VW und Daimler im Sog der Eurokrise

Jahrelang verbuchten die deutschen Autobauer steigende Gewinne. Nun melden VW und Daimler empfindliche Einbussen. Daran schuld sind teilweise überraschende Ursachen.

Neue Modelle treiben den Absatz, aber nicht unbedingt den Gewinn: VW-Chef Martin Winterkorn posiert vor dem neuen Modell Cross Blue Coupé an der Autoshow in Shanghai. (19. April 2013)

Neue Modelle treiben den Absatz, aber nicht unbedingt den Gewinn: VW-Chef Martin Winterkorn posiert vor dem neuen Modell Cross Blue Coupé an der Autoshow in Shanghai. (19. April 2013) Bild: Keystone

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Der deutsche Autobauer Volkswagen muss zu Jahresbeginn einen herben Gewinneinbruch wegstecken. Der operative Gewinn sackte wegen der schwachen PW-Nachfrage im schuldengeplagten Europa binnen Jahresfrist um 26 Prozent auf gut 2,3 Milliarden Euro ab, wie das Unternehmen am Mittwoch überraschend bekannt gab. Volkswagen hält aber an seinen Geschäftszielen fest.

Konzernchef Martin Winterkorn bekräftigte, Volkswagen wolle im laufenden Jahr mehr Autos verkaufen und den Umsatz zum Vorjahr steigern. Beim operativen Gewinn erwartet Europas grösster Autobauer aber ein weiteres Jahr Stagnation.

Rabattschlacht in Europa

Volkswagen hatte bereits in den vergangenen Wochen durchblicken lassen, dass das erste Quartal besonders schwach ausgefallen ist. In den nächsten Monaten soll das Geschäft besser laufen.

In den ersten drei Monaten lieferte der Zwölf-Marken-Konzern rund um den Globus 2,3 Millionen Fahrzeuge aus, 4,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz sank zugleich leicht auf 46,6 Milliarden Euro, was darauf hinweist, dass die Rabattschlacht in Europa Spuren in der Bilanz hinterliess. Beim Betriebsgewinn schlug zudem zu Buche, dass VW einen dreistelligen Millionenbetrag für den Rückruf Tausender Fahrzeuge in China wegen Getriebeproblemen zur Seite legte.

Daimler: Schwache Nachfrage in China

Ein verpatzter Jahresstart hat den Autobauer Daimler zur zweiten Gewinnwarnung binnen weniger Monate gezwungen. Wie der deutsche Konzern am Mittwoch mitteilte, rechnet er für 2013 nicht mehr damit, das operative Ergebnis von 8,1 Milliarden Euro aus dem Vorjahr erreichen zu können. Vor allem die taumelnden Automärkte in Westeuropa sowie die überraschend schwache Nachfrage im Boomland China setzen dem vom Export abhängigen Autobauer zu.

Im ersten Quartal schrumpfte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte auf 917 Millionen Euro. In der wichtigen Autosparte brach das operative Ergebnis sogar um rund zwei Drittel ein. Der Konzernumsatz sank um 3 Prozent auf 26,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich fuhr Daimler nur noch einen Gewinn von 564 Millionen Euro ein nach 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr.

Bereits auf der Generalversammlung Mitte des Monats hatte Zetsche Alarm geschlagen und bekannt gegeben, die Prognose für das laufende Jahr wegen der Absatzkrise in Europa zu überprüfen – nachdem er bereits im Herbst das Gewinnziel für 2012 hatte kappen müssen.

Absatzkrise und hohe Kosten

Die Gründe für den herben Gewinneinbruch zum Jahresstart sind vielfältig: Neben der Absatzkrise in Europa schlugen auch Kosten für neue Modelle zu Buche. «Daimler befindet sich mitten in der umfangreichsten Wachstumsoffensive seiner Unternehmensgeschichte», erklärte Finanzchef Bodo Uebber.

Hinzu komme derzeit ein ungünstiger Modellmix. Zwar verkauften die Schwaben in den ersten drei Monaten des Jahres mit rund 341'511 Mercedes-Benz etwas mehr Autos als im Vorjahreszeitraum.

Dabei hielten aber vor allem die A- und B-Klasse sowie die Geländelimousinen das Unternehmen auf Kurs. Im Vergleich zu den grösseren Modellen lässt sich mit den Kompaktwagen allerdings weniger Geld verdienen.

Hoffnungen auf neue S-Klasse

Grosse Hoffnung setzt Daimler auf sein Flaggschiff S-Klasse, dessen neue Generation im Mai Premiere feiert. Eine überarbeitete Version der E-Klasse rollt bereits von den Bändern. Im Zuge des Modellwechsels sei der Absatz bei den beiden Limousinen zum Jahresstart aber zunächst rückläufig gewesen, erklärte Uebber.

Gegensteuern will der Daimler-Chef mit einem Spar- und Effizienzprogramm, mit dem der Konzern bis Ende 2014 die Kosten insgesamt um rund 4 Milliarden Euro drücken will. (sda)

Erstellt: 24.04.2013, 15:07 Uhr

Ford verliert mehr Geld in Europa - US-Markt boomt

Der europäische Automarkt bremst Ford weiter aus. Im ersten Quartal musste der US-Konzern hier einen Vorsteuerverlust von 462 Millionen Dollar verkraften. Das war dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der geschäftliche Ausblick sei unsicher, erklärte Ford am Mittwoch am Konzernsitz in Dearborn nahe Detroit. Im Gesamtjahr rechnet der Konzern in Europa weiterhin mit einem Vorsteuerverlust von um die 2 Milliarden Dollar.

Ford leidet genauso wie andere Autohersteller unter schrumpfenden Verkäufen in Europa. Die Zahl der abgesetzten Fahrzeuge sank zu Jahresbeginn um 8 Prozent auf rund 341'000. Um wieder in die Spur zu kommen, schliesst der Hersteller drei Werke in Grossbritannien und Belgien, was insgesamt 6200 Jobs kostet. Ford will auf diese Weise zur Mitte des Jahrzehnts wieder Geld in Europa verdienen.

Insgesamt geht es Ford allerdings nicht schlecht. Der boomende Heimatmarkt in Nordamerika ist und bleibt der Wachstumsmotor. Der Umsatz stieg dadurch konzernweit um 10 Prozent auf 35,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich um 15 Prozent auf unterm Strich 1,6 Milliarden Dollar. «Wir gehen weiterhin davon aus, dass 2013 ein starkes Jahr wird», erklärte Konzernchef Alan Mulally. (dpad)

Peugeot Citroën kämpft weiter mit Krise

Die Absatzkrise in Europa trifft den angeschlagenen französische Autohersteller PSA Peugeot Citroen weiter hart. Der Umsatz brach zum Jahresauftakt weiter ein. Der nach Volkswagen zweitgrösste europäische Autohersteller setzte im ersten Quartal mit 13 Milliarden Euro 6,5 Prozent weniger um als vor einem Jahr.

In der Autosparte tauchte der Erlös um 10 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Die Zuliefertochter Faurecia konnte den Rückgang etwas abfedern, aber nicht mehr so stark wie noch zuletzt. Experten hatten allerdings mit einem noch stärkeren Umsatzrückgang gerechnet.

Die Lage sei vor allem in Deutschland, Frankreich und Südeuropa schwierig, hiess es. Nach dem schwachen Start in Europa ist PSA für den Gesamtmarkt etwas pessimistischer als zuletzt. (sda)

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