Was ein Google-Tüftler der CS bringt

Er baut Roboter-Autos und gründet Online-Universitäten: Nun soll Sebastian Thrun im Verwaltungsrat der Credit Suisse Einsitz nehmen.

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Innovationen im Banking sind ein zweischneidiges Schwert. Hochkomplexe Produkte, die bis an den Punkt weiterentwickelt wurden, dass die Banken sie selbst nicht mehr verstanden, brachten der Branche erst Milliarden ein und führten sie dann an den Rand des Ruins. Auf immer höhere Frequenzen getaktete Handelscomputer sorgen seit der Finanzkrise dafür, dass die grossen Wallstreet-Firmen sich von jedem Börsengeschäft ein kleines bisschen risikolosen Profit abschneiden – was den Banken einen konstanten Geldstrom, aber auch einen fundamentalem Interessenskonflikt mit den Kunden einbringt.

Die Credit Suisse ist hierzulande weniger als Innovationstreiberin bekannt. Doch in den USA ist die Bank bei technischen Entwicklungen an der vordersten Front – wenn auch, wie etwa der Hochfrequenzhandel zeigt, fragwürdigen Methoden. Vor diesem Hintergrund lässt der Zuzug von Sebastian Thrun in den CS-Verwaltungsrat aufhorchen. Der Spezialist für künstliche Intelligenz ist eine grosse Nummer in Silicon Valley. Bei Google baute er die Abteilung X auf, eine Division mit dem simplen, aber anspruchsvollen Auftrag, das Unbekannte selbst zu erforschen. Zu den Projekten zählt unter anderem die Google-Brille und das «Internet der Dinge», auch Web 3.0 genannt.

Silicon-Valley-Geist an der Wallstreet

Thruns Steckenpferd ist die Robotik, besonders angetan haben es ihm die computergesteuerten Fahrzeuge. Sein Können hat der Forscher mit Professorenstelle in Stanford unter anderem mit dem Gewinn der Darpa Grand Challenge unter Beweis gestellt, dem Äquivalent der Paris–Dakar-Rally für Roboterautos. Das Rennen gewann Thrun 2005 mit einem umgebauten VW Touareg. Eines von Thruns neueren Projekten ist die 2011 gegründete Online-Universität Udacity, die sich global zugängliche und bezahlbare Bildung auf die Fahne geschrieben hat. Thrun ist gebürtiger Deutscher und wurde in seiner Karriere mit zahlreichen Forschungs- und Innovationspreisen bedacht.

Bei der CS wird Thrun ein Basisgehalt von einer Viertelmillion Franken beziehen, je nach Zusatzfunktion in Gremien kann sich dieser Betrag auch verdoppeln. Die Bank will ihn zusammen mit dem Roche-Präsidenten Severin Schwan an der kommenden Generalversammlung wählen lassen. Die beiden Persönlichkeiten sollen der Bank mit ihrer Erfahrung helfen, die «auf Kundennutzen und Innovation ausgerichtete Strategie konsequent umzusetzen», wie CS-Präsident Urs Rohner sagt. Auf Nachfrage präzisiert die Bank, dass Unternehmen wie die Credit Suisse zur Bewältigung des Wandels in der Branche einfach auf solche Leute angewiesen seien.

Ein Silicon-Valley-Mann für eine Wallstreet-Bank: Dass sich die Credit Suisse das Unternehmerdenken eines Sebastian Thrun ins Haus holt, macht tatsächlich Sinn. Schon seit Jahren sprechen Experten davon, dass auch im Banking eine Internet- und Social-Media-Revolution bevorsteht. Voll verschrieben hat sich dem Wandel noch keine der weltgrössten Banken. Doch es wäre fatal, den abfahrenden Zug zu verpassen. Der erklärte Daseinszweck von Google besteht darin, der Welt neue Tools mit einem echten Nutzen zur Verfügung zu stellen. An diesem Ansinnen kann sich die Credit Suisse orientieren – dass sich damit auch Geld verdienen lässt, zeigt Google erfolgreich vor.

Erstellt: 03.04.2014, 11:06 Uhr

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