Unheimlicher Riese

Google missbraucht seine dominante Position, um die Konkurrenz kleinzuhalten oder ganz vom Markt zu drängen.

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An Google führt heute schon kein Weg vorbei. Nächstens fahren wir in Google-Autos oder betrachten die Welt durch Google-Brillen und steuern die Heizung zu Hause dank Google vom Büro aus. Wir lieben seine Produkte. Doch langsam wird uns die Dominanz des Riesen unheimlich. Nicht zuletzt der Abhör­skandal um den US-Geheimdienst NSA hat da einen langsamen Klima- beziehungsweise Imagewandel ausgelöst.

Der US-Konzern verfügt über un­vorstellbare Mengen an Daten, und es werden immer mehr. Google weiss schon heute mehr über uns, als uns lieb sein kann. Doch die Abhängigkeit ist da und wird noch zunehmen. In fast allen EU-Staaten liegt der Marktanteil der Suchmaschine bei 90 Prozent. In den USA nutzen die Amerikaner selber viel öfter auch alternative Anbieter, etwa vom Konkurrenten Microsoft.

Natürlich stellt sich die Frage, weshalb es kein europäisches Google, aber etwa auch kein europäisches Pendant zum iPhone-Hersteller Apple gibt. Nokias Niedergang als Handy­verkäufer ist schon eine Weile her. Kein Wunder, sind jetzt Europas Autohersteller alarmiert. Beschert ihnen das Google-Auto ein ähnliches Schicksal, wie es einst der finnische Marktführer für Mobiltelefone erlebte?

Immer einen Schritt voraus

Der Eindruck drängt sich auf: Die Innovation kommt aus den USA. Den Europäern bleibt nicht viel anderes übrig, als gegen die erdrückende Marktmacht auf ihre Wettbewerbsregeln zu pochen. Tatsächlich ist Google alles andere als ein freundlicher Riese. Die harmlose Suchmaschine ist der Lock­vogel für Googles ausufernde Geschäfte. Die Selbstdarstellung als globaler Wohltäter ist geschicktes Marketing.

Google missbraucht seine dominante Position, um die Konkurrenz kleinzuhalten oder ganz vom Markt zu drängen. Es ist gut, dass die EU-Kommission hier jetzt eine härtere Gangart einschlägt. Der Erfolg ist aber ungewiss. Denn die Chance ist gross, dass die innovativen Internetkonzerne den Wettbewerbshütern immer einen Schritt voraus sein werden.

Erstellt: 15.04.2015, 23:00 Uhr

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