Vasella bezeichnet 72-Millionen-Paket als «gerechtfertigt»

In einem Interview mit der «Financial Times» blickt der ehemalige Novartis-Präsident zurück auf sein Erbe – und versucht, subtilen Einfluss auf seinen Nachfolger bei der Pharmafirma zu nehmen.

Versucht, den Novartis-Kurs aus der Ferne zu steuern: Daniel Vasella.

Versucht, den Novartis-Kurs aus der Ferne zu steuern: Daniel Vasella. Bild: Keystone

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In einem Interview mit der «Financial Times» (Artikel zahlungspflichtig) meldet sich der ausgewanderte Wirtschaftskapitän Daniel Vasella zu Wort. Seine Meinung scheint er seit dem Wirbel um seine Abgangsentschädigung im Frühling nicht geändert zu haben. Gegenüber dem britischen Wirtschaftsblatt bezeichnet er das 72-Millionen-Paket, das ihm der Verwaltungsrat ursprünglich gewährt hatte, als «gerechtfertigt».

Er glaube nicht, dass sich Manager in Verhandlungen mit einer Firma zurückhalten sollten, so Vasella. Was dabei herauskomme, liege in der Verantwortung des Verwaltungsrats. Vasella war zwischen 1996 und 2010 Konzernchef und von 1999 bis 2013 Verwaltungsratspräsident des Pharmakonzerns. Die Doppelrolle als CEO und Präsident, die er dort über ein Jahrzehnt ausübte, sieht Vasella weiterhin positiv.

«Nebensächliche» Managerlöhne

Das kombinierte Mandat sei die beste Option, «wenn man die richtige Person hat». Den Lohn von Spitzenkräften hält Vasella für «nebensächlich», sofern diese Manager gute Renditen für das Unternehmen erwirtschaften würden. Seit dem Rücktritt war es still geworden um den ehemaligen Novartis-Präsidenten. Vasella ist in die USA übergesiedelt, seinen dortigen Wohnort hält er geheim. Gegenüber den Medien äusserte sich Vasella zuletzt nur selten.

Wie Vasella im Interview sagt, wird er das kommende Jahr seinen Coaching-Aktivitäten bei Novartis widmen, wo er unter anderem Kaderleute bei der Work-Life-Balance berät. Sein Tagessatz als Berater liegt dabei bei 25'000 Dollar, wie im Juli bekannt geworden war. Zudem hält er ein Mandat beim Consulting-Unternehmen McKinsey.

Tipps für den Nachfolger

Später möchte Vasella, dessen Konkurrenzverbot inzwischen aufgelöst wurde, eigene Geschäftsideen verfolgen. Wie im Gespräch deutlich wird, sorgt sich der gebürtige Freiburger aus dem Üechtland um sein Erbe bei Novartis. Vasella warnt seinen Nachfolger Jörg Reinhardt davor, den eingeschlagenen Kurs zu ändern und etwa Unternehmensteile zu verkaufen. «Fokussiert zu sein, ist eine Modeerscheinung», sagt Vasella. «Kurzfristig zahlt sich dies sicherlich aus, aber Moden ändern sich. Mein Horizont ist langfristig.»

Schon kurz nach Vasellas Rücktritt hatten Analysten die Möglichkeit in den Raum gestellt, dass Novartis gewisse Sparten wie die Impfstoffe abstossen könnte. Gegenüber der FT räumt Vasella heute ein, dass die 2006 zugekaufte Geschäftseinheit eine «langfristige Wette» bleibe. Zum Stimmrechtsaktienpaket, das Novartis an Roche hält, sagt Vasella: «Wenn ich Roche wäre, würde ich [die Anteile] zurückkaufen und meine Freiheiten zurückerhalten.» (ssc)

Erstellt: 26.08.2013, 11:20 Uhr

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