Vom Ärgernis zur Konkurrenz – Baselworld kämpft in der Luxusbranche

Die Messe Schweiz reagiert mit Druck auf die zunehmend aufkommenden Parallelmessen zur Baselworld.

Lieber draussen als drinnen. Immer mehr Händler grenzen sich von der Baselworld ab und suchen nach anderen Möglichkeiten. Bild: Nicole Pont

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Mit grossem Brimborium startet heute das Stelldichein der Uhren- und Schmuckhändler aus der ganzen Welt. Doch der Handel mit den Luxusgütern spielt sich längst nicht mehr nur in den Hallen der Messe ab. In den letzten Jahren entstanden immer mehr kleinere Parallelmessen. Für die Baselworld werden diese langsam, aber sicher vom Ärgernis zur Konkurrenz. Offiziell gibt man sich diplomatisch, schliesslich soll der schöne Schein keinen Kratzer abbekommen. Hinter den Kulissen aber tobt ein Kampf auf Biegen und Brechen um die Millionen aus dem Luxusgeschäft.

Ein Beispiel ist «The Diamond Show», welche dieses Jahr zum zweiten Mal in der Markthalle stattfindet. Diese wurde von einer Gruppe rund um Martin Rapaport, einem der wichtigsten Diamantenhändler der Welt, ins Leben gerufen. Über 70 Aussteller nehmen an der viertägigen Diamantenschau teil. Die Branche habe sich ausklinken wollen, weil die Baselworld zu teuer wurde und sich zu wenig lohnt, so ein Schweizer Diamantenhändler. Ausserdem sei die Baselworld sehr «Uhren-lastig».

Club de Bâle gemietet

Gerade im Bereich Diamanten habe es an der Baselworld ausserdem viel Laufkundschaft, welche zwar Zeit in Anspruch nimmt, aber gar nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügt. «Grosse Marken brauchen das Flaggschiff Baselworld. Wer spezifisch sucht, geht an die Diamond Show», so das Fazit des Händlers. Er selber habe letztes Jahr die Baselworld gar nicht mehr besucht. Für die Messe bedeute diese Entwicklung einen enormen Imageschaden und auch ein finanzielle Bedrohung.

Aber auch einzelne Marken wenden sich von der Baselworld ab und proben den Alleingang. Die Schweizer Traditionsuhrenmarke DuBois et fils etwa hat für die nächsten Tage den unteren Teil des Club de Bâle gemietet. «Für uns ist diese Location ein absoluter Glücksfall», sagt CEO Thomas Steinemann, der selber Mitglied im Club de Bâle ist. «Wir sind zentral, auf direkter Achse zur Messe und haben eine traumhafte Aussicht. Ausserdem besteht ein hervorragendes Cateringangebot.» Nach dem Relaunch des Labels sei der Auftritt im Club de Bâle der Wiedereinstieg in das Messegeschäft. «Wir möchten jetzt einmal schauen, wie es läuft», sagt Steinemann. Auch die Kosten eines Messestandes in den Hallen seien, wenn auch nicht als Hauptgrund, in die Überlegungen eingeflossen.

Er schliesse aber nicht kategorisch aus, in künftigen Jahren doch auch in der Messe selber einen Auftritt zu haben. Denn natürlich habe ein Aussteller, der nur ausserhalb präsent ist, auch Nachteile. «Die Terminkalender der Besucher sind oft so dicht gefüllt, dass es schwierig ist, sie zu einem Besuch einer externen Location zu bewegen.» Bei DuBois et fils ist man dank der prall gefüllten Agenda jedoch überzeugt, dass die Messetage ein Erfolg werden. «Wir haben extra bereits von acht Uhr morgens und bis mindestens 20 Uhr abends geöffnet», so Steinemann.

Aussteller kehren wieder zurück

Bei den meisten «Separatisten» sind die Preise der Baselworld der entscheidende Faktor. Der Quadratmeterpreis in den Messehallen während der Baselworld liegt zwischen 420 und 960 Franken. Je besser der Sektor und je mehr Sonderwünsche, desto teurer. Laut der Messe Schweiz seien die Preise in den letzten Jahren um etwa 20 Prozent gestiegen. Vor allem die Fertigstellung des Neubaus vor zwei Jahren sorgte nochmals für höhere Preise. Ein Aussteller muss folglich schnell mal einen sechsstelligen Betrag in die Hand nehmen. Dazu kommt dieses Jahr noch der schwache Eurokurs. Für viele Unternehmen bedeutet dies einen Aufschlag von fast 20 Prozent. Ausserdem muss – vom Parkplatz bis zum Abfallsack – für alles bei der Messe bezahlt werden, was die Kosten weiter hochtreibt.

Andere Unternehmen mieten sich etwa einfach eine Etage in einem Hotel, grosse Privatwohnungen oder auch Geschäftsräume. «Man sieht immer mehr, dass sich Händler organisieren und den Zeitpunkt und das Potenzial nutzen», so ein Insider.

Auch bei der Messe Schweiz beobachtet man diese Entwicklung: «Die Zahl der ‹Trittbrettfahrer›, die versuchen, parallel zur Baselworld ihre eigene ‹Veranstaltung› durchzuführen, scheint in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen zu haben», sagt Sprecher Christian Jecker. Das spreche für die grosse Ausstrahlung und die Anziehungskraft der Baselworld. «Bis heute sind nach einem solchen Versuch alle zur Baselworld zurückgekehrt. Da wir innerhalb unserer Hallen die gesamte Breite des weltweiten Uhren- und Schmuckmarktes abbilden, ist es für externe Veranstalter und Aussteller schwierig, die Besucher aus den Hallen der Baselworld ‹wegzulocken›.»

Doch auch wenn es offiziell anders tönt: Die Trittbrettfahrer-Messen ärgern die Baselworld-Organisatoren massiv. Für das Unternehmen ist die Uhren- und Schmuckmesse existenziell. Entsprechend schweres Geschütz wird aufgefahren. Die Messe Schweiz versucht offenbar, der neuen Konkurrenz das Leben so schwer wie möglich zu machen. Wer für die Konkurrenz arbeite, könne vergessen, künftig von der Messe je wieder einen Auftrag zu erhalten, bestätigen mehrere Dienstleister gegenüber der BaZ. Das bestreitet Jecker: «Die Messe vergibt ihre Aufträge nach üblichen Massstäben. Die Aussteller ihrerseits sind in der Vergabe ihrer Aufträge frei.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.03.2015, 11:13 Uhr

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