Warum El-Erian den Stuhl räumt

Als CEO des Fondsanbieters Pimco besitzt der Ökonom einen der mächtigsten Posten der Weltwirtschaft. Entsprechend stark wurden seine Auftritte beachtet. Sein plötzlicher Abgang nährt Spekulationen.

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Der Abgang von Mohamed El-Erian bei Pimco wirft in der internationalen Finanzpresse hohe Wellen. Das verwundert nicht, denn der Bürger Ägyptens, Frankreichs und der USA zählt in der Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung weltweit zu den bekanntesten Namen. Das liegt allerdings nicht nur an seinen Ansichten, sondern vor allem auch an Pimco selbst. Der Name ist die Kurzform für «Pacific Investment Management Co» und steht für den grössten auf Anleihen spezialisierten Fondsanbieter mit einem Anlagevolumen von rund 2000 Milliarden Dollar. Damit ist Pimco der grösste Kreditvermittler für Grosskonzerne und für die Staaten der Welt. El-Erian ist aktuell noch CEO des Giganten und – noch wichtiger – gemeinsam mit Bill Gross Chief Investment Officer und damit für den Entscheid mit zuständig, wer die von den Anleihenkäufern investierten Milliarden erhalten soll.

Dass sich El-Erian aus diesem Machtzentrum Mitte März verabschieden wird, wie der Fonds am Dienstagabend bekannt gegeben hat, kam für alle überraschend. Seither jagen sich die Spekulationen, was dafür den Ausschlag gegeben haben könnte. Eine These lautet, er könnte sich mit Bill Gross überworfen haben. Gross hat Pimco 1971 gegründet und dominiert das Unternehmen noch immer. Obwohl es im Jahr 2000 vom deutschen Versicherungskonzern Allianz aufgekauft worden war, wird es seither als weitgehend autonome Tochter vom deutschen Konzern geführt.

Gegenseitige Lobhudelei

In ihren offiziellen Erklärungen geben sich sowohl Gross wie auch El-Erian alle Mühe, um Spekulationen über einen Streit zwischen ihnen zu zerstreuen. So schreibt Gross in der Pressemitteilung nur in den höchsten Tönen von El-Erian: «Mohamed war ein grossartiger Leiter, Gedankenführer und Geschäftsmann für Pimco und seine Kunden.» Noch enthusiastischer tönt es von El-Erian: «Ich war extrem geehrt und glücklich, mit Bill Gross zusammengearbeitet zu haben. Er ist einer der allerbesten Investoren der Welt, seine Talente sind wirklich aussergewöhnlich wie auch seine Entschlossenheit.»

Solche Lobhudelei belegt vor allem, dass sich Pimco sorgt, El-Erians Abgang könnte Kunden abspenstig machen. Darauf weist auch ein Tweet von Gross hin, in dem er schreibt: «Pimco ist voll engagiert. Die Batterien sind 110 Prozent geladen, ich bin bereit, noch weitere 40 Jahre in den Diensten des Unternehmens zu stehen.» Gross wird im April 70 Jahre alt.

Grund für die Sorgen und wahrscheinlich auch für den Wechsel an der Pimco-Spitze dürfte die wirtschaftliche Verfassung des Fondsanbieters sein. Im Nachgang der Finanzkrise erlebte das Unternehmen noch goldene Zeiten. Investoren flüchteten sich weltweit mit Hunderten von Milliarden Dollar in Anleihen und befeuerten damit das Geschäft von Pimco. In den fünf Jahren bis 2013 erzielte Pimco im Schnitt jährliche Renditen von 7 Prozent, während 62 Prozent der übrigen Anbieter im gleichen Segment schlechter abschnitten, wie Bloomberg errechnet hat.

Schreckensjahr 2013

Im vergangenen Jahr kam dann die Ernüchterung. Als Folge der Erwartung einer weniger expansiven Geldpolitik gaben die Anleihenkurse auf breiter Front nach – was sich spiegelbildlich an steigenden Renditen beziehungsweise Zinsniveaus zeigte. Die Anleger verkauften diese Papiere zugunsten von Engagements in Aktien, deren Indizes von einem Rekord zum nächsten jagten.

Für Pimco hatte das massive Abflüsse zur Folge. Aus dem Flagschiff-Fonds Total Return Fund zogen Investoren 2013 41,1 Milliarden Dollar ab, so viel wie noch nie in der Geschichte des Fondsanbieters. Die Rendite von Pimco fiel um 1,9 – was dem grössten Verlust seit 1994 entspricht. Auf den Aktienmärkten waren gleichzeitig Renditen von 30 Prozent möglich – etwa mit einer Investition in den breiten S&P 500 Index in den USA. Und noch schlimmer: 64 Prozent der Fonds im gleichen Segment wie Pimcos erzielten trotz der schwierigen Umstände laut Bloomberg bessere Resultate.

Ein Opfer an der Spitze war nötig

Unter diesen Umständen wäre es wenig überraschend, dass von Investorenseite ein Köpferollen gefordert würde. Dass Gründer und Chef Bill Gross selbst geht, stand wohl ausser Debatte. Da konnte es nur noch El-Erian sein. Was dieser künftig tun wird, steht offenbar noch nicht fest. Selbst für ein politisches Amt in Ägypten wurde er in einem Bericht vorgeschlagen. Doch der Ökonom wird eher in seinem angestammten Gebiet bleiben. Bekannt ist einzig, dass er künftig das Spitzenmanagement der Pimco-Muttergesellschaft Allianz in weltweiten Wirtschafts- und Politthemen beraten soll.

Seine Nachfolge als CEO tritt Dougals Hodge an, der bisher als Chief Operating Officer amtet und bereits seit 2006 für Pimco arbeitet. Dessen internationales Renommee reicht allerdings bei weitem nicht an das von El-Erian heran. Doch das kann sich rasch ändern, wenn sich der Fondsanbieter stabilisiert und seine Macht über die weltweiten Kreditmärkte bewahrt.

Erstellt: 22.01.2014, 14:57 Uhr

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