Viel Futter für Finanzjuristen

Die Banken stellen wenig neue Leute ein. Doch Juristen und Risikomanager werden händeringend gesucht. Weil die Regulierung immer komplizierter wird, lassen sich kleine Banken von den grossen helfen.

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Banker habens schwer. Seit ein Finanzskandal dem anderen folgt, müssen sie sich nicht nur als «Bankster» beschimpfen lassen, sondern finden auch nicht mehr so einfach eine neue Stelle. Die Schweizer Banken schrieben in der ersten Jahreshälfte ein Drittel weniger Stellen aus als noch vor einem Jahr. Doch jede Krise hat auch ihre Gewinner: Wer als Jurist auf Finanzrecht spezialisiert ist oder als Mathematiker Risikomodelle konstruiert, ist ein gesuchter Mann.

Gemäss dem jüngsten Job-Directory-Index suchen Banken vor allem Experten für Legal & Compliance, Risikomanager und Controller. Bankenexpertin Teresa Nielsen von der Bank Vontobel ist darüber nicht erstaunt. «Es ist klar, dass es vor allem in diesen Bereichen mehr Leute braucht. Die Regulierung hat enorm zugenommen, neue Anforderungen an Eigenkapital und Liquidität, neue Vorschriften im Hinblick auf den Anlegerschutz, auf Finanzprodukte und den Zugang zu nationalen Märkten machen immer neue Anpassungen erforderlich», so Nielsen.

«Mehr juristisches Fachwissen gefragt»

«Die Rechtsabteilung muss die neue Regulierung jeweils analysieren und Prozesse aufgleisen, die sicherstellen, dass den Anforderungen Rechnung getragen wird», so Nielsen. Um zu verhindern, dass Kunden später gegen eine Bank klagen, weil diese nicht über die Risiken eines Produktes aufgeklärt hat, wird Kundenberatern vorgeschrieben, was sie dem Kunden alles erklären müssen und wie sie das zu dokumentieren haben. «Die Vorschriften sind in jedem Land anders», so Nielsen.

«Aufgrund der stärkeren Regulierung ist bei den Banken sehr viel mehr juristisches Fachwissen gefragt», bestätigt auch der Sprecher der Bankiervereinigung, Thomas Sutter. Neue Straftatbestände in Bezug auf Geldwäscherei oder die Definition neuer Risikogruppen machten es erforderlich, Prozesse der Gesetzgebung anzupassen. Vor allem für kleine Banken könne der Ausbau der rechtlichen Kompetenz zu einem relativ grossen Kostenblock werden.

Kleine Banken lagern juristisches Fine-Tuning aus

«Weil es sich gerade kleinere Banken kaum noch leisten können, enorme Rechtsabteilungen aufzubauen, versuchen sie zunehmend, das Aufsetzen regelkonformer Prozesse auszugliedern», so Nielsen. «Grosse Banken wie UBS oder Credit Suisse bieten ihnen an, die kontinuierliche Anpassung zu übernehmen.» UBS-Sprecher Yves Kaufmann bestätigt, die Grossbank habe viel in ihre Compliance-Abteilung investiert, auch «vor dem Hintergrund der fortwährenden regulatorischen Anpassungen im internationalen Umfeld». Dass die UBS ihr Know-how auch kleineren Banken zur Verfügung stellt, will er hingegen nicht bestätigen.

«Gesuchte Spezies»

Gemäss Job Directory Index sind die Grossbanken UBS und CS die einzigen Banken, die im letzten halben Jahr mehr Personal suchten als vor einem halben Jahr. Bei der UBS waren es 70 Prozent mehr, bei der CS immerhin 7 Prozent. Gemäss Job Directory Index waren noch nie so viele Stellen im Bereich Legal & Compliance und Risk Management ausgeschrieben wie im letzten halben Jahr. Allein die UBS sucht zurzeit 13 Juristen.

Weil es in den Fachbereichen Risk Management, Tax und Legal & Compliance nicht einfach ist, die richtigen Leute zu finden, beauftragen die Banken mit der Suche oftmals spezialisierte Personalberater. Gemäss Roland Staub von der CMS AG fällt die Suche nach derartigen Profilen vor allem deshalb auf, weil «diese Inserate länger präsent sind und es gleichzeitig wenig andere Stellen im Banking gibt». Seit dem Beginn der Finanzkrise in 2007 seien Spezialisten für Legal & Compliance eine «gesuchte Spezies». Das liege allerdings auch daran, dass man den Job nicht an der Uni lernen könne und die Banken gerne «nur die Allerbesten haben wollten». Und «davon gibt es in der Schweiz nur wenige Dutzend.»

Erstellt: 09.07.2012, 17:32 Uhr

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