Uber der Luftfahrt stösst auf Kritik

Privatjet-Flüge buchen wie Fahrten mit Uber-Taxis: Die US-Firma Ubair macht es möglich. Doch das Konzept hat seine Macken.

Unter anderem fliegt Ubair mit diesem Flugzeugtyp: Eine PC-12 der Pilatus-Werke aus Stans NW.

Unter anderem fliegt Ubair mit diesem Flugzeugtyp: Eine PC-12 der Pilatus-Werke aus Stans NW. Bild: Pilatus

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Privatflüge zu «erschwinglichen» Preisen können beim Privatjet-Vermittler Ubair gebucht werden – ähnlich wie beim Taxivermittler Uber, an dessen Name und Konzept sich Ubair anlehnt. Online und via App können registrierte Nutzer eine Flugofferte anfragen und ein Kleinflugzeug reservieren.

Dem «Uber der Lüfte» steht der Hamburger Aviatikexperte Cord Schellenberg skeptisch gegenüber: Es sei nicht klar, bei welchen Flügen Berufs- oder Privatpiloten am Steuer sitzen. «Nur weil ein Pilot eine Lizenz hat, sagt das nicht viel über seine Qualität aus.» Schellenberg würde nur bei Berufspiloten ins Flugzeug steigen. «Ich würde auch nicht in irgendein Auto sitzen, dessen Fahrer einem die Tür aufhält und sich als Taxifahrer ausgibt.» Wenigstens könne er, im Gegensatz zum Flugzeug, das Auto verlassen, wenn es ihm nicht mehr wohl sei. Während eines Fluges sei das unmöglich.

Ob genügend Reisende die Dienste von Ubair in Anspruch nehmen, hängt laut Schellenberg auch von weiteren Faktoren ab. «Wie zuverlässig ist der Service? Wird der Flug nicht kurzfristig annulliert? Wie sind Buchung, Bezahlung, Abfertigung und so weiter organisiert? Wie sieht es mit der Flugzeugwartung aus? Wer ist der Eigentümer des Flugzeugs?»

Firmen möchten keine Privatleute

Businessjets werden – wie der Name schon sagt – oft für geschäftliche Zwecke eingesetzt. Doch grosse Firmen, die traditionell Kunden von Executive-Jet-Firmen sind, dürften sich Schellenberg zufolge kaum für Ubair begeistern. «Ihre Vertreter möchten wahrscheinlich nicht mit Privatleuten fliegen, die auch noch den Flieger füllen. Ich wäre überrascht, wenn Unternehmen oder wohlhabende Persönlichkeiten Flugzeuge über Ubair buchen würden.»

Laut dem Aviatikkenner ist es zudem fraglich, ob der Name Ubair in rechtlicher Hinsicht verwendbar ist. «Zumindest aus europäischer Perspektive wäre es nicht empfehlenswert, wenn der Businessjet-Anbieter gleich hiesse wie die Fahrzeugvermittlung.»

Mässig erfolgreicher Ubair-Vorgänger

Auch die Anlehnung des Ubair-Konzepts an den Taxivermittler Uber stösst auf Kritik: Der Vergleich des Privatjet-Unternehmens mit seinen berühmten Namensvetter hinke, schreibt das Magazin «Condé Nast Traveler». Uber habe das Transportwesen aufgemischt, weil eine Dienstleistung zu meist günstigeren Preisen angeboten werde. Hingegen werde Fliegen im Privatjet, sogar mit einem Rabatt, fast immer teurer sein als kommerzielle Flüge. Zudem müsse man den Aspekt der Professionalität bedenken, wenn man sich Uber als Vorbild nehme. Der umstrittene Fahrdienst erhalte immer wieder Reklamationen über unprofessionelle Fahrer.

Ob das Konzept von Ubair ein Erfolg wird, ist fraglich. Der Ubair-CEO war 2013 als mässig erfolgreicher Gründer aktiv. Nach einem ähnlichen Konzept wie Ubair funktionierte sein früheres Unternehmen «Jumpseat», das er als «Airbnb der Flugreisen» bezeichnete. Gibt man heute die Webadresse von Jumpseat ein, wird man automatisch auf die Seite von Ubair weitergeleitet.

Erstellt: 18.04.2015, 10:16 Uhr

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