Was Samsung mit Apples Rekordergebnis zu tun hat

18 Milliarden Dollar in drei Monaten – das ist mehr, als ein Konzern je verdiente. Das verdankt Apple einer Idee, auf die eigentlich Samsung gekommen ist – und das Unternehmen lange kategorisch ausschloss.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist eine der bekannteren Aussagen des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs. Es war Sommer 2010, und Samsung hatte eben damit begonnen, das iPhone mit Handys mit grösseren Bildschirmen anzugreifen. Eine Taktik, von der Jobs überzeugt war, dass sie nicht aufgehen würde: Die Geräte seien so gross, dass «man sie nicht richtig in die Hand nehmen» könne, sagte Jobs. «Niemand wird so etwas kaufen.»

Und noch Jahre später, als der Konzern mit dem iPhone 5 erstmals das Format änderte, wurde der Bildschirm bloss höher – und nicht breiter. Die Begründung: Nur wenn es schmal bleibt, kann man das iPhone auch weiterhin einhändig bedienen – was bei Apple als zentrales Kriterium galt. Um das zu untermauern, blendete Produktmarketingchef Phil Schiller bei der Präsentation 2012 sogar das Foto eines Daumens ein. «Ein Smartphone muss sich grossartig anfühlen in der Hand», sagte er. «Und wichtiger: Man muss es mit diesem magischen Apparat namens Daumen bedienen können.»

Es gibt zwei Grössen: Sehr gross und mega gross

Seit einigen Monaten ist das Makulatur. Die neuen iPhones kommen nur noch in zwei Grössen – sehr gross und mega gross. Der Daumen als magisches Bedienelement ist passé. Das iPhone 6 und das iPhone 6 Plus sind so gross, dass man sie nur noch mit beiden Händen bedienen kann – wie sich das Samsung-Nutzer seit Jahren gewohnt sind.

Ausgerechnet der Entscheid, auf Samsungs Kurs einzulenken und die eigenen Aussagen über den Haufen zu werfen, bringt Apple nun den grössten Gewinn, den je ein Unternehmen in so kurzer Zeit erzielen konnte. Von Oktober bis Dezember hat der Konzern 18 Milliarden Dollar verdient, das sind rund 5 Milliarden mehr als im Weihnachtsgeschäft 2013. Die Zahl der verkauften iPhones stieg um 41 Prozent auf 74,5 Millionen Stück.

Auf den grösseren Bildschirm zu wechseln, erweist sich damit für Apple als reinste Goldgrube. Laut Konzernchef Tim Cook sind laut den Zahlen der letzten drei Jahre noch nie so viele Android-Nutzer zu Apple konvertiert wie in den letzten drei Monaten – ein Grossteil davon dürfte ein Samsung-Handy benutzt haben.

Marktpotenzial ist enorm – auch dank Kleincomputern am Handgelenk

Marktforschungsinstitute wie etwa Juniper Research prognostizieren den grossformatigen Telefoncomputern denn auch ein steiles Wachstum. Bis 2019 soll sich die Zahl der verkauften Geräte mit einem Bildschirmdurchmesser von 5,5 bis 6,9 Zoll verfünffacht haben auf 400 Millionen Stück. Dieses Jahr rechnet Juniper mit 138 Millionen verkauften Geräten. Dazu passt der Trend zu tragbaren Kleincomputern ums Handgelenk: Trägt man nämlich eine Apple Watch ums Handgelenk, muss man wenigstens nicht jedes Mal das Riesenhandy aus der Tasche hervorkramen, wenn jemand anruft oder ein SMS schickt.

Die Bildschirmgrösse ist der eine Grund dafür, wieso Apple mit dem Ergebnis alle überraschte. Der andere Grund ist das Wachstum in China: Apple konnte die Verkäufe dort verdoppeln. Laut den Analysten von Canalys hat Apple zwischen Oktober und Dezember damit zum ersten Mal mehr Smartphones in China verkauft als jeder andere Anbieter. Das ist einigermassen überraschend. Einerseits, weil das neue iPhone dort erst gegen Ende Oktober lanciert worden ist. Andererseits, weil Apple-Handys im Schnitt etwa doppelt so teuer sind wie die Produkte der Konkurrenz. Das dürfte insbesondere Samsung hart treffen.

