Über 100 Millionen Verlust mit Stromproduktion

Der Energiekonzern Alpiq hat es aus den roten Zahlen geschafft, die Stromproduktion ist jedoch weiterhin ein Verlustgeschäft.

Der Konzern wird nach eigenen Angaben auch künftig an den tiefen Energiehandelspreisen leiden: Ein Strommast. (Archiv)

Der Konzern wird nach eigenen Angaben auch künftig an den tiefen Energiehandelspreisen leiden: Ein Strommast. (Archiv) Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Der Energiekonzern Alpiq erreichte einen Reingewinn (nach IFRS) von 294 Millionen Franken nach einem Verlust von 830 Millionen Franken im Vorjahr, als hohe Wertberichtigungen auf den Kraftwerkspark das Ergebnis belasteten.

Das Betriebsergebnis Ebitda vor Sondereffekten liegt indes bei 395 Millionen Franken und damit wie angekündigt unter Vorjahr. Tiefe Grosshandelspreise sowie ein ungeplanter Stillstand des Kernkraftwerks Leibstadt hätten die hiesige Stromproduktion als Haupttreiber belastet, teilte Alpiq heute mit. Das Reinergebnis vor Sondereinflüssen beträgt 115 Millionen Franken nach 46 Millionen Franken vor Jahresfrist.

Keine Dividende

Der Umsatz sank 2016 im Vergleich zum Vorjahr auf 6,08 Milliarden von zuvor 6,72 Milliarden Franken. Das Betriebsergebnis Ebitda nach IFRS erreichte 778 Millionen Franken nach 50 Millionen Franken vor einem Jahr, und der Ebit 379 Millionen Franken nach minus 511 Millionen Franken im Jahr davor.

Die Aktionäre sollen erneut keine Dividende erhalten. Zudem bezahle Alpiq den Schweizer Konsortialaktionären weiterhin keinen Zins auf ihrem Hybriddarlehen, heisst es. Die öffentlich platzierte Hybridanleihe werde hingegen bedient.

Für das laufende Jahr rechnet Alpiq damit, dass das operative Ergebnis 2017 durch verschiedene Faktoren belastet sein wird: negative Währungseffekte aufgrund auslaufender Absicherungsgeschäfte, die vor dem SNB-Entscheid zur Aufgabe des Euro-Mindestkurses getätigt worden waren, der Ausfall des Kernkraftwerks Leibstadt sowie das äusserst herausfordernde Marktumfeld mit tiefen Grosshandelspreisen.

Forcierung rentabler Geschäfte

Um für Investoren interessant zu werden, will das Unternehmen die profitablen Dienstleistungsgeschäfte bündeln. Der Umbau biete Chancen, hiess es heute in Olten.

Man wolle Strukturen für künftiges Wachstum schaffen, sagte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin vor den Medien. Die Energielandschaft sei in einem massiven Umbruch. Man leide und werde auch in Zukunft an den tiefen Energiehandelspreisen leiden.

Daher will der Konzern sein Dienstleistungsgeschäft neu strukturieren. Neu soll es die verlustbringende «Generation Schweiz» (Stromproduktion) sowie die drei Bereiche «Digital & Commerce», «Industrial Engineering» und «Building Technologie & Design» geben. Investoren sollen sich im kommenden Jahr an den drei neuen Geschäftsfeldern mit bis zu 49 Prozent beteiligen können.

Man brauche frisches Geld, um wachsen zu könne, sagte Staiblin. Es seien «gesunde und profitable Bereiche». 80 Prozent der insgesamt 8500 Angestellten der Alpiq arbeiten derzeit in diesen Dienstleistungsgeschäften.

AKW-Rückbau und Digitalisierung

Als Wachstumsmarkt sieht Alpiq zum Beispiel den Rückbau von Atomkraftwerken. Weitere Themen sind der Kraftwerksbau, der Betrieb und die Instandhaltung sowie dezentrale und umweltfreundliche Energieerzeugungssysteme. Alpiq will auch auf die integrierte Gebäudetechnik setzen, und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern auch in benachbarten Ländern. Man habe energieeffiziente Komplettlösungen für Einfamilienhäuser, hiess es.

Das dritte Standbein konzentriert sich auf die Optimierung eigener Kraftwerke und zentraler Erzeugungseinheiten. Die Digitalisierung soll ausgebaut werden. Alpiq hat eine Plattform mit künstlicher Intelligenz aufgebaut, um etwa eine Kläranlage effizient betreiben zu können. Es geht auch um die Steuerung von Industrie- und Energieanlagen.

Stromproduktion bleibt Verlustgeschäft

Ein Sorgenkind bleibt bis auf weiteres die «Generation Schweiz», zu der die Wasserkraft und die Beteiligungen an den AKW Gösgen SO und Leibstadt AG gehören.

Die Kosten der Stromproduktion sind deutlich höher als die Grosshandelspreise. Im vergangenen Jahr fuhr die Alpiq hier einen Verlust von 108 Millionen Franken ein. Hinzu kommt noch Kosten von 42 Millionen Franken, weil das AKW Leibstadt wegen technischer Probleme länger stillstand als geplant.

Nichts Konkretes wollte die Alpiq-Chefin zum im letzten Jahr angekündigten Teilverkauf des Wasserkraftportfolios sagen. Der Konzern möchte bis zu 49 Prozent der Speicherkraftwerke an in- und ausländische Investoren veräussern.

«Wir verkaufen die Wasserkraft nicht unter Wert», sagte Staiblin. Die Werke würden in Schweizer Hand bleiben, Alpiq werde mindestens 51 Prozent behalten. Sie machte gleichzeitig klar, dass man längerfristig an die Wasserkraft glaube. Die Grosshandelspreise könnten bis in zehn Jahren wieder steigen. Der Strom aus Wasserkraft und AKW spielt derzeit seine Produktionskosten auf dem freien Markt nicht ein. (nag/sda)

Erstellt: 06.03.2017, 12:57 Uhr

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