Weiterer Sunrise-Aktionär ist gegen Milliardenkauf von UPC

Der Widerstand bei Sunrise gegen den 6,3 Milliarden Franken teuren Kauf von UPC nimmt zu. Auch der aktivistische Aktionär Active Ownership Capital (AOC) lehnt den Deal ab.

Wir gehen davon aus, dass das Sunrise-Management weiss, dass es für den jetzigen Deal keine Mehrheit gibt», sagte AOC-Mitgründer Schuhbauer. Foto: Keystone

Wir gehen davon aus, dass das Sunrise-Management weiss, dass es für den jetzigen Deal keine Mehrheit gibt», sagte AOC-Mitgründer Schuhbauer. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Kaufpreis sei um 2 bis 2,5 Milliarden Franken zu hoch, sagte ACO-Mitgründer Florian Schuhbauer am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Denn UPC entwickle sich operativ in die falsche Richtung. Der operative Cashflow sei im ersten Halbjahr um 10 Prozent gesunken, zudem sei das UPC-Kabelnetz technisch nicht mehr konkurrenzfähig. Sunrise werde das UPC-Kabelnetz ersetzen müssen, das dürfte mit bis zu 1 Milliarde Franken zu Buche schlagen.

In ganz Europa würden Mobilfunkbetreiber ihre Kabelnetze verkaufen wie beispielsweise Vodafone in Spanien. Oder sie müssten massiv in Glasfasern investieren, weil die Kabelnetze nicht mehr wettbewerbsfähig seien, sagte Schuhbauer: «Deshalb halten wir es für naiv zu glauben, dass bei UPC ein sicherer Turnaround geschafft wird, wie ihn das Sunrise-Management erwartet und plant.»

Zu den negativen operativen Synergien kämen noch die Zinskosten hinzu: Durch die Übernahme von UPC-Bonds entstünden Mehrkosten von circa 1,1 Milliarde Franken, rechnete Schuhbauer vor. Denn UPC müsse viel höhere Zinsen am Kapitalmarkt zahlen als Sunrise.

Rechtsrisiken nicht ausgeschlossen

Überdies sei die Struktur des Deals fragwürdig, sagte Schuhbauer. Sunrise solle die komplette Holdingstruktur von UPC-Verkäuferin Liberty Global übernehmen, in der früher die Osteuropa-Aktivitäten enthalten gewesen seien. Liberty habe ihre Firmen steuerrechtlich aggressiv strukturiert.

«Da bestehen erhebliche Rechtsrisiken für Steuernachzahlungen», sagte Schuhbauer. Im Kaufvertrag seien diese gedeckelt. «Damit besteht das Risiko, dass Sunrise noch im Nachhinein für Liberty Global-Verfehlungen bezahlen darf. Das wissen wir heute nicht, das ist aber nicht komplett ausgeschlossen.»

Denn angesichts der viel tieferen Preise von Salt liessen sich die hohen Preise von UPC nicht halten. Auch der Umsatz aus mit Bezahl-TV und -Filmen dürfte schrumpfen. «Das war es dann mit dem Turnaround», sagte Schuhbauer.

Desaster droht

Wenn Sunrise UPC kaufe und den Turnaround nicht schaffe, könne Sunrise die Dividende nicht mehr zahlen, weil sie sonst die Schulden nicht mehr bedienen könnte. «Das wäre dann der Worst Case: Wir hätten ein schrumpfendes Business und keine Dividende. Das würde ein ziemliches Blutbad im Aktienkurs geben», sage der AOC-Mitgründer.

«Wir haben mit dem Sunrise-Management gesprochen und probiert, sie zu überzeugen, dass das nicht die richtige Transaktion ist. Die haben aber zu viel Arbeit und Geld investiert und können nicht mehr zurück», sagte Schuhbauer. Der AOC-Mitgründer machte klar, dass man an der ausserordentlichen Sunrise-Generalversammlung im Herbst gegen die Kapitalerhöhung von 4,1 Milliarden Franken zur Finanzierung der UPC-Übernahme stimmen werde.

«Wenn 40 Prozent der Aktionäre den Deal ablehnen, reicht das.»Florian Schubauer, AOC-Mitgründer

Damit hat Sunrise-Grossaktionär Freenet Verstärkung erhalten, der ungefähr ein Viertel am zweitgrössten Schweizer Telekomkonzern besitzt. Freenet kritisierte den Kaufpreis ebenfalls als zu hoch und stemmt sich gegen die geplante Kapitalerhöhung. Diese gerät damit immer mehr in Gefahr. Lediglich 65 bis 75 Prozent der Aktien dürften an der ausserordentlichen GV vertreten sein. «Wenn 40 Prozent der Aktionäre den Deal ablehnen, reicht das», sagte der AOC-Mitgründer. Freenet habe schon ein Viertel, AOC weniger als 3 Prozent. «Wir gehen davon aus, dass das Sunrise-Management weiss, dass es für den jetzigen Deal keine Mehrheit gibt», sagte Schuhbauer.

«Wir glauben, dass Sunrise ohne UPC in zwei bis drei Jahren einen operativen Gewinn (Ebitda) von 750 Millionen Franken erreichen könnte», sagte Schuhbauer. Das wären rund 150 Millionen Franken mehr als im letzten Jahr. Damit könnte dann eine Dividende von ungefähr 6 Fr. pro Aktie gezahlt werden. 2018 waren es 4,20 Franken pro Aktie. Dadurch könnte die Aktie auf deutlich über 100 Franken steigen. Am Donnerstagnachmittag kostete die Aktie 76,35 Franken. (step/sda)

Erstellt: 12.09.2019, 17:11 Uhr

Artikel zum Thema

Sunrise droht bei UPC-Deal eine Aktionärsrevolte

Der Telekomkonzern liegt in Sachen UPC-Kauf bereits mit dem grössten Aktionär im Streit. Nun stellen sich weitere Player gegen das Geschäft. Mehr...

Sunrise erklärt Grossaktionär Freenet den Krieg

Der von Peter Kurer präsidierte Verwaltungsrat fährt ungewohnt schweres Geschütz auf gegen einen widerspenstigen Aktionär. Droht die Übernahme zu einem neuen Fall Sika zu werden? Mehr...

Eskalation im Streit um UPC-Kauf

6,3 Milliarden Franken will Sunrise für UPC bezahlen. Der Hauptaktionär macht aber nicht mit. Dafür gibts von Sunrise eine Breitseite. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Mit dem Zug durch Europa

Statt Flugscham lockte das Abenteuer. Wie eine Familie beschloss, mit dem Zug an die Strände Nordspanien zu fahren.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Was für eine Aussicht: Ein Mountainbiker macht Rast auf dem Gipfel des Garmil. Im Hintergrund sieht man die Churfirsten und die Alviergruppe. (13. September 2019)
(Bild: Gian Ehrenzeller) Mehr...