Was der Milliardär mit der Davoser Hochgebirgsklinik will

Die Hochgebirgsklinik Davos wurde vor dem Konkurs gerettet. Dahinter steckt der Unternehmer und Milliardär Klaus-Michael Kühne. Er will die Klinik mit dem Allergiegeschäft in die schwarzen Zahlen bringen.

Wurde vor dem Konkurs gerettet: Die Hochgebirgsklinik Davos in Davos-Wolfgang. (1. Oktober 2013)

Wurde vor dem Konkurs gerettet: Die Hochgebirgsklinik Davos in Davos-Wolfgang. (1. Oktober 2013) Bild: Arno Balzarini/Keystone

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Die Hochgebirgsklinik Davos (HGK) wurde letzte Woche vor dem Konkurs gerettet. Nun wurde bekannt, dass der Unternehmer und Milliardär Klaus-Michael Kühne dahintersteckt und die Klinik bis 2016 zu einem Allergieforschungs- und Klinikcampus umgewandelt werden soll. Kühne erwirbt die Liegenschaften der HGK, für die er nach eigenen Angaben 33 bis 35 Millionen Franken investiert hat. Weitere 6 Millionen Franken werden für den Um- und Ausbau ausgegeben.

Einst tummelten sich auf Davoser Boden rund 50 Höhenkliniken, in denen sich Lungenkranke an der frischen Bergluft erholten. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat im Bündner Kurort jedoch ein wahres Höhenkliniksterben stattgefunden, dem unter anderem die Alexanderhausklinik zum Opfer fiel. «Auf jeden Fall» sei die Investition in die Hochgebirgsklinik Davos zeitgemäss, sagt Klaus-Michael Kühne gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Allergien – darunter Heuschnupfen und Staubmilbenallergie – sind eine weitverbreitete, aktuelle Volkskrankheit und müssen bekämpft werden. Den volkswirtschaftlichen Schaden, der dadurch entsteht, kann man fast nicht beziffern.» Das Interesse des Kantons Graubünden und des Davoser Landammanns zeige, dass die Klinik in der geplanten Form sehr zeitgemäss sei, so Kühne.

Deutsche Patienten bleiben aus

Vergangene Woche wurde bekannt, dass sich die finanziell angeschlagene Hochgebirgsklinik mit den Gläubigern über den Abbau der Schulden von 40 Millionen Franken einigen konnte. Durch Kühnes Engagement sowie den Forderungsverzicht von Gläubigern wurde die seit November 2013 laufende Nachlassstundung aufgehoben. Laut HGK-Stiftungsratspräsident Joseph Rohrer haben die Zurich-Versicherung und die Banca Popolare di Sondrio mit dem Verzicht auf ihre Forderungen einen «massgeblichen Beitrag» zur Rettung der Klinik geleistet. Über die Höhe des Geldbetrags haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Die seit 1910 bestehende HGK war bisher eine deutsche Klinik mit vorwiegend deutschen Patienten. Diese blieben aber zunehmend aus, weil die deutschen Versicherer die Patienten aus Spargründen immer seltener zur Rehabilitation in die Berge schickten. Die Frankenstärke wirkte sich ebenfalls negativ auf die Patientenzahlen aus. Nun möchte der Stiftungsrat auch den Schweizer Markt erschliessen, betont jedoch gleichzeitig, dass die deutschen Patienten «nach wie vor herzlich willkommen» seien.

«Keine Schickimicki-Klinik»

Laut Rohrer sind Allergien, die «Pest der Neuzeit», bisher schlecht erforscht, betreffen jedoch sehr viele Menschen. «Es besteht viel Handlungsbedarf in der Allergieforschung.» Rohrer verweist zudem darauf, dass eine Kombination von Forschung und Klinik auf einem Campus weltweit einzigartig sei, was den Allergiebereich betreffe. Konkret soll das vom Ehepaar Kühne 2009 gegründete CK-Care (Christine Kühne Center for Allergy Research and Education) ein wichtiger Pfeiler des neuen Campus werden. Zudem wird das Schweizerische Institut für Allergieforschung den Sitz an die Klinik verlegen, und Kooperationen mit Universitätskliniken sind geplant.

Eine der drei verbliebenen Höhenkliniken in Davos ist die Zürcher Höhenklinik im nahen Clavadel. Wie ist das Verhältnis zwischen ihr und der Hochgebirgsklinik Davos? Laut Klaus-Michael Kühne bestand von beiden Seiten Interesse an einer Zusammenarbeit. «Allerdings wäre die Umsetzung zu kompliziert gewesen und hätte zu lange gedauert», so Kühne, «denn die Zürcher Höhenklinik hätte den Bereich Allergien ganz neu bei sich aufnehmen müssen.» Übrigens solle in der HGK keine «Schickimicki-Klinik» entstehen, betont Stiftungsratspräsident Joseph Rohrer. Die Institution stehe allen offen, die von Allergien betroffen seien.

Erstellt: 08.05.2014, 18:42 Uhr

Klaus-Michael Kühne, Verwaltungsratsmitglied, Mehrheitseigner und grösster Einzelaktionär des Logistikdienstleisters Kühne + Nagel sowie Stifter der Kühne-Stiftung. (Bild: Keystone Steffen Schmidt)

Klaus-Michael Kühne

Der Retter der Hochgebirgsklinik Davos, Klaus-Michael Kühne, ist Verwaltungsratsmitglied und Mehrheitseigner sowie grösster Einzelaktionär des internationalen Logistikdienstleisters Kühne + Nagel mit Hauptsitz in Schindellegi SZ. Ausserdem ist er Stifter der Kühne-Stiftung.

Der gebürtige Hamburger, der seit über 40 Jahren in der Schweiz wohnt, monierte in einigen Interviews, die Vorteile der Schweiz seien «nicht mehr so gross»: Stichworte Erbschaftssteuer, Steuerharmonisierung zwischen den Kantonen. Nun dürfte das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative einigen Einfluss auf das Logistikunternehmen Kühne + Nagel haben. Der bald 77-jährige Kühne macht keinen Hehl daraus, dass man einzelne Aktivitäten der Konzernzentrale nicht mehr in der Schweiz ausüben könnte, falls sich die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften aus dem Ausland künftig schwieriger gestalte. Trotzdem werde der Hauptsitz «immer in der Schweiz bleiben», betont Kühne.

Falls die Mindestlohninitiative am 18. Mai angenommen würde, sähe Kühne dies «nicht so dramatisch». Die meisten seiner Mitarbeiter in der Schweiz verdienten mehr als den geforderten Mindestlohn von 4000 Franken, deshalb sei das Unternehmen nicht so betroffen. «Ich bin kein Gegner des Mindestlohns, aber ich weiss nicht, ob er richtig eingeordnet ist.» Gross betroffen vom Ja zur Abzockerinitiative ist Kühne + Nagel laut Kühne bisher nicht. «Als börsenkotiertes Unternehmen sind wir zu ausführlicherer Berichterstattung verpflichtet, das wird sich in den nächsten Jahren steigern. Jede Reglementierung ist unbequem, aber wir können gut damit leben.»

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