Nur der Stylus und die Billigvariante fehlen noch

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Apple seine eigenen Aussagen über den Haufen wirft – und damit viel Geld verdient. Zum Beispiel gab Steve Jobs Geräten ohne Tastatur keine Chance. Und er sagte, der iPod werde nie Videos abspielen: «Ich glaube nicht, dass sich die Menschen Filme auf einem so winzigen Bildschirm anschauen wollen.» Und er schloss aus, dass Apple je ein kleines Tablet macht: «7-Zoll-Tables sind zu gross, um gegen ein Smartphone anzutreten, und zu klein, um mit dem iPad zu konkurrieren … 7-Zoll-Tablets sind eine Totgeburt.» Wenig später brachte Apple das iPad Mini – mit immerhin 7,9 Zoll Bildschirmdiagonale.

Firmenkenner scherzen mittlerweile sogar, dass Apple bislang jede Aussage darüber, was man mit dem iPhone nicht machen will, zurückgenommen hat – ausser, es günstiger zu machen und einen Stylus als Bedienungshilfe einzuführen. Nur: Wen kümmern die falschen Vorhersagen, wenn der Konzern dann doch Entscheidungen trifft, die zu Rekordgewinnen führen?

Erstellt: 28.01.2015, 14:22 Uhr

Aktie folgte nicht immer Gewinnen

Wer Anfang 1997 zur Rückkehr des Firmengründers Steve Jobs 1000 Dollar in Aktien des am Boden liegenden Computerbauer Apple gesteckt hat, ist heute über 200'000 Dollar reicher. Mit dem Aufstieg des Konzerns schoss auch der Aktienkurs in die Höhe. Apple ist das wertvollste Unternehmen der Welt und war am bisherigen Höchststand im vergangenen November über 700 Milliarden Dollar wert. Allerdings haben die Börsianer auch hohe Ansprüche an Apple: Auf Rekordzahlen folgten oft Kursverluste, weil ihnen das Wachstum oder die Zukunftsaussichten nicht gut genug vorkamen. So krachte der Kurs nach einem Höchststand im Jahr 2012 um mehr als ein Drittel ein, obwohl Apples Geldmaschine einen Milliardengewinn nach dem anderen produzierte. Im vergangenen Jahr fassten die Börse allerdings Vertrauen in Jobs-Nachfolger Tim Cook: Die Aktie legte allein in den vergangenen zwölf Monaten um rund 40 Prozent zu. (sda)

Artikel zum Thema

So viele iPhones verkauft Apple in 5 Sekunden

Datenblog Was Apple im Weihnachtsquartal 2014 schaffte, gelang bisher noch keinem Unternehmen. Sehen Sie bei uns in Echtzeit, wie viele iPhones Apple verkauft und wie viel der Konzern dabei verdient. Zum Blog

74,5 Millionen iPhones: Rekord-Quartal für Apple

Im letzten Quartal verdiente der US-Technologieriese so viel wie noch kein anderes Unternehmen zuvor. Konzernchef Tim Cook verkündete zudem den Verkaufsstart der Apple Watch. Mehr...

Die Apple Watch kommt schon bald

Tim Cook hat die Gelegenheit genutzt und nebst den Rekordzahlen auch neue Informationen zur Smartwatch verraten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Mamablog Was Neu-Eltern nie mehr hören wollen

Sweet Home Breiten Sie sich ungeniert aus

Die Welt in Bildern

Im Wiederaufbau: Das Sonnenlicht am frühen Morgen scheint auf die Kathedrale Notre-Dame in Paris. (16. September 2019)
(Bild: Ian Langsdon) Mehr...