Vincenz spielt im Konflikt mit Vontobel eine neue Trumpfkarte

Die Raiffeisen-Tochter Notenstein geht mit EFG Financial Products eine Partnerschaft ein. Dies belastet das bereits angespannte Verhältnis zwischen der Bank Vontobel und der Raiffeisen-Gruppe.

«Man muss Gelassenheit entwickeln»: Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz.

«Man muss Gelassenheit entwickeln»: Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. Bild: Keystone

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Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz lacht sich eine neue Partnerin an: die EFG Financial Products – eine Anbieterin von strukturierten Anlageprodukten. Konkret ist es die Raiffeisen-Tochter Notenstein, die mit EFG Financial Products anbandelt. Zum einen soll Letztere für Notenstein Anlageprodukte kreieren. Zum andern stockt die ehemalige Privatbank Wegelin ihren Anteil an EFG Financial Products von heute 2,5 Prozent auf 22,75 Prozent auf.

Man könnte dies als normalen Schritt zur Zusammenarbeit abtun – wenn da nicht der Konflikt mit der Bank Vontobel wäre. Seit der Übernahme von Notenstein durch die Raiffeisen-Gruppe ist das Verhältnis der beiden kooperierenden Banken angespannt. 2004 gingen die St. Galler Genossenschafts- und die Zürcher Privatbank eine strategische Liaison ein. Gemäss Vertrag – dessen Details geheim sind – operiert Vontobel als Kompetenzzentrum für das Anlagegeschäft von Raiffeisen und ist verantwortlich für die Abwicklung und Verwaltung der Wertschriften der Raiffeisen-Kunden. Die St. Galler beteiligten sich im Gegenzug an Vontobel mit 12,5 Prozent. Der Vertrag hat Gültigkeit bis 2017.

Der Streit entzündete sich an der Frage, ob die 2012 von Raiffeisen übernommene Notenstein ebenfalls diesem Vertragswerk untersteht. Ja, findet Vontobel. Nein, heisst es bei Raiffeisen. Weil man sich nicht einigen konnte, rief Vontobel letzten Herbst das Schiedsgericht an, dessen Urteil im Laufe der kommenden Monate erwartet wird.

Vontobel setzt auf Richter

Dass Notenstein jetzt die Zusammenarbeit mit EFG Financial Products – einer Konkurrentin von Vontobel – stark ausbaut, kann man je nach Standort als Provokation oder als folgerichtige Weichenstellung ansehen. Bei Vontobel gibt man sich gegen aussen zurückhaltend. Sprecher Reto Giudicetti sagt: «Notenstein schafft mit der Beteiligung an EFG einen neuen Sachverhalt, der wiederum durch das Schiedsgericht beurteilt werden muss.» Aus Sicht von Vontobel ist also auch diese neuste Entwicklung Teil des Konflikts und muss demzufolge durch die neutrale Instanz geklärt werden.

Raiffeisen-Sprecher Franz Würth vermag im Ausbau der Beziehung mit EFG keine neue Eskalationsstufe zu sehen. «Eskaliert haben die Verantwortlichen von Vontobel. Sie haben das Schiedsgericht angerufen.» Man habe immer gesagt, dass man mit dem Kauf von Notenstein weitere Partnerschaften prüfen werde. «Das gehört zu unserer unternehmerischen Verantwortung.» Der Vertrag mit Vontobel laufe weiter. «Den erfüllen wir.» Im Übrigen sei Vontobel für die Raiffeisen-Gruppe die wichtigste Partnerin. Das bleibe auch so.

Neues Kooperationsabkommen

Der Vertrag, den Notenstein mit EFG Financial Products eingegangen ist, erinnert – soweit bekannt – frappant an das Kooperationsabkommen zwischen Raiffeisen und Vontobel. Er regelt nicht nur die Zusammenarbeit, sondern enthält auch ein gegenseitiges Vorkaufsrecht. Das gilt für Notenstein einerseits und die Gründer von EFG Financial Products andererseits für den Fall, dass sie Aktien abstossen wollen.

