Vaudoise zahlt geprellten Versicherten Millionen zurück

Ein Versicherungsvertreter gaukelte seinen Kunden vor, ihr Geld über die Vaudoise anzulegen. Jetzt entschädigt die Versicherung die Opfer mit Millionen.

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Der Aussendienstmitarbeiter der Vaudoise gehörte im Luzerner Hinterland zur Lokalprominenz. Er beriet viele Interessenten in all ihren Versicherungsbelangen – und nicht nur das: Auch Geldanlagen bot er seinen Kunden an. «Gewinnbringend und risikofrei – auch über die Vaudoise», wie einer seiner ehemaligen Kunden sagt. Zehntausende, ja sogar Hunderttausende von Franken vertrauten deshalb mehr als 50 Kleinanleger dem Versicherungsagenten an. Dieser legte ihnen Dokumente und Bescheinigungen vor, die den Briefkopf der Vaudoise-Versicherungen trugen.

Doch das vermeintlich sichere Anlagegeschäft entpuppte sich bald einmal als unseriös, nachdem eine Anlegerin ihr Geld zurückgefordert hatte. Die vom Versicherungsagenten vertriebene Geldanlage existierte gar nicht im Produkteportfolio der Vaudoise.

Kleinanleger atmen auf

Das war vor zweieinhalb Jahren. Seither bangten die Betroffenen um ihre Ersparnisse – mehrere Millionen Franken insgesamt. Auf eine Entschädigung der Opfer wollte sich die Versicherung bislang nicht festlegen.

Jetzt atmen viele Kleinanleger auf: Die Vaudoise bezahlt. Viele erhalten das eingesetzte Kapital zurück. «Es trifft zu, dass sich die Vaudoise-Versicherungen aus Kulanz bereit erklärt haben, die Betroffenen weitgehend schadlos zu halten», bestätigt ein Sprecher. Der Grund: «Weil es sich beim Täter um einen ehemaligen Mitarbeiter handelt.» Die Details der Rückzahlungen sind noch offen. Noch haben auch nicht alle Opfer dem Vergleich zugestimmt, weil die Vaudoise offenbar Zinsen und versprochene Gewinne nicht bezahlen und einigen Geschädigten nicht den ganzen Betrag auszahlen will. Die Vaudoise will zu den ­Modalitäten nichts sagen.

Alte Kundendaten benutzt

Gemäss Experten kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Versicherung in einem solchen Fall automatisch für Schäden eines Mitarbeiters zahlt. Versicherungsombudsman Martin Lorenzon sagt: «Es ist rechtlich fraglich, wie weit ein Versicherer für Schäden einstehen muss, wenn seine Mitarbeiter ihre Kompetenzen überschreiten und versicherungsfremde Geschäfte tätigen, von denen der Versicherer keine Kenntnis hat.» Schon in anderen Fällen zeigten sich Versicherungen jedoch aus Reputationsgründen kulant.

Aus Sorge, der Fall beschädige das Image, hat sich denn auch die Vaudoise entschieden, zu zahlen, wie ein Sprecher sagt. Dass interne Kontrollen versagt hätten, bestreitet der Sprecher. «Alle denkbaren Kontrollen können nicht verhindern, dass ein Mitarbeiter, der über kriminelle Energie verfügt, straffällig wird», sagt er. Dazu komme, dass der betroffene Mitarbeiter die Betrügereien nicht bei der Erfüllung seiner geschäftlichen Verrichtungen für die Vaudoise tätigte, sondern bloss frühere Kundenkontakte dafür ausgenutzt habe.

Die Vaudoise entliess den Vertreter fristlos, kurz nachdem die Affäre vor zweieinhalb Jahren aufgeflogen war. Sie will das Geld vom Täter zurück und verlangt deshalb von den Geschädigten die Abtretung ihrer Schadenersatzforderungen gegenüber dem Ex-Vertreter.

Das Verfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung gegen diesen läuft immer noch.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.08.2014, 07:58 Uhr

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