen im Fokus

Im Visier waren bei den Hausdurchsuchungen neben der Privatunterkunft des UBS-Patrons und eines Kunden auch die UBS-Niederlassung mit ihren Filialen in Brüssel, Gent und Antwerpen. Die belgischen Behörden hatten die Ermittlungen gegen die Praktiken des UBS-Ablegers bereits vor drei Monaten aufgenommen. Nach Darstellung der Justizbehörden spielten Aussagen von ehemaligen Compliance-Mitarbeitern eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen.

Die Mitarbeiter hätten die «betrügerischen Praktiken» der Bank nicht mehr tolerieren können, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Konkret soll UBS Belgium während Jahren wohlhabende Kundschaft dabei beraten haben, nicht deklarierte Offshore-Konten in der Schweiz zu eröffnen und Vermögen dorthin zu verlagern. Die Staatsanwaltschaft will inzwischen Belege dafür haben, dass Beträge in der Höhe von mehreren Milliarden Euro verschoben und so dem belgischen Fiskus entzogen worden seien.

Zur Beratung aus der Schweiz angereist?

Nach Ansicht von Experten wäre es ein besonders schwerer Fall, wenn die UBS ihre Niederlassung in Belgien für Offshore-Geschäft in der Schweiz genutzt hätte. Eine etwas andere Darstellung lieferte Ende Mai ein belgisches Wochenmagazin, angeblich gestützt auf interne Dokumente aus den Ermittlungen. Demnach sollen Banker der UBS aus der Schweiz angereist sein, um vermögende Belgier bei der Eröffnung von Offshore-Konten zu beraten. Möglicherweise kamen auch beide Praktiken zur Anwendung.

UBS Belgium war vor knapp zehn Jahren nach einer Steueramnestie der belgischen Behörden gegründet worden. Wohlhabende Belgier repatriierten insbesondere aus der Schweiz und Luxemburg damals grössere nicht deklarierte Vermögen. Der Schweizer Marcel Brühwiler ist seit Januar 2012 CEO der UBS-Niederlassung. Zuvor war er laut eigenen Angaben für die Bank in Deutschland und Luxemburg unter anderem für «proaktive Vermögensverwaltung» und die Umsetzung der Wachstumsstrategie bei der Vermögensverwaltung zuständig.

Die UBS werde mit den belgischen Behörden zusammenarbeiten, sagte gestern ein Sprecher der Schweizer Bank gegenüber Nachrichtenagenturen. Die UBS toleriere keine Aktivitäten, die dazu dienten, Kunden bei der Umgehung ihrer Steuerpflicht zu unterstützen.

Erstellt: 19.06.2014, 23:12 Uhr

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