Schweiz

Wegelin verliert in den USA ihr gesamtes Vermögen

Ein US-Gericht hat Gelder der wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagten Bank Wegelin eingezogen. Dies gab Preet Bahara, der Staatsanwalt des südlichen Distrikts von New York, bekannt.

Die älteste Schweizer Bank unter Druck: Die USA werfen der Bank Wegelin vor, 1,2 Milliarden Dollar vor dem amerikanischen Fiskus versteckt zu haben.

Die älteste Schweizer Bank unter Druck: Die USA werfen der Bank Wegelin vor, 1,2 Milliarden Dollar vor dem amerikanischen Fiskus versteckt zu haben. Bild: Keystone

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Die Privatbank Wegelin verliert in den USA einen Betrag von 16,2 Millionen Dollar an die US-Behörden. Das Geld hatte die Bank auf einem Konto der UBS im Staat Connecticut angelegt. Weil Wegelin keinen Geschäftssitz in den Vereinigten Staaten unterhielt, brauchte sie das Konto, um Zugang zum amerikanischen Finanzmarkt und den dortigen Kunden zu erhalten. Das Geld war bereits im Februar beschlagnahmt worden.

Wegelin gilt als «flüchtig»

Eine Bezirksrichterin hat nun laut einem Bericht des Schweizer Fernsehens die Einziehung der Millionen in einem sogenannten «Versäumnisurteil» angeordnet. Dies, weil im Februar niemand von der Privatbank zur ersten Anhörung vor einem Gericht in Manhattan erschienen war. Seither gilt die Bank in den USA als «flüchtig».

Preet Bahara, der Staatsanwalt des südlichen Distrikts von New York, schrieb in seiner Pressemitteilung von gestern Abend: «Was wir heute getan haben, sollte eine klare Botschaft aussenden, dass eine ausländische Bank, die versucht, ihr dreckiges Geld über das US-Finanzsystem zu waschen, den Preis dafür zahlen muss.» Das Geld werde nun bei der US-Notenbank hinterlegt.

Bank zerbrach im Januar

Die USA werfen der Bank Wegelin vor, 1,2 Milliarden Dollar vor den amerikanischen Steuerbehörden versteckt zu haben. Die älteste Schweizer Privatbank zerbrach im Januar am Steuerstreit. Sie war durch die angedrohte Klage der USA in eine derart schwierige Situation gekommen, dass sie sich zu einem radikalen Schritt entschied. Sie spaltete sich auf und verkauft den Grossteil des Geschäfts an die Raiffeisengruppe.

Das heikle Amerika-Geschäft, das Wegelin in die bedrohliche Situation gebracht hatte, wurde von Raiffeisen nicht übernommen. Diese Risiken des US-Geschäfts blieben bei den bisherigen Teilhabern von Wegelin.

Wegen der grossen Risiken des US-Geschäfts wurde Wegelin von Raiffeisen nicht direkt übernommen. Der Grossteil der Kunden und Mitarbeiter von Wegelin wird in eine neu gegründete «Notenstein Privatbank» transferiert. Erst diese Notenstein geht zu 100 Prozent am Raiffeisen.

US-Feldzug

Die Anklage ist Teil eines US-Feldzugs gegen Steuerhinterziehung. Insgesamt sind in den USA bisher mindestens zwei Dutzend Schweizer Banker und Dutzende von US-Kunden angeklagt worden. Neben Wegelin stehen zehn weitere Schweizer Banken im Visier der Amerikaner.

Die Aktionen gegen die Schweizer Banken begannen 2007 mit einer Untersuchung gegen die UBS. Das Verfahren, in das sich dann auch der Bundesrat einschalten musste, endete damit, dass die UBS 780 Millionen Dollar Strafe zahlte und mit dem Segen des Bundes die Namen von 4450 US-Kunden herausgab. Andere Banken, darunter Wegelin, boten den Kunden Zuflucht an. (bru)

Erstellt: 25.04.2012, 10:30 Uhr

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