EFG Financial Products wurde 2007 von vier jungen Bankern gegründet. Sie steckten eigenes Geld in das Projekt. Gleichzeitig beteiligte sich die in der Schweiz domizilierte Privatbank EFG International mit über 50 Prozent am neuen Unternehmen. Im letzten Herbst ging der Bankdienstleister an die Börse. EFG International stiess die Mehrheit ab und hat jetzt ihren verbliebenen Anteil von 20,25 Prozent an EFG Financial Products für 70,2 Millionen Franken an die Bank Notenstein verkauft.

Langfristige Absichten

Gemäss Raiffeisen-Sprecher Würth ist der Einstieg bei EFG Financial Products «strategisch im Sinne unserer Diversifikationsstrategie». Raiffeisen wolle so die Abhängigkeit vom Zinsengeschäft reduzieren. Notenstein-Sprecherin Dominique Meier sagt zur Strategiefrage: «Wir unterstreichen mit der Beteiligung an EFG Financial Products, dass es nicht einfach nur um die Produktemission, sondern um eine ernsthafte, langfristige Zusammenarbeit und um eine Investition in ein Unternehmen und in Personen geht.» Gemeinsam seien beiden Unternehmen die vielen jungen, gut ausgebildeten Mitarbeitenden.

Erstellt: 13.03.2013, 06:40 Uhr

Raiffeisen-Chef
«Wir bleiben Vontobels Kunde.»

Ist der Zusammenarbeitsvertrag zwischen der Raiffeisen-Tochter Notenstein und EFG Financial Products ein neuer cleverer Schachzug von Pierin Vincenz?

Nein, dieser Vertrag passt hervorragend in die Diversifikationsstrategie der Raiffeisen-Gruppe: Wir bündeln Know-how, das bei Notenstein ist, mit der Fähigkeit von EFG Financial Products, Dienstleistungen und Produkte zu entwickeln. Diese Produkte soll EFG dem Markt zur Verfügung stellen, unter anderem auch der Raiffeisen-Gruppe.

Es riecht doch stark nach einer weiteren Eskalation im Konflikt, den Sie mit Vontobel ausfechten.

Das ist nicht unsere Absicht. Wir beziehen nach wie vor umfangreiche Dienstleistungen von Vontobel. Das wird gemäss Vertrag weiterhin der Fall sein. Diese Kooperation wird auch in Zukunft funktionieren – beispielsweise auf dem Gebiet der Wertschriftenverarbeitung.

Vontobel sieht das ein wenig anders.

Ja gut, Vontobel hat entschieden, Raiffeisen beim Schiedsgericht einzuklagen. In der Interpretation unseres Vertrages haben wir unterschiedliche Sichtweisen. Aber da warten wir jetzt ab, was auf dem Gerichtsweg entschieden wird.

Unterschiedliche Sichtweisen? Das ist doch eine Verharmlosung des eskalierenden Konflikts.

Ich bin nicht dieser Meinung. Wir sind immer noch einer der besten Kunden von Vontobel. Das werden wir auch weiterhin bleiben, weil wir doch sehr umfangreiche Dienstleistungen beziehen. Da pflegen wir auch einen täglichen Geschäftskontakt miteinander.

Der Vertrag mit Vontobel läuft bis 2017. Hat er darüber hinaus Bestand?

Wir haben den Vertrag 2009 verlängert. 2015 wird die Neuverhandlung anstehen. Da bleibt genügend Zeit, uns entsprechend vorzubereiten.

Bevor Sie neu verhandeln können, braucht es wohl eine Annäherung.

Es gibt jetzt einfach dieses Gerichtsverfahren, im täglichen Geschäft aber eine intensive Zusammenarbeit. Das muss man auseinanderhalten können, auch wenn wir bei Raiffeisen enttäuscht sind, dass Vontobel uns eingeklagt hat. Aber man muss da auch eine gewisse Gelassenheit entwickeln.


(Interview: Bruno Schletti)

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