Warum auch die Kleinen gefährlich sein können

Je grösser eine Bank, desto verheerender ist ihr Scheitern für das Finanzsystem, so die gängige Meinung. Laut Forschern der ETH können Banken aber nicht nur «too big», sondern auch «too central to fail» sein.

Gefahr geht nicht nur von den grossen Finanzinstituten aus: Der Paradeplatz in Zürich, wo die UBS und die Credit Suisse ihren Hauptsitz haben. (Archivbild)

Gefahr geht nicht nur von den grossen Finanzinstituten aus: Der Paradeplatz in Zürich, wo die UBS und die Credit Suisse ihren Hauptsitz haben. (Archivbild) Bild: Keystone

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Forscher der ETH Zürich sind der Ansicht, dass «too big to fail» als Faktor zur Beurteilung der Systemrelevanz einer Bank zu kurz greift. Sie schlagen stattdessen vor, auch genau hinzuschauen, wie eng die Verflechtung der Bank mit anderen Finanzinstituten ist.

Denn selbst kleine Banken können für ein ganzes Finanzsystem ein Risiko darstellen, wenn sie stark mit anderen Finanzinstituten vernetzt und damit quasi «too central to fail» sind. Zu diesem Schluss kommt ein Team um Stefano Battiston von der Professur für Systemgestaltung der ETH Zürich, nachdem es während der Finanzkrise gesammelte Daten mit einer neu entwickelten Methode analysierte.

Verbindung zwischen den Banken ist relevant

Mit einer mathematischen Formel, dem so genannten Debt-Rank-Algorithmus, ermittelten sie eine Liste von systemrelevanten Banken. Diese weicht zwar nicht stark von den Ergebnissen früherer Analysen ab. Doch hätten die systemrelevanten Banken mit ihrer Methode schon früher ermittelt werden können, wie die Forscher am Donnerstag im Wissenschaftsmagazin «Nature» berichten.

Für den Debt-Rank-Algorithmus griffen die Wissenschaftler auf Vorgehensweisen und Erkenntnisse der Netzwerkforschung zurück. Diese kombinierten sie mit einer Formel, die ähnlich funktioniert wie jene der Internetsuchmaschine Google. Während der nach Google-Gründer Larry Page benannte Page-Rank-Algorithmus eine Menge von Dokumente anhand ihrer Verlinkung gewichtet, werden mit der Debt-Rank-Formel die Verbindungen zwischen den Banken untersucht.

Als Datengrundlage für die Untersuchung dienten Daten aus den Jahren 2007 bis 2010, welche die US-Notenbank (Fed) im Rahmen ihres milliardenschweren Bankenhilfsprogramms während der Finanzkrise sammelte und verwendete. Die Daten beinhalten insbesondere Angaben zur Kapitalisierung und ausstehenden Schulden der über 400 Banken, die beim Höhepunkt der Finanzkrise von der Fed nicht weniger als 1,2 Billionen Dollar an Hilfskrediten beansprucht hatten. (fko/sda)

Erstellt: 02.08.2012, 22:24 Uhr

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