Was Apple mit den teuren Kopfhörern will

Tim Cook will offenbar ganz tief in die Tasche greifen, um den Musikspezialisten Beats Electronics aufzukaufen. Das sind mögliche Gründe.

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Man kann die Reaktion nicht gerade als Euphorie bezeichnen, mit der mancher Apple-Kenner auf das Gerücht reagierte, dass der iPhone-Hersteller über den Kauf von Beats Electronics verhandelt. «Beats zu kaufen, ist ein ziemlich deutliches Zeichen dafür, dass Apple die Ideen ausgehen und es nicht in der Lage ist, mit einer Strategie gegen Spotify aufzuwarten», twitterte Tech-Blogger Om Malik. Viele stellten zudem das Preis-Leistungs-Verhältnis der massiven Kopfhörer infrage, des Kernprodukts des Audiotechnikkonzerns.

Was also ist es, das Apple-CEO Tim Cook – wenn der Deal denn zustande kommt – bis zu 3 Milliarden Dollar auf den Tisch legen lässt, mehr als die Firma je zuvor für einen Zukauf gezahlt hat? Die naheliegendste Antwort darauf lautet zunächst: Coolness. Die Produkte aus dem Unternehmen von Hip-Hop-Star Dr. Dre sind unter Jugendlichen ein modisches Statement. Teenager versuchen, ihre Eltern mit allen Mitteln dazu zu bringen, die 400 Franken hinzublättern, die es für das teuerste Modell braucht.

Mama und Papa benutzen das iPhone

Die Kopfhörer mit dem roten «b» sprechen eine jüngere, «streetsmartere» Klientel an, die sich mit den minimalistischen Designprodukten aus dem Hause Apple (noch) nicht anfreunden kann. «Die weisse Schnur war einst das Symbol für den iPod. Das ist heute nicht mehr der Fall», sagt Apple-Kenner Robert Weiss. «Es macht deshalb Sinn, sich nach einem neuen Produkt umzusehen.»

«Mama und Papa benutzen das iPhone, das ist für die Jungen ein Argument gegen Apple», sagt auch der Designer Gadi Amit gegenüber der «Financial Times». Allerdings: Apple ist trotz allen Unkenrufen weit davon entfernt, an Relevanz zu verlieren. «Die letzten Quartalszahlen sprechen für sich, zudem hat sich die Firma noch nie an die ganz jungen Konsumenten gerichtet», sagt Robert Weiss. Das bestätigt auch Tech-Blogger Renato Mitra: «Die Firma ist sich bewusst, dass sie sich im Premiumsektor bewegt und für die Jungen erst später relevant wird. Vor allem in den USA ist Apple noch immer sehr stark.» Das sei der Markt, auf den sich Apple konzentriere.

Ein möglicher Grund für den Kauf ist eine längerfristige Strategie im Bereich der tragbaren Smartphones. Bereits ist klar, dass Apple sich im Zukunftsmarkt der «Wearables» stark positionieren möchte – auch wenn die iWatch noch auf sich warten lässt –, und hier ist Beats Electronics möglicherweise Teil einer längerfristigen Strategie. Zudem wäre der Kauf ein Schritt in eine stärkere Position im Bereich Streaming. Noch verkauft niemand mehr Musikdownloads als Apple, doch so langsam beginnt sich das Verhalten der Konsumenten zu ändern.

Vernetzung in der Musikindustrie

Mit Beats Electronics hole man sich nicht die Technik, sagt Renato Mitra, Apple besitze mit iTunes Radio bereits einen Streamingdienst, sondern ein grösseres Netzwerk. Wie Forbes schreibt, spielen hier auch Nine-Inch-Nails-Sänger Trent Reznor und Musikproduzent Jimmy Iovine eine wichtige Rolle. Beide sind Teil der Beats-Electronics-Chefetage und in grossen Teilen für eine grosse Stärke des Unternehmens verantwortlich, die Möglichkeit, intelligente Playlists zu erstellen. Jimmy Iovine wird bereits als neuer Berater von Tim Cook gehandelt. So kommt Apple an neue Labels heran, sagt Renato Mitra.

Und dann ist da noch die Möglichkeit, dass der Deal gar nie zustande kommen wird: «Wenn wir die Geschichte Apples in Betracht ziehen, dann ist die sicherste Annahme diejenige, dass diese Idee einfach pure Fantasie ist», kommentiert die «Time». «Es gab in der Vergangenheit bereits unzählige Gerüchte dieser Art, und es hat immer Spass gemacht, darüber zu spekulieren. Aber es ist nie etwas daraus geworden.»

Erstellt: 09.05.2014, 17:30 Uhr

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