«Unser Diligence-Prozess ist ein absoluter Witz»

Wie viel wussten die CS-Manager über angeblich faule US-Hypothekenpapiere? Mehr als bisher angenommen. So zumindest lesen sich neu aufgetauchte Mails.

Ungelöste Rechtsfälle aus der Finanzkrise: Gebäude der Credit Suisse in New York.

Ungelöste Rechtsfälle aus der Finanzkrise: Gebäude der Credit Suisse in New York. Bild: Keystone

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«Unser Diligence-Prozess ist ein absoluter Witz.» Sätze dieser Art finden sich in den E-Mails von leitenden Angestellten der Credit Suisse in den USA, die vor der Finanzkrise im Geschäft mit verbrieften Hypotheken tätig waren. Mit «Diligence» ist hier die Überprüfung der von der CS verkauften Immobilienkreditbündel gemeint – das heisst die Bonitätsprüfung der Hypothekennehmer. Die am Freitag veröffentlichten E-Mails belasten die Credit Suisse im seit Jahren währenden Rechtsstreit mit Investoren, wie die «New York Times» berichtet.

Während Banken wie die UBS bereits umfangreiche Vergleiche mit Klägern wie der FHFA abgeschlossen haben, steckt die Credit Suisse noch in diversen Prozessen. Einen davon führt die Gesellschaft Cambridge Place Investment Management gegen die CS und 15 weitere Banken. Aus dieser Zivilklage, in der es um eine Gesamtsumme von 1,8 Milliarden Dollar geht, stammt das publik gewordene Material. Mit 14 Banken wurde bereits eine Einigung erzielt, nicht so mit der Credit Suisse.

Brady Dougan war Empfänger

Die Klagen um verbriefte Hypotheken drehen sich stets um dieselben Fragen: Wussten die Banken, dass die von ihnen verkauften Papiere mit hohen Risiken beladen waren? Wurde die Kreditwürdigkeit der Schuldner korrekt dargestellt? Wie aus den internen CS-E-Mails hervorgeht, waren zumindest die Probleme bei der US-Abteilung der Credit Suisse sehr wohl bekannt. So reflektiert ein Manager in einem von der «New York Times» zitierten E-Mail vom Juni 2007, dass praktisch «jeder flüchtige Schuldner» mit seiner Hypothek durchs Netz der CS-Richtlinien schlüpfen konnte.

Mindestens ein aus der Zeit vor der Finanzkrise vorliegendes Dokument ging auch an den heutigen Bankchef Brady Dougan. Er war von 2002 bis 2005 in leitenden Funktionen für Credit Suisse First Boston tätig, bis zu seiner Beförderung zum Gruppenchef im Jahr 2007 leitete Dougan die Investmentbank. Thema dieses Audits ist das vom Hypothekengeschäft in den USA ausgehende Risiko für die Bank: Dieses wird als «bedeutend und unakzeptabel» in operationaler und finanzieller Hinsicht und als potenzielles Reputationsrisiko beschrieben.

Warnungen von unten

In einem weiteren Mail wird das Hypothekengeschäft von einem führenden Angestellten als «Titanic» bezeichnet, die irgendwann untergehen werde. Offenbar gerieten die Hierarchiestufen bei der CS häufig miteinander in Konflikt. Während untere Ebenen vor der Qualität der Hypotheken warnten, wurde von oben Druck zur Geschäftsausweitung gemacht. Resultat dieser Geschäftspolitik ist laut «New York Times» die Vergabe von Hypotheken an fragwürdige Schuldner gewesen: etwa an einen Tankwart mit einem vorgeblichen Jahreseinkommen von 93'000 Dollar oder an einen Verkäufer der Retailkette Nordsrom, der 110'000 Dollar pro Jahr verdient haben soll.

Während sich die meisten Banken auf Rechtsvergleiche mit Investoren eingelassen haben, lässt es die Credit Suisse in den USA auf gerichtliche Auseinandersetzungen ankommen. Die neu veröffentlichten Dokumente könnten dieser Strategie zuwiderlaufen. Offene Fälle, in die die CS involviert ist, sind die Klagen der US-Hypothekenagentur FHFA, die Schäden auf den total 14 Milliarden Dollar an gekauften Immobilienpapieren geltend macht. Hängig ist auch eine Klage der New Yorker Staatsanwaltschaft über 11,2 Milliarden Dollar gegen die Credit Suisse. Ein Sprecher der Bank zeigt sich gegenüber der «New York Times» zuversichtlich, dass diese Prozesse vorteilhaft für die Bank ausgehen werden. (ssc)

Erstellt: 10.03.2014, 12:20 Uhr

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