US-Starkanzlei soll der UBS im Devisenstreit helfen

Ziel ist für die UBS, nicht als kriminelle Organisation zu gelten: Die Anwälte von Gibson Dunn kämpfen für die Bank um einen Deal mit der US-Justiz.

In den USA will die Schweizer Grossbank wieder vorwärts schauen können: UBS-Sitz in New York.

In den USA will die Schweizer Grossbank wieder vorwärts schauen können: UBS-Sitz in New York. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gibson Dunn ist fast so alt wie die UBS. Vor 125 Jahren in Los Angeles gegründet, zählt die Anwaltskanzlei in den USA zu den renommiertesten und teuersten Adressen. Die Gibson-Spezialität sind grosse Wirtschaftskriminalfälle. So wie jener rund um die Devisenmanipulationen, bei dem die UBS gemeinsam mit weiteren globalen Investmentbanken am Pranger steht.

Ein Urteil der US-Justiz soll vor Sommer gefällt werden, meint ein Insider. Für die Grossbank, die gestern mit einem Quartalsgewinn von 2 Milliarden Franken und Rekordergebnissen quer durch alle Bereiche positiv überraschte, ist das Risiko besonders hoch. Die ­Nummer eins der Schweiz könnte nämlich in den USA als Wiederholungstäterin angesehen werden. Der Grund ist ihre trübe Vergangenheit. 2012 befand sich die UBS im Fall um Manipulationen des Referenzzinses Libor an vorderster Front. Für die Bank wurde eine Busse von rund 1,5 Milliarden Franken fällig. Zudem musste sich in Japan eine Tochter der Grossbank strafrechtlich schuldig bekennen.

Rückstellungen reichen aus

Damals blieb der UBS nichts anderes übrig, als der US-Justiz ihr Wohlverhalten für mindestens zwei Jahre zu versprechen. Andernfalls könnte der Deal rückgängig gemacht werden. Weil der Devisenfall mitten in diese Bewährungszeit platzte, mussten die Schweizer den USA letzten Herbst eine Verlängerung der Frist um ein Jahr zugestehen.

Das macht sie nun besonders verletzlich. Denn die Grossbank riskiert, als kriminelle Organisation gebrandmarkt zu werden. Dieses Schicksal hatte vor Jahresfrist die Credit Suisse im US-Schwarzgeld-Fall ereilt. Mit diesem Stigma ver­sehen, bestünde für die UBS in den USA die Gefahr, von wichtigen Investoren wie Pensionskassen gemieden zu werden – mit direkten Auswirkungen aufs Geschäft.

Der Auftrag an die Kanzlei Gibson Dunn lautet, dies zu verhindern. Die ­Anwälte verteidigten in der Vergangenheit so berühmte Auftraggeber wie die Technologiefirma Apple in deren Patentstreit ­gegen Samsung und das Galaxy-Handy sowie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Dort geht es um Milliarden.

Was das Geld angeht, so scheint die UBS vorgesorgt zu haben. Ihre Rückstellungen für Rechtsrisiken sind von Ende Dezember bis Ende März von 3,1 Milliarden auf noch 2,7 Milliarden Franken zwar gesunken. Daraus lässt sich jedoch ableiten, dass die Bank keine neuen Rückstellungen für den Devisenfall benötigt. Ein Sprecher der UBS wollte sich auf ­Anfrage nicht dazu äussern und verwies auf die letzten Quartalsberichte. Letzten Herbst hatte die UBS hauptsächlich für die Devisenuntersuchungen 1,8 Milliarden Franken zurückgestellt, um dann wenig später knapp 800 Millionen an verschiedene Untersuchungsbehörden zu zahlen.

Grosser Fall

Damals blieb eine Einigung mit der als streng geltenden US-Justiz explizit offen. Für eine solche befinden sich geschätzt 1 Milliarde Franken im Rückstellungstopf. Verschiedene Medien hatten in den letzten Wochen von einem kurz bevorstehenden Deal mit einer Strafhöhe für die UBS in diesem Umfang berichtet. Dass ein Deal offenbar noch etwas länger braucht als angenommen, hängt wohl mit der schieren Grösse des Falls zusammen. Das amerikanische Jus­tiz­departement und weitere Be­hörden wollen sich gleichzeitig mit mehreren beschuldigten Banken einigen.

Bestraft werden jahrelange Manipulationen und Absprachen von Währungskursen, die bis 2013 anhielten. Händler der involvierten Geldhäuser – neben der UBS werden die US-Grossbanken J. P. Morgan und Citigroup sowie die englische Barclays und weitere prominente genannt – hatten sich in «Chat»-Räumen von Bloomberg ausgetauscht. Dabei ging es darum, mit eigenen Fremdwährungspositionen Gewinne zulasten der Kunden zu erzielen.

Erstellt: 06.05.2015, 07:17 Uhr

Artikel zum Thema

Die neue UBS zeigt ihre Muskeln

Analyse Was vom überraschenden 2-Milliarden-Gewinn zu halten ist und warum die Grossbank nun optimistisch in die Zukunft schaut. Mehr...

«Was für ein Jahresauftakt» – Börse bejubelt starkes UBS-Resultat

Das sah kaum einer kommen: Die Grossbank legt ein fulminantes Startquartal hin. Anleger kaufen die Aktie am Dienstagmorgen und treiben den Kurs. Mehr...

«Die US-Justiz will ihre Inkompetenz vertuschen»

Der Whistleblower Bradley Birkenfeld hat sich gegenüber der «Tagesschau» erstmals zum Fall UBS geäussert. Dabei erhebt er schwere Vorwürfe gegen das US-Justizministerium. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Willkommen auf dem E-Bauernhof

Im Jahr 2050 gilt es, 9,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Somit muss bis dann die Nahrungsmittelproduktion weltweit um 70 Prozent erhöht werden.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Winzig: Die Hand des Babyschimpansen Quebo (geboren am 6. Oktober 2019) im Zoo Basel. (13. November 2019)
(Bild: Georgios Kefalas) Mehr...