Venezuela verweigert Flughafen Zürich Millionenzahlung

Verstaatlichungsschock: Der Flughafen Isla de Margarita fiel in die Hände Caracas. Die Zürcher haben das Nachsehen und fordern Geld – bis heute.

Setzte auf das Feriengeschäft der venezolanischen Insel: Das Unternehmen Flughafen Zürich (Archiv)

Setzte auf das Feriengeschäft der venezolanischen Insel: Das Unternehmen Flughafen Zürich (Archiv) Bild: Keystone

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Der Staat Venezuela soll dem Flughafen Zürich 17 Millionen US-Dollar zahlen, umgerechnet 16,7 Millionen Franken. Bei diesem Geld handelt es sich um eine Entschädigungszahlung für den im Jahr 2005 verstaatlichten Flughafen Isla de Margarita. Doch Venezuela wehrt sich.

Venezuela verstaatlichte unter der Führung des inzwischen verstorbenen sozialistischen Präsidenten Hugo Chávez zahlreiche Unternehmen. Zu spüren bekam dies auch der Flughafen Zürich, der 2004 mit einem chilenischen Partner einen Vertrag über Ausbau und Betrieb des Flughafens Isla de Margarita abschloss.

Bereits ein Jahr später war das erhoffte Geschäft auf der Ferieninsel beendet: Das oberste Gericht Venezuelas erklärte den Vertrag für ungültig und übertrug den Flughafen der Zentralregierung. Das Konsortium ging leer aus. Der Flughafen Zürich bezeichnete dieses Vorgehen damals als inakzeptabel und schrieb die Beteiligung bereits 2006 vollständig ab.

Venezuela wehrt sich gegen das Urteil

Im Jahr 2010 gelangten der Flughafen Zürich und sein chilenischer Partner an das internationale Schiedsgericht in Washington. Im November 2014 fiel schliesslich das Urteil: Venezuela muss den beiden Teilhabern eine Entschädigungszahlung von 33,7 Millionen US-Dollar zahlen. Dem Flughafen Zürich steht davon die Hälfte zu.

Freuen kann man sich beim Flughafen aber noch nicht: Der Staat Venezuela hat am letzten Tag der Rekursfrist Beschwerde gegen dieses Urteil eingereicht, wie es dort auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda hiess. Die Klage wird somit neu aufgerollt.

Der Zürcher Flughafen ist nicht das einzige Schweizer Unternehmen, das von den Verstaatlichungen unter Staatschef Chávez betroffen war. Unter seiner Führung wurde beispielsweise auch eine Tochtergesellschaft des Zementkonzerns Holcim enteignet.

Die Regierung warf Holcim und anderen Zementkonzernen damals vor, sie würden nicht genug Zement liefern und so den Wohnungsbau hemmen. Insgesamt erhielt Holcim 650 Millionen Dollar Entschädigung. Die letzte Tranche in der Höhe von fast 100 Millionen Dollar wurde im vergangenen Dezember in die Schweiz überwiesen – allerdings erst, nachdem Holcim mit rechtlichen Schritten gedroht hatte. (spu/sda)

Erstellt: 23.03.2015, 16:55 Uhr

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