Vasella erhält auch nach seinem Abgang Millionen

Der Pharmakonzern Novartis hat mit seinem Chef eine geheime Vereinbarung unterzeichnet.

Bild: Felix Schaad

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Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze von Novartis verlässt Daniel Vasella Ende Februar das Unternehmen. Als Chef der 1996 zu Novartis fusionierten Sandoz und Ciba-Geigy, die er zu einem der weltweit führenden Pharmakonzerne formte, hat Vasella unbestritten Herausragendes geleistet.

Bekannt wurde der Arzt aus dem Bündnerland indes auch als Abzocker, dessen Bezüge im zweistelligen Millionenbereich einer der Auslöser für die Lancierung der Minder-Initiative waren. Neuen Auftrieb liefert Vasella den Initianten mit einem Vertrag, der ihm als Ausgleich für ein offenbar fünfjähriges Konkurrenzverbot über Jahre weitere Zahlungen in Millionenhöhe zusichert. Novartis sagt, der Vertrag sei Geheimsache und schweigt sowohl zur Vertragsdauer als auch zur Höhe der Zahlungen fürs Nichtstun.

Schub für Minder-Initiative?

Die Promotoren der Volksinitiative «gegen die Abzockerei» erhoffen sich von Vasellas Abgang einen positiven Impuls für ihr Anliegen. «Vasella ist der Prototyp des Abzockers, der Inbegriff der Verfilzung», sagt Co-Initiant Claudio Kuster. Dass der Name knapp sechs Wochen vor der Abstimmung wieder ins öffentliche Bewusstsein dringt, wertet er als Chance. «Vielleicht bewegt dies nun mehr Leute, an die Urne zu gehen und für unsere Initiative zu stimmen.»

Politologe Michael Hermann hingegen hält es für ausgeschlossen, dass Vasellas Abgang Minders Abzockerinitiative Auftrieb geben wird. Einfluss auf die Abstimmung vom 3. März könnte laut Hermann höchstens ein handfester Skandal haben, etwa wenn in diesen Tagen bekannt würde, dass ein namhafter Manager sich seinen Abgang mit einem goldenen Fallschirm versüssen liesse. Langfristig hingegen hält Hermann Auswirkungen für denkbar – allerdings zulasten der Abzockergegner. Figuren wie Vasella seien etwa für die Jungsozialisten (Juso) wichtig, sagt er. «Fallen sie weg, fehlt den Juso das Personal, mit dem sie ihre Politik machen kann.»

Eine gute Wahl hat Novartis mit der Wahl von Jörg Reinhardt als Vasellas Nachfolger getroffen, der 2010 bei der Wahl von Joe Jimenez als Konzernchef unterlag, darauf Chef der Pharmasparte von Bayer wurde und im Sommer das Präsidium im Verwaltungsrat übernimmt. Novartis kämpft derweil das zweite Jahr in Folge mit Umsatzstagnation, da der Konzern im 2013 wegen auslaufender Patente im Pharmabereich einen Einnahmenausfall von 3,5 Milliarden Dollar mit neuen Mitteln kompensieren muss.

Erstellt: 24.01.2013, 06:16 Uhr

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