Vorsprechen im Elysée

Der Chef von General Electric, Jeffrey Immelt, wirbt bei Frankreichs Regierung um Teile des Konzerns Alstom.

Jeffrey R. Immelt: CEO des amerikanischen Konzerns General Electric.

Jeffrey R. Immelt: CEO des amerikanischen Konzerns General Electric.

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Um 9.30 Uhr war es so weit. Jeffrey Immelt, Konzernchef von General Electric (GE), wurde am Montag­morgen doch noch vom französischen Präsidenten François Hollande und dessen Industrieminister Arnaud Montebourg empfangen. Der Anlass: das Angebot des US-Industrie­konglomerats, Teile des französischen Energie- und Bahnkonzerns Alstom für 13 Milliarden Dollar zu übernehmen. Eigentlich hätte das Treffen mit den Regierungsvertretern bereits am ­Sonntag stattfinden sollen – aber dann haben sich die Ereignisse über­schlagen. Und der 58-jährige Immelt musste warten.

Am Wochenende wurde bekannt, dass Immelt nicht der einzige Interessent an Alstom ist. Ermuntert von den französischen Behörden, die ihre Industrieperlen vor der Amerikanisierung schützen wollen, ist der deutsche Konkurrent Siemens ins Rennen um Alstom eingestiegen. Der Brief, den Siemens-Konzernchef Joe Kaeser seinem Amtskollegen Patrick Kron bei Alstom geschrieben hat, wurde mehreren Zeitungen zugespielt. Das Angebot sieht vor, dass Siemens die Energietechniksparte von Alstom übernimmt und den Franzosen im Gegenzug die eigene Zugsparte ­überlässt. Sowohl der ICE und als auch der TGV kämen dann aus einer Hand – noch dazu aus französischer. Wenn das kein Angebot ist. Ob Kaeser und Immelt sich im Elysée-Palast die Klinke in die Hand gaben, ist nicht bekannt. Sicher ist nur: Auch Kaeser ist heute zu einem Termin geladen.

Jeffrey Immelt dürfte die Situation allzu bekannt vorkommen. Der ­Amerikaner warb 2009 ebenfalls beim französischen Präsidenten für seine Übernahmepläne. Damals besetzte Nicolas Sarkozy diesen Posten und das Angebot galt einem Teil des Atom­energieriesen Areva. 4 Milliarden Euro wollte Immelt für dessen Strom­übertragungssparte bezahlen. Laut Insidern war das Angebot aus den USA das attraktivste.

Gereicht hatte es trotzdem nicht. Zur Debatte standen neben der Offerte von Immelt und GE eine von Toshiba aus Japan sowie ein kombiniertes französisches Angebot von Alstom und Schneider Electric. Am Ende spaltete die französische Regierung Arevas Stromübertragungsgeschäft lieber auf, als es den Ausländern zu überlassen. Immelt ging leer aus.

Ob sich die Geschichte wiederholt? Alstom-Chef Kron hat versprochen, bis spätestens Mittwochmorgen über die weiteren Schritte zu informieren. So lange bleiben die Alstom-Aktien vom Handel ausgesetzt. Die Ironie der Geschichte: Immelt bietet zum zweiten Mal für das gleiche Geschäft – zumindest in Teilen – und droht damit zum zweiten Mal zu scheitern. Der eine Teil der Areva-Sparte, die vor fünf Jahren an Alstom ging, gehört heute zu dem Geschäft, das Immelt übernehmen will.

Kommt hinzu, dass GE quasi erblich vorbelastet ist. Die europäischen Wettbewerbsbehörden haben Immelts Vorgänger Jack Welch vor 13 Jahren mit einem Fusionsverbot die Pensionierung verdorben. Welch hatte GE bis 2001 zwanzig Jahre lang geführt und als Grande Finale seiner Wirkungs­periode die Übernahme des ­US-Konkurrenten Honeywell für ­ 33 Milliarden Dollar angestrebt. Der Deal war geplatzt, weil sich GE geweigert hatte, den Wettbewerbsbehörden in Europa entgegenzukommen.

Ob dieser Reihe von Niederlagen mutete es fast erstaunlich an, dass General Electric Frankreich all die Jahre die Treue gehalten hat. Das Unternehmen beschäftigt nach wie vor 11 000 Angestellte im Land.

Erstellt: 29.04.2014, 07:28 Uhr

Intensives Werben: Siemens-Chef Joe Kaeser beim französischen Präsidenten François Hollande. (Video: Reuters )

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