Und wieder öffnen sich Abgründe bei der UBS

Erst der Libor- und jetzt der Devisenhandelsskandal: Einmal mehr legt die Finma bei der Grossbank haarsträubende Fehlleistungen offen. Verdient eine solche Institution einen neuen Vertrauensvorschuss?

Die Manipulationen im internationalen Devisenhandel lassen die UBS einmal mehr in schlechtem Licht erscheinen: Die heutige UBS-Führung unter Konzernchef Sergio Ermotti (l.) und Verwaltungsratspräsident Axel Weber.

Die Manipulationen im internationalen Devisenhandel lassen die UBS einmal mehr in schlechtem Licht erscheinen: Die heutige UBS-Führung unter Konzernchef Sergio Ermotti (l.) und Verwaltungsratspräsident Axel Weber. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Der Bericht der Finanzmarktaufsicht (Finma) über die Devisenmarkt-Manipulationen der UBS lässt einen fassungslos zurück. Was da auf 20 Seiten ausgebreitet wird, muss zum Eindruck führen: In den Devisenhandelsabteilungen der Grossbank in Zürich/Opfikon ist jahrelang falsch gelaufen, was nur falsch laufen konnte. Eine Gruppe von Händlern hat sich über alle Regeln und Verhaltensweisen hinweggesetzt – von Treu und Glauben ganz zu schweigen –, um den Profit der Bank und einiger ausgewählter Kunden zu mehren. Dafür wurden die Banker reichlich belohnt – mit Boni, die bis zum Siebenfachen des Fixlohnes reichten. Ein Korrektiv existierte nicht. Niemand in der UBS fühlte sich zwischen Januar 2008 und Mitte 2013 bemüssigt, dieses Treiben zu hinterfragen oder zu überwachen. Hinweise der internen Revision und von Whistleblowern, die auf Schwachstellen, Unzulänglichkeiten und Interessenkonflikte im Devisenhandel hinwiesen, wurden geflissentlich überhört.

Was die Finma hier skizziert, ist eine völlig aus dem Ruder gelaufene Unternehmenskultur. Was zählte, ist der Gewinn – nur der Gewinn. Ob sich die Mitarbeitenden an die Compliance hielten, also die Regeln einhielten, spielte bei ihrer Leistungsbeurteilung laut Finma-Bericht eine «untergeordnete Rolle». Das galt offenbar auch für die Vorgesetzten: Regeln und Kodices wurden schlicht nicht zur Kenntnis genommen, weil sie das Geldverdienen behinderten. Selbst die spätestens im Sommer 2012 aufgeflogenen Manipulationen beim Referenzzinssatz Libor führten im UBS-Devisenhandel zu keinerlei Einsichten und Korrekturen.

Möglichst schnell vergessen

Die heutige UBS-Führung unter Konzernchef Sergio Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber wird nicht müde zu betonen, dass die Bank in Sachen Compliance und Firmenkultur «weitreichende Veränderungen vorgenommen» habe. Man darf der Bank zugutehalten, dass sie im Sommer 2013 umgehend reagierte, als erste Medienberichte über organisierte Absprachen zwischen Devisenhändlern verschiedener Banken auftauchten. Als einer der ersten betroffenen Akteure leitete die UBS interne Ermittlungen ein, und sie informierte die Finma nach ersten Hinweisen auf Fehlverhalten von Mitarbeitenden bereits im September 2013. Allem Anschein nach hat sich die Grossbank wirklich bemüht, den Skandal offenzulegen und die Aufsichtsbehörden zu unterstützen.

Dennoch bleibt ein zwiespältiges Gefühl zurück. Allzu sehr streicht die UBS in ihrer heutigen Stellungnahme heraus, dass für sie mit dem Abschluss der Finma-Untersuchung und mit der Zahlung einer Vergleichssumme von 774 Millionen Franken die leidige Angelegenheit nun erledigt sei. Man will nach vorne blicken und das Vergangene möglichst schnell vergessen, zumal die finanziellen Belastungen für die Bank dank früher getätigter Rückstellungen verdaut sind. Worte des Bedauerns und der Reue oder eine Entschuldigung bei Kunden, die man geschädigt und deren Vertrauen man missbraucht hat, fehlen gänzlich.

Wiederholungstäterin

Hellhörig macht ausserdem, dass die Finma eine Beschränkung der Boni für Devisen- und Edelmetallhändler der UBS auf 200 Prozent des Grundgehalts verfügt hat – und nicht etwa die Grossbank selbst. Die Finma muss sich allerdings fragen lassen, weshalb sie diese Limitierung auf zwei Jahre begrenzt hat. Inwieweit die grösste Schweizer Bank tatsächlich eine neue, auf Fairness, Respekt und Aufrichtigkeit beruhende Firmenkultur geschaffen hat, ist eine offene Frage. Ermottis und Webers Worte müssen sich an Taten messen. Vorderhand gilt die UBS als Wiederholungstäterin, die im Libor- wie auch im Devisenhandelsskandal tief verstrickt war und elementare Standards einer einwandfreien Geschäftsführung aufs Gröbste verletzte. Dieser Bank jetzt einen Vertrauensvorschuss einzuräumen, fällt nicht eben leicht.

Erstellt: 12.11.2014, 11:25 Uhr

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