Warum die Aktie der SNB plötzlich so viele Fans hat

Seit Sommer legt der Kurs der Nationalbank-Aktie zu, doch die Argumente der Käufer sind fragwürdig.

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist die Hüterin des Schweizer Frankens, einer Währung, die den Anlegern schon lange als Zufluchtsort dient. Seit einigen Monaten scheint nun auch die Aktie der Schweizer Notenbank zu einer Art Fluchtburg geworden zu sein.

Über Jahrzehnte hinweg tat sich so gut wie nichts beim Kurs der SNB-Aktie, sie pendelte um die 1000-Franken-Marke. Doch im vergangenen Herbst kam Bewegung in den Kursverlauf, und seit diesem Sommer geht es regelrecht ab: am 21. September erreichten die SNB-Valoren ihren bisherigen Höchststand von 4724 Franken. Den konnte sie zwar nicht halten, aber allein in diesem Jahr verzeichnete das Papier ein Plus von 125 Prozent.

Der Ausblick auf einen grossen Gewinn der Schweizerischen Notenbank fällt als Erklärung für dieses Kursfeuerwerk weg. Ende Monat wird die Notenbank zwar ihr Neunmonatsergebnis vorlegen, die Experten der UBS rechnen mit einem Rekordgewinn von 30 bis 35 Milliarden Franken. Doch anders als bei anderen Aktiengesellschaften werden die rund 2200 Privataktionäre wenig von diesem Gewinnsegen haben. Denn die Verwendung des Überschusses ist im Nationalbankgesetz geregelt. Und das sieht vor, dass die Notenbank maximal eine Dividende von 6 Prozent auf das Aktienkapital ausschütten darf. Das ergibt bei einem Aktiennennwert von 250 Franken eine Dividende von 15 Franken je Aktie.

Dividende ist gedeckelt

Was steckt dann hinter dem Kursanstieg? Die SNB selbst will sich dazu nicht äussern. Eine Spur führt nach Deutschland. Genauer gesagt, zu einem bald 80-Jährigen: Hans A. Bernecker. Der Herausgeber des Anlegerbriefes «Actien-Börse» hatte sich im Frühjahr und dann im Juli mit der SNB-Aktie befasst. Zufall oder nicht, danach ging die SNB-Aktie durch die Decke. «Natürlich habe ich das angestossen», sagt Bernecker zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Der Handel mit den SNB-Aktien ist sehr illiquide, pro Jahr werden nur wenige Hundert Stück gehandelt. Daher können tatsächlich wenige Kauforders den Kurs stark beeinflussen.

Infografik: Kurs der SNB-Aktie

Für Bernecker ist die Schweizer Notenbank auch nur eine Bank, daher bewertet er die SNB-Aktie mit den üblichen Kennziffern. «Die SNB ist die reichste Bank der Welt, verfügt aber nur über ein Mini-Eigenkapital.» Die Notenbank wird an der Börse derzeit mit rund 385 Millionen Franken bewertet – ein Bruchteil im Vergleich zu den Vermögenswerten der Notenbank, argumentiert der Börsenbriefautor. In seinem «Actien-Brief» im Juli bezeichnete Bernecker daher die SNB-Aktie gar als die Briefmarke «Blaue Mauritius». Auf die Frage, was der faire Wert der SNB-Aktie sei, meint er nur: «Der Wert ist so hoch, dass ich mich nicht traue, ihn öffentlich zu nennen.»

Experten halten diese Sichtweise für falsch: «Die Nationalbank ist nicht mit einer Geschäftsbank oder einem anderen privaten Unternehmen vergleichbar.» Das erklärte kein Geringerer als SNB-Präsident Thomas Jordan schon in einer Rede 2011. Die Höhe des Eigenkapitals sei keine entscheidende Grösse. Selbst wenn Verluste aus den Devisenbewertungen das Eigenkapital komplett aufzehren würden, bliebe die SNB, anders als eine normale Bank, handlungsfähig. Denn die Notenbank könne nie illiquide werden, so Jordan. Daraus folgt, dass eine Notenbank auch nicht wie eine Geschäftsbank mit klassischen Börsenkennzahlen bewertet werden könne.

Die sicherste Aktie von allen

Aus Sicherheitserwägungen hat wiederum der Düsseldorfer Vermögensverwalter Markus Elsässer für seine Kunden in Nationlbank-Papiere investiert. «Es gibt keine sicherere Aktie, denn die SNB kann niemals pleitegehen», sagt Elsässer. Die SNB-Aktie hat daher viele Fans in Deutschland, der Düsseldorfer Geschäftsmann Theo Siegert ist mit 6,7 Prozent Anteil der grösste Privataktionär. Die Mehrheit liegt per Gesetz bei den Kantonen und den Kantonalbanken.

Vermögensverwalter Elsässer hält die Gewinnregelung der SNB nicht für in Stein gemeisselt. «Eine gute Anwaltskanzlei müsste einmal die Ungleichbehandlung der Aktionäre unter die Lupe nehmen.» Und er verweist auf den Fall der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Die sogenannte «Notenbank der Notenbanken» hatte bis ins Jahr 2001 ebenfalls private Aktionäre. Im Zuge der Dekotierung klagten Minderheitsaktionäre mit Erfolg gegen das Abfindungsangebot. Statt 16'000 Franken bekamen sie schliesslich 23'000 Franken je Aktie.

Ob die Schweiz aber die Gesetze für ihre Notenbank ändert, damit Privatinvestoren mehr Geld bekommen, ist mehr als fraglich. «Eine Änderung der heute geltenden Regelung ist praktisch unmöglich», meint UBS-Ökonom Alessandro Bee. Die SNB-Aktie «ist nicht als Anlagevehikel für private Investoren konzipiert», warnt er.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2017, 10:46 Uhr

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