Wars das mit dem Out von Cambridge Analytica? Von wegen!

Autor Hannes Grassegger sagt, warum das Daten-Problem mit dem Ende eines Players nicht gelöst ist.

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Die Diskussion um Cambridge Analytica begann vor genau 17 Monaten hier, auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt», hiess die Reportage. Der Text ging viral wie selten zuvor ein Text aus der Schweiz, löste weltweit Reaktionen aus. Und die Reaktion war der schon so lange überfällige Wutanfall der Öffentlichkeit über all die versteckten Datenmärkte, den Missbrauch der Privatsphäre, die Fahrlässigkeit von Facebook, das seine Nutzer nicht schützte, sondern schliesslich verkauft.

Denn es ging nämlich gar nicht um Cambridge Analytica. Es ging darum, dass die Öffentlichkeit nun nicht länger die Augen verschliessen konnte vor der gefährlichen Realität der kommerzialisierten Überwachung. Dieser Geist ist seit Jahren aus der Flasche, er ist die Seele des angeblich kostenlosen Webs unserer Gegenwart, und all die digitalen Techniken des Targetings und der psychologischen Analyse und Kontrolle stehen erst am Anfang. Wenn man das, was jetzt dank des fehlgeschlagenen Marketings von Cambridge Analytica bekannt wurde, mit der Entwicklung der Debatte über die zivile Nutzung der Kernenergie vergleicht, dann steht uns Tschernobyl wohl erst noch bevor.

Auch der Staat profitiert vom Datensammeln

Dass Cambridge Analytica – letztlich nur ein Markenname – jetzt verschwindet, löst das Problem nicht. Zuckerberg hat den ungeheuer schwachen US-Kongress bei der Befragung zum Thema um den Finger gewickelt. Denn eigentlich profitiert auch der Staat von all den Daten über seine Bürger (und die anderer Länder), die etwa Facebook oder Google sammeln.

Man soll nicht schlecht über Tote reden, sagt die alte Redensart. Wie aber soll man über Untote sprechen? Cambridge Analytica gibt es nun bald nicht mehr. Aber was Cambridge Analytica getan hat, das werden andere weitertreiben. Oder dieselben Leute, einfach unter anderem Firmennamen. Nur eben nicht mehr im Licht der Öffentlichkeit. Es ist wie am Ende einer Staffel. Die nächste Folge ist schon abgedreht. Bald werden wir sie sehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2018, 06:47 Uhr

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