Über Nacht um 6,6 Milliarden Dollar reicher

Wie der jüngste Kurssprung der Amazon-Aktie den Firmengründer Jeff Bezos zum reichsten Mann der Welt gemacht hat.

Hat einen bisher einmaligen Bieterwettbewerb für eine zweite Amazon-Zentrale lanciert: Firmengründer und Hauptaktionär Jeff Bezos.

Hat einen bisher einmaligen Bieterwettbewerb für eine zweite Amazon-Zentrale lanciert: Firmengründer und Hauptaktionär Jeff Bezos. Bild: Joshua Roberts/Reuters

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Beflügelt von einem über den Erwartungen liegenden Quartalsergebnis, hat die Aktie von Amazon in der Nacht auf heute um über 8 Prozent an Wert gewonnen. Jeff Bezos, der Gründer des E-Commerce-Giganten und mit seiner rund 17-prozentigen Beteiligung immer noch dessen grösster Aktionär, kann sich dank diesem Kurssprung an einem Vermögenszuwachs von nicht weniger als 6,6 Milliarden Dollar erfreuen. Hält sich das Amazon-Papier auf seinem Stand von 1055 Dollar, steigt Bezos zum reichsten Mann der Welt auf und verweist Microsoft-Gründer Bill Gates auf den zweiten Platz.

Laut dem Milliardärs-Index der Agentur Bloomberg kommt der 53-jährige Unternehmer aktuell auf ein Vermögen von rund 90 Milliarden Dollar, Gates bringt es auf etwa 88 Milliarden. Seit Beginn dieses Jahres ist Bezos damit um gut 18 Milliarden reicher geworden. Dieser Geldregen fällt in eine Zeit, da der Amazon-Chef mit einer anderen Aktion für grosses Aufsehen weit über Amerika hinaus sorgt. Im September liess er verkünden, dass Amazon einen zweiten Konzernhauptsitz – neben dem bisherigen in Seattle – in den USA oder Kanada aufbauen wolle. Welche Stadt auch immer das Rennen machen wird – sie kann mit der Schaffung von 50'000 und mehr Arbeitsplätzen sowie Investitionen in der Grössenordnung von 5 Milliarden Dollar rechnen.

Einmaliger Anbiederungswettbewerb

Die Aussicht auf den Zuschlag für eines der grössten Stadtentwicklungsprojekte in der jüngeren Vergangenheit hat einen intensiven Bieterwettbewerb unter mehr als 100 Bewerbern ausgelöst. Vom texanischen El Paso bis New York, von Stonecrest im Südstaat Georgia bis zum kanadischen Toronto – sie alle machen Jeff Bezos den Hof, und dieser kann sie alle gegeneinander ausspielen. Doch was wohl als cleverer Schachzug eines aufgebufften Unternehmers gedacht war, könnte sich zu einem Reputationsrisiko für Amazon und ihren Chef entwickeln.

Natürlich läuft das Rennen um die Amazon-Gunst darauf hinaus, dass sich die Bewerberstädte mit Steuergeschenken und anderen finanziellen Zugeständnissen gegenseitig überbieten – und das für eines der weltweit wertvollsten Unternehmen und den reichsten Mann auf Erden. Für ein Unternehmen zudem, das es schon bis jetzt meisterhaft verstanden hat, günstige Standortbedingungen für sich auszuhandeln. Nach Schätzungen von Experten konnte der Internetriese in den letzten fünf Jahren Steuer- und anderweitige Vorteile im Wert von über 1 Milliarde Dollar einstreichen, so viel wie nur wenige andere Firmen.

Ein Sieger, viele Verlierer

Da mutet es fast schon bizarr an, wenn Amazon einen von Tucson, Arizona, gespendeten 7-Meter-Kaktus kurzerhand zurückweist mit der Begründung, man könne im Rahmen der laufenden Hauptsitz-Ausmarchung keine Geschenke annehmen. In den Medien mehren sich jedenfalls die kritischen Kommentare über diesen kommunalen Anbiederungswettlauf, den es in dieser Form und Grösse noch nicht gegeben hat. Kritiker sprechen von einer eigentlichen Farce, zumal sich die mit dem Auswahlprozess für den Zweithauptsitz betrauten Amazon-Insider offenbar längst auf eine Liste einiger weniger Kandidaten geeinigt haben. In der Tat gibt es nur eine sehr begrenzte Zahl von Städten, welche die hohen Ansprüche des Konzerns bezüglich Grösse und Qualität des Arbeitskräftereservoirs, internationaler und regionaler Verkehrsanbindung sowie Kultur- und Freizeitangebot zu erfüllen vermögen.

So wird dieses Bieterrennen am Ende einen einzigen Sieger und viele enttäuschte Verlierer hervorbringen. Und ob dieser Sieger tatsächlich ein Gewinner ist und vor allem ob die Einwohner der siegreichen Stadt unter dem Strich von der Amazon-Ansiedlung profitieren werden, ist alles andere als gewiss. Sie werden sich dereinst fragen müssen, ob die für den Bezos-Konzern verwendeten Steuermittel nicht besser in andere dringliche Infrastrukturvorhaben wie Schulen, Wohnungsbau und Transportkapazität gesteckt worden wären.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.10.2017, 16:43 Uhr

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