Vasella sträubt sich gegen Preissenkungen

Die Frankenstärke macht der Schweizer Pharmabranche zusehends zu schaffen. Nun fordert Novartis-Chef Daniel Vasella eine spezielle Massnahme.

Unterstützt die Forderung von Thomas Cueni: Daniel Vasella, Verwaltungsratspräsident Novartis.

Unterstützt die Forderung von Thomas Cueni: Daniel Vasella, Verwaltungsratspräsident Novartis. Bild: Reuters

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Die Pharmaindustrie fordert wegen des starken Frankens einen sofortigen Stopp des Vergleichs der Schweizer Preise mit jenen in sechs europäischen Ländern. Thomas Cueni, Generalsekretär des Branchenverbands Interpharma, sagt gegenüber der Zeitung «Sonntag»: «Als der Preisvergleich mit dem Ausland gestartet wurde, war die Währungssituation ziemlich stabil. Heute sind die Auswirkungen absurd. Es braucht deshalb ein Moratorium des Auslandpreisvergleichs.» Dieses solle zumindest so lange gelten, bis sich die Währungskrise gelegt habe.

Damit will die Pharmaindustrie Preissenkungen von bis zu 20 Prozent verhindern. Grund könnte die im Herbst 2012 anstehende Vergleichsrunde sein. Dann könnten die Preise an die anhaltend schwachen Euro-, Pfund- und Kronenkurse angepasst werden. Heute verkaufen die Medikamentenhersteller ihre Produkte in der Schweiz zu einem Euro-Wechselkurs von 1.52 Franken.

Prominente Unterstützung

Novartis-Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella schliesst sich Cuenis Forderung an. Für die Schweizer Pharmaindustrie seien der tiefe Dollar und Euro eine sehr hohe Belastung, sagt er gegenüber der Zeitung «Sonntag». Die Branche erziele nur knapp zwei Prozent des Umsatzes in der Schweiz. Jedoch würden 25 bis 30 Prozent der Kosten hier anfallen.

Die Anpassung der Preise ans Ausland sei «problematisch», sagt er weiter. «Die Preise werden an den meisten Orten verordnet und im Vergleich zu Preisen in der Schweiz mit Wechselkursschwankungen zusätzlich belastet. Aus diesen Gründen verstehe und unterstütze ich den Antrag von Herrn Cueni.»

Spielregeln nicht nach Belieben verändern

Sollte sie mit ihrer Forderung nicht durchkommen, droht die Pharmaindustrie mit dem Stellenabbau. Walter Hölzle von der Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz: «Wenn wir die Preise um 20 Prozent senken müssen, dann sind unsere Mitgliedsfirmen gezwungen, in der Schweiz weitere Stellen abzubauen.»

Preisüberwacher Stefan Meierhans wehrt sich jedoch gegen die Moratoriumsforderung. «Es geht nicht an, während des Spiels die Spielregeln nach Belieben zu verändern. Schliesslich tragen wir umgekehrt auch das Wechselkursrisiko in Zeiten, wo der Franken schwächer wird», sagt er der Zeitung «Sonntag».

(mrs/wid)

Erstellt: 10.07.2011, 15:57 Uhr

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