Was noch alles auf die UBS zukommt

Ob toxische Papiere, Betrugsfall Madoff, Steuerstreit, Libor-Skandal oder Kickbacks: Die Altlasten-Sanierung lastet schwer auf der grössten Schweizer Bank. Reichen die Rückstellungen dazu?

Viele Rechtsfälle der UBS fallen in den USA an: Sitz der Schweizer Grossbank in New York.

Viele Rechtsfälle der UBS fallen in den USA an: Sitz der Schweizer Grossbank in New York. Bild: Michael Buholzer/Reuters

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Allen Komplimenten von Analysten für den starken Quartalsabschluss und die deutlich verbesserte Kapitalausstattung der UBS zum Trotz: Mit Unwägbarkeiten in Gestalt gewinnschmälernder Rückstellungen ist in Zukunft weiter zu rechnen. «Die Rückstellungen für Rechtsfälle aus der Vergangenheit werden auch in den nächsten Quartalsergebnissen eine Rolle spielen und einen gewissen Druck auf unsere Rentabilität ausüben», sagte Konzernchef Sergio Ermotti gegenüber dem TA. Einen Zeitplan dafür aufzustellen, sei aber äusserst schwierig.

Im zweiten Quartal hatte die Bank rund 865 Millionen Franken unter anderem für Rechtsfälle und erhebliche sonstige Rückstellungen zulasten der Erfolgsrechnung verbucht. Der Löwenanteil entfiel auf den Vergleich im Rechtsstreit um den Verkauf von Hypothekaranleihen in den USA durch die UBS, mit denen die Käufer von 2004 bis 2007 hohe Verluste erlitten hatten. Hierfür zahlte die Bank 885 Millionen Dollar, wie die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency letzte Woche mitteilte.

Der schwelende Steuerstreit

Ausgehend von den 2,19 Milliarden Franken, welche die UBS gemäss ihrem jüngsten Quartalsbericht per Mitte 2013 unter anderem für hängige Rechtsfälle zurückgestellt hat, verbleiben nach Abzug des jüngsten Vergleichs noch rund 1,4 Milliarden in dem Topf. Somit liegen diese Rückstellungen wieder in der Grössenordnung, wie sie zu Jahresbeginn ausgewiesen wurde. Damals sah sich die Bank mit ungefähr einem Dutzend grösseren Rechtsfällen konfrontiert.

Diese Fälle lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen. Die erste handelt von Wertpapieren, die sich im Zuge der Finanzkrise als toxisch herausstellten und bei denen die UBS als Verkäuferin oder Vermittlerin auftrat; hierzu gehört auch der Betrugsfall Madoff. Die zweite Gruppe umfasst den Steuerstreit, wobei sich die UBS in der glücklichen Lage befindet, einen Deal mit den US-Behörden längst abgeschlossen zu haben. Was die Auseinandersetzungen mit deutschen und französischen Steuer- und Ermittlungsorganen betrifft, so heisst es bei der UBS, dass die finanziellen Dimensionen deutlich kleiner sein würden als im Fall der USA. Mit Blick auf die für September anberaumten Wahlen in Deutschland wird bei der Grossbank schon in näherer Zukunft mit einem womöglich koordinierten «Zeichen» seitens der Deutschen und Franzosen gerechnet.

Die dritte Gruppe ungelöster Rechtsfälle ist mit «Diverse» zu umschreiben. Hierzu gehört der Libor-Fall ebenso wie strittige (Derivate-)Transaktionen mit italienischen Städten und Regionen oder mit den kommunalen Wasserwerken Leipzig bis hin zum Bundesgerichtsurteil von 2012 in Sachen Retrozessionen. Von Letzterem wird laut UBS-Quartalsbericht erwartet, dass es eine «beträchtliche Anzahl» Kunden dazu bewegen werde, Ansprüche gegen die Bank zu erheben. Die Höhe der Rückstellungen hat die UBS auch in diesem Fall, wie bei den meisten übrigen, nicht offengelegt.Die UBS ist indes längst nicht die einzige Bank, bei denen Rückstellungen für «Rechtshändel» ein Dauerthema sind. So hat etwa die Deutsche Bank im zweiten Quartal ihre diesbezüglichen Rückstellungen nochmals um 630 Millionen auf jetzt 3 Milliarden Euro erhöht, weil man in den nächsten Quartalen mit einer Zunahme von Vergleichen rechnet.

Bis zu 6000 Stellen fallen weg

Der zweite grössere Rückstellungsposten bei der UBS, nach den Rechtsstreitigkeiten, umfasst die Restrukturierungen mit 659 Millionen Franken per Ende Juni (+29 Prozent seit Anfang Jahr). Wie Konzernchef Ermotti sagt, «ist die erste Phase unseres Umstrukturierungsprogramms, das primär die Investmentbank betraf, inzwischen abgeschlossen». Die zweite Phase sei «fundamentaler», werde mehrere Jahre dauern und soll «die Effektivität der gesamten Bank steigern». Der noch vorgesehene Abbau von 5000 bis 6000 Stellen werde vor allem Funktionen ohne direkten Kundenkontakt betreffen. Damit würde die UBS ihre Mitarbeiterzahl bis 2015 wie geplant um 10'000 auf 54'000 reduzieren; ein Viertel dieses Aderlasses trägt die Schweiz.

Zum Konzern-Vorsteuergewinn im Berichtsquartal von 1022 Millionen Franken trugen Vermögensverwaltung ohne Amerika 557 Millionen, Vermögensverwaltung in Amerika 243 Millionen und die Investmentbank 775 Millionen bei.

Erstellt: 31.07.2013, 10:31 Uhr

Einbussen für Deutsche Bank und Barclays

Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und Kosten für den Konzernumbau halbierten den Quartalsgewinn der Deutschen Bank auf 335 Millionen Euro. «Wir rechnen in den nächsten Quartalen mit einer Zunahme von Vergleichen», sagte Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain. Die Altlasten aus der Finanzkrise – die Vorwürfe reichen von Zinsmanipulation über umstrittene US-Hypothekengeschäfte bis hin zu angeblichen Bilanztricksereien – binden Kapazitäten.

So legte die Bank im abgelaufenen Quartal noch einmal 630 Millionen Euro zurück, insgesamt sind es jetzt 3 Milliarden. 70 Prozent der Kosten entfielen auf das Kerngeschäft, der Grossteil davon auf die Investmentbank. Zudem muss das Institut auf Druck der Regulierer die Bilanzsumme weiter reduzieren – das schmälert künftige Gewinne.

Schlechte Nachrichten gab es auch aus London: Die britische Grossbank Barclays muss auf Druck der Regulierungsbehörde innerhalb eines Jahres 12,8 Milliarden Pfund zusätzliches Kapital aufbringen. Das ist mehr, als Analysten erwartet hatten. Als Sofortmassnahme kündigte das Institut eine Kapitalerhöhung von 5,8 Milliarden Pfund an. Zudem plant Bankchef Antony Jenkins eine kapitalschonende Schrumpfkur: Er will 65 bis 80 Milliarden Pfund weniger Kredite vergeben. Zusätzlich will Barclays 2 Milliarden Pfund an Anleihen begeben, die in Eigenkapital gewandelt werden können. (TA)

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