VW entschuldigt sich für Affen-Versuche

In einer Studie wurden Affen über Stunden Abgasen ausgesetzt. Erst habe man sich bei VW gar überlegt, die Versuche an Menschen durchzuführen.

VW entschuldigt sich für «Fehleinschätzung»: Ein Makake in einem Labor. (Archivbild)

VW entschuldigt sich für «Fehleinschätzung»: Ein Makake in einem Labor. (Archivbild) Bild: Keystone

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Volkswagen hat sich für Tierversuche in den USA entschuldigt, bei denen Affen gezielt Dieselabgasen ausgesetzt worden waren. Der Autokonzern Daimler versprach, die Hintergründe der Studie aufzuklären.

«Wir sind der Überzeugung, dass die damals gewählte wissenschaftliche Methodik falsch war. Es wäre besser gewesen, auf eine solche Untersuchung von vornherein zu verzichten», teilte der VW-Konzern am Samstag mit. Volkswagen distanziere sich klar von allen Formen der Tierquälerei. «Wir entschuldigen uns für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung Einzelner.»

Daimler teilte am Samstag mit, man habe eine Untersuchung eingeleitet. Der Konzern distanzierte sich erneut von den Experimenten. «Wir halten die Tierversuche in der Studie für überflüssig und abstossend», hiess es.

Die Tests mit den Affen waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Deshalb hatte die EUGT («Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor») - eine von Volkswagen, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative - sie beim US-amerikanischen Lovelace Respiratory Research Institute in Auftrag gegeben. Federführend war laut dem Studienleiter dabei VW.

Wie «Bild» berichtet, habe man sich bei VW erst überlegt, die Versuche mit Menschen durchzuführen. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine E-Mail von EUGT-Geschäftsführer und Ex-VW-Mitarbeiter Michael Spallek an den Forschungsleiter sowie zwei VW-Mitarbeiter. Das Argument Spalleks gegen ein solches Vorgehen:« Du kannst dir die öffentliche Diskussion bei einer solchen Studie vorstellen».

«Widerlich und absurd»

Grossaktionär Niedersachsen teilte am Samstag mit, die Vertreter des Landes im Aufsichtsrat drängten auf vollständige Aufklärung der Geschehnisse aus dem Jahr 2014, von denen sie durch die Medien erfahren hätten. Ausserdem müsse sichergestellt werden, dass nie wieder vergleichbare Studien in Auftrag gegeben werden.

«Zehn Affen stundenlang mutwillig Autoabgase einatmen zu lassen, um zu beweisen, dass die Schadstoffbelastung angeblich abgenommen habe, ist widerlich und absurd», sagte Ministerpräsident Stephan Weil.

Gemäss «Bild» haben die Affen die Versuche überlebt. Über den Gesundheitszustand der Testtiere habe die Zeitung jedoch keine Auskunft erteilt bekommen. Ein Abschlussbericht fehle bis heute. (sep/sda)

Erstellt: 27.01.2018, 20:32 Uhr

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