Analyse

Welche Bank kommt als Nächste?

Die Strafe gegen die UBS ist kein Angriff auf die Schweiz: In der Libor-Affäre werden weitere Banken zur Rechenschaft gezogen werden. Auch Zivilkläger freuen sich auf weitere Verfahren.


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Libor werde «really, really bad», hiess es aus Kreisen der UBS vor einigen Tagen. Die Aussage lässt sich problemlos auf weitere Banken übertragen. Nach der Rekordstrafe von 1,4 Milliarden Franken, welche die Schweizer Bank heute von den Behörden aufgebrummt bekommen hat – der Löwenanteil davon geht in die USA – ist klar: Vor weiterer Verfolgung dürften wenige Grossbanken verschont bleiben.

2012 mussten Europas grösste Bankhäuser gesamthaft Bussen von über 6 Milliarden Dollar bezahlen (siehe Grafik). «Strafen und Gerichtskosten sind dieses Jahr sprunghaft gestiegen», sagt Bankenanalyst Dirk Becker. «Und sie werden weiter steigen.» Die Aufarbeitung der Finanzkrise sei in vollem Gang, so der Analyst von Kepler Capital Markets heute zu Bloomerg.

210'000 Pfund pro Falschmeldung

Rund drei Mal mehr als Konkurrentin Barclays muss die UBS wegen verfälschter Libor-Meldungen zahlen. Der Vergleich der Dokumente, welche die britische Finanzbehörde in der Libor-Affäre vorgelegt hat, legt allerdings nahe: Hier wird nicht gezielt der Schweizer Bankenplatz angegriffen. Insgesamt 257 dokumentierte Falschmeldungsanfragen liegen im Fall der Barclays vor, 919 sind es bei der UBS. Händler der Schweizer Bank betätigten sich an Zinsmanipulationen in sechs verschiedenen Währungen, bei Barclays waren es deren drei. 14 Händler und einige Manager waren bei der britischen Bank involviert, bei der UBS waren es gesamthaft 45 Personen.

Die Zahlen sprechen gegen die UBS. Rechnet man die Strafhöhe pro Falschmeldung aus, so ist die UBS sogar noch glimpflich davongekommen. Mit durchschnittlich 210'000 britischen Pfund belastete die FSA jeden dokumentierten Manipulationsfall bei der UBS. Im Fall von Barclays kommt man auf 330'000 Pfund. Diese Werte sind bereits um die Strafreduktionen bereinigt, welche die beiden Banken wegen ihrer Kooperationswilligkeit erhielten. Barclays erhielt einen Abschlag von 30 Prozent, die UBS einen Nachlass von 20 Prozent.

Privatkläger wittern Morgenluft

Dabei hat die UBS im Vergleich zu Barclays weit mehr auf dem Kerbholz. In ihrer japanischen Einheit beherbergte die Grossbank ein eigentliches Kartell, das Brokerhäuser und Trader anderer Banken zur Kollusion anstiftete. Schmiergelder von 15'000 Pfund pro Quartal wurden bezahlt. «Einfach erstaunlich» sei das, schreibt die Anwältin Lianne Craig in einem E-Mail an Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Craig arbeitet für die US-Anwaltskanzlei Hausfeld – und die wiederum vertritt in einer Sammelklage vor einem Gericht die Interessen von Dutzenden Parteien, die Schäden aus dem Libor-Manipulationsskandal geltend machen. Darunter etwa die Stadt Baltimore, das Brokerhaus Schwab oder das deutsche Bankenhaus Metzler.

Für die Anwälte war heute ein guter Tag, wie Craig schreibt: Die Beweise, welche die Untersuchungen ans Licht gebracht hätten, seien für die Privatkläger von beträchtlicher Hilfe. Eine Schwierigkeit der Kläger, zu denen nebst Privatleuten vor allem auch Hedge Fonds und Immobilienfonds gehören, ist es, zu zeigen, dass ihnen durch die Leitzins-Manipulationen effektiv ein Schaden entstanden ist.

Banken fallen wie Dominosteine

Besonders bedeutsam für die Privatkläger ist, dass Banken wie die UBS tatsächlich einen Profit durch die Manipulationen erzielt haben. Dies zeigt beispielsweise die Sanktion der Finma, die von der UBS 59 Millionen Franken an ungerechtfertigtem Gewinn einzieht. Wenn einer gewinnt, so muss ein anderer verloren haben: Dieser Zusammenhang erhöht für die UBS und andere Grossbanken das Risiko, vor Gericht auch Zivilkläger entschädigen zu müssen. «Nach der Busse gegen Barclays wusste man dies noch nicht mit Sicherheit», schreibt BBC-Finanzjournalist Robert Peston.

Wahrscheinlich würden Banken nun reihenweise Vergleiche mit den Behörden schliessen: Dies glaubt ein anderer Privatkläger aus der Finanzbranche, mit dem sich Tagesanzeiger.ch/Newsnet unterhalten hat. Für Grossbanken wie RBS oder Deutsche Bank – dies sind die meist genannten Namen – ist entscheidend, dass sich die UBS von den US-Behörden die Freiheit vor weiterer Verfolgung erkauft hat (zumindest, was die Bank als Ganzes ohne ihre japanische Tochter betrifft).

Will sie den Status nicht verlieren, so muss die Grossbank auch in Zukunft umfassend mit der Justiz kooperieren. In die Libor-Fixierung involvierte Banken können sich folglich sicher sein, dass die Behörden jetzt das gesamte Wissen der UBS über die Manipulationen des Leitzinses teilen. BBC-Journalist Peston schätzt, dass die Strafe gegen RBS irgendwo zwischen derjenigen gegen Barclays und jener gegen die UBS zu liegen kommen wird. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.12.2012, 20:12 Uhr

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Libor-Banken im Behördenvisier

Libor-Banken im Behördenvisier Barclays und die UBS wurden bereits gebüsst – bei Banken wie der Deutschen Bank und Royal Bank of Scotland steht dies noch bevor.

Hartes Durchgreifen der USA

«Die Profitmaximierung stand im Vordergrund»: US-Generalstaatsanwalt Eric Holder. (Bild: Reuters )

Am späten Mittwochnachmittag Schweizer Zeit sind die US-Behörden vor die Medien getreten, um ihre Sanktionen gegen die UBS bekannt zu geben. Generalstaatsanwalt Eric Holder berief anlässlich der Verkündung eine Pressekonferenz in Washington ein.

Von den gesamthaft 1,2 Milliarden US-Dollar entfallen 700 Millionen Dollar Strafe an die Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Laut der CFTC hat die UBS zwischen 2005 und 2010 regelmässig versucht, den Libor-Zinssatz verschiedener Währungen zu manipulieren, was ihr im Fall des Yen-Libor zeitweise auch gelang. «Wenn eine Grossbank schamlos einige der weltweit wichtigsten Kennzahlen austrickst, so antwortet die CFTC mit der vollen Kraf ihrer Autorität», kommentiert CFTC-Direktor David Meister den Beschluss.

Gegenüber den US-Justizbehörden bekennt sich die japanische Tochtergesellschaft der UBS des Betrugs schuldig. Im Rahmen einer Vergleichszahlung bezahlt die UBS dem US-Justizministerium eine Vergleichssumme von total 500 Millionen Dollar, wobei 100 Millionen auf UBS Securities Japan entfallen. Weil die japanische Tochter vom Schutz vor weiterer Verfolgung ausgenommen ist, bleibt die Bank dort verwundbar.

Zwei ehemalige Angestellte der UBS, darunter der 33-jährige Thomas Hayes, werden zudem in den USA juristisch verfolgt. (ssc)

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