Urs Rohner holt immer mehr Frauen in den CS-Verwaltungsrat

Der Präsident der Grossbank erhält mit der Schweiz-Österreicherin Seraina Maag eine weitere Managerin fürs Spitzengremium. Mit 3 von 12 Mitgliedern ist ein Viertel des Gremiums weiblich.

Seraina Maag an der Spencer Gala 2012. (Screenshot/Youtube)

Seraina Maag an der Spencer Gala 2012. (Screenshot/Youtube)

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Der Name, um den sich an der morgigen Aktionärsversammlung der Credit Suisse alles dreht, ist Tidjane Thiam. Der neue CEO, der ab Juli am operativen Steuer steht, soll die CS nach der Ära des Amerikaners Brady Dougan klarer positionieren und den Aktienkurs des Finanzmultis steigern. Mit Thiam hat Präsident Urs Rohner seinen grossen Auftritt. Dem Wirtschaftsanwalt, der seit 4 Jahren die CS repräsentiert, ist mit der Verpflichtung des Managers aus der Elfenbeinküste ein Coup gelungen. Nach der US-Milliardenbusse und den hohen Boni stieg die Kritik an Rohner. Mit Thiams Wahl sank der Druck.

Auch wenn laute Kritik an der Generalversammlung aufkommen dürfte: Rohner sitzt wieder sicher im Sattel. Das dürfte ihm helfen, seine Kandidatin für den Verwaltungsrat mit einer guten Quote durchzubringen. Die Frau heisst Seraina Maag, sie ist 46 und eine Managerin aus der Versicherungsbranche mit einem Schweizer und einem österreichischen Pass. Ihre Karriere begann Maag bei der Swiss Re, jenem Versicherer, der jahrzehntelang eng mit der CS verbandelt war. Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz war eine Zeit lang sogar gleichzeitig Chairman der CS.

Erstaunliche Parallelen zwischen Maag und Thiam

Von Swiss Re ging Maag als Mitgründerin und Finanzanalystin zur Neuen Zürcher Bank und 2002 zur Zurich-Versicherung. In den folgenden Jahren stieg Maag steil die Karriereleiter hoch, ohne dass dies in der breiten Öffentlichkeit bemerkt worden wäre. Dabei blieb sie der Welt der Zahlen treu, zunächst als Leiterin von Investor Relations bei der Zurich, dann als Finanzchefin des Zurich-Geschäftsbereichs namens Specialities, den sie von 2007 bis 2010 gar leitete.

Das war der Moment, als die Managerin richtig durchstartete. Bei der XL, einer internationalen Rückversicherung, gegen die Urs Rohner Mitte der Zweitausenderjahre einen wichtigen Konflikt gewonnen hatte, wurde Seraina Maag CEO. Im Herbst 2013 übernahm sie schliesslich bei der amerikanischen AIG, einer der grössten Versicherungen der Welt, die in der Finanzkrise 2008 vor dem Aus gestanden hatte, die Leitung der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika.

Damit gibt es erstaunliche Parallelen zwischen der designierten CS-Verwaltungsrätin Maag und dem neuen CS-CEO Thiam. Beide haben ihren Weg in der Welt der Assekuranz gemacht, und zwar in London, dem Finanzzentrum Europas. Aufgrund ihrer Funktionen als grosse Versicherungschefs dürften sie sich persönlich kennen. Die CS wollte sich nicht zu Maag äussern.

CS-Frauenquote von 25 Prozent

Maag ist die zweite Frau, die unter Rohner in den Verwaltungsrat der CS stösst. 2012 hatte der Ex-Wirtschaftsanwalt Iris Bohnet geholt, eine Schweizer Professorin, die an der bekannten US-Eliteuniversität Harvard lehrt.

Auch zwischen Bonet und Maag gibt es Übereinstimmungen. Beide sind Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer Karriere im Ausland in ihrer Heimat wenig bekannt sind. Rohner wählt Leute für seinen Inner Circle, die nicht aus dem Zürcher Finanz-«Filz» stammen, sondern eine globale Karriere weit weg von der Limmatstadt ausweisen. Mit seiner kürzlichen Wahl in den VR des englischen Pharmamultis GlaxoSmithKline hat Rohner auch so eine Kür geschafft.

Neben Versicherungsfrau Maag und Professorin Bonet sitzt bei der CS mit Noreen Doyle eine dritte Frau im strategischen Leitungsgremium. Doyle ist mit Jahrgang 1949 und ihrem breiten Erfahrungsschatz eine Art Schlachtross der globalen Finanzindustrie. Ihre Sporen abverdient hatte sich die irisch-amerikanische Doppelbürgerin bei der amerikanischen Bankers Trust und schaffte es danach bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung ganz nach oben. Heute ist Doyle Rohners Vize und als Lead-Independent-Direktorin die erste externe Vertreterin im CS-VR.

Mit drei Frauen im neu noch zwölf Personen umfassenden VR kommt die CS auf eine Frauenquote von 25 Prozent. Sie liegt damit im Schnitt. Bei der UBS sind ebenfalls drei von zwölf VR-Mitgliedern Frauen, bei der Swiss Re sind es drei von 14, Nestlé kommt auf vier bei 14 Mitgliedern. Der Nahrungsmittelmulti hat mit fast 30 Prozent die höchste Quote, dahinter folgt die Novartis mit drei Frauen auf elf Verwaltungsräte.

Erstellt: 23.04.2015, 17:46 Uhr

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