Welche Branchen am meisten bezahlen – und welche am wenigsten

Neue Studien zur Gehaltsstruktur zeigen, in welchem Metier in der Schweiz die Topverdiener sitzen und wo am meisten Tieflöhne bezahlt werden. Und warum Frauen an beiden Enden der Skala benachteiligt sind.

In diesen Branchen verdienen die Manager am meisten: Resultate der Untersuchung «Kadersaläre Schweiz 2012».


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Die Kadersaläre der Schweizer Firmen sind dieses Jahr langsamer gestiegen als in den Vorjahren. Die Geschäftsführer und Unternehmensleiter legten beim Grundlohn laut einer Studie im Schnitt um 1,1 Prozent zu, nach 3,1 Prozent im Vorjahr.

In den darunterliegenden Kaderschichten beträgt das Wachstum durchschnittlich unter 1,9 Prozent, wie die «Handelszeitung» heute Mittwoch in einem Vorabdruck zu der Studie berichtete, welche das Blatt zusammen mit der Kadervermittlungsfirma Kienbaum erstellt hat.

Versorger verdienen mehr als Banker

Ausgewertet wurden 436 Firmen verschiedener Branchen und Grössenklassen und über 130'000 Funktionen der obersten vier Hierarchieebenen. Ein Geschäftsführer auf der obersten Managementebene verdient demnach dieses Jahr im Schnitt 333'000 Franken. Darin eingerechnet sind sämtliche Nebenleistungen und variable Lohnbestandteile. Auf der Stufe Direktion sind es noch 218'000 Franken. Im Mittelmanagement beziehungsweise im unteren Management bekommt das Durchschnitts-Kadermitglied 152'000 respektive 141'000 Franken Gesamtsalär ausbezahlt.

Die allerbesten Kaderlöhne werden 2012 in Unternehmen aus den Bereichen Energie, Wasser, Ver- und Entsorgung sowie Recycling bezahlt, also in einer eher staatsnahen Branche. Die obersten vier Kaderstufen verdienen hier im Schnitt 226'000 Franken. Kreditinstitute, Banken und Versicherungen kommen auf 221'000 Franken.

Im Topmanagement liegt das Finanzwesen mit durchschnittlich 515'000 Franken aber deutlich vor dem Versorgungswesen mit 333'000 Franken. Die höchsten Zuwächse finden sich mit 2,7 Prozent im Maschinen-, Apparate- und Fahrzeugbau, gefolgt von der Branche Chemie-, Pharma-, Biotechnologie und Kunststoff mit etwas mehr als 2,3 Prozent.

Frauen im Hintertreffen

Nach wie vor können die Saläre der Frauen nicht mithalten, schreibt die «Handelszeitung». Sie verdienen laut der Studie immer noch 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Ausserdem seien Frauen im Management schweizerischer Unternehmen weiterhin unterrepräsentiert. Lediglich knapp 8 Prozent der Führungskräfte auf der Top-Management-Ebene seien weiblich.

Doch nicht nur bei den Hoch-, auch bei den Tieflohnbezügern sind die Frauen immer noch in einer schwächeren Position. Dies zeigt eine Untersuchung des Anteils an Tieflohnstellen am gesamten Arbeitsplatzangebot der Unternehmen. Das Bundesamt für Statistik (BFS) spricht von Tieflohnstellen, wenn der auf der Basis eines Vollzeitpensums von 40 Wochenstunden berechnete Lohn weniger als zwei Drittel des standardisierten Bruttomedianlohnes ausmacht. Im Jahr 2010 galt ein Lohn unter 3986 Franken als tief.

Mehr als zwei Drittel der Tieflohnstellen (68,4 Prozent) haben demnach Frauen inne. Mit anderen Worten: Fast jede fünfte Frau (19,1 Prozent) muss mit einem tieferen Lohn auskommen; bei den Männern sind es hingegen nur 6,9 Prozent. Besonders betroffen sind zudem Personen ohne Schweizer Pass. Der Anteil der Tieflohnbezügerinnen und -bezüger ist bei Angestellten ausländischer Nationalität mit 18,5 Prozent fast doppelt so hoch wie bei Schweizer Staatsangehörigen

Problem der Tieflöhne weiterhin akut

Auch zwischen den Branchen sind die Unterschiede gross: So beträgt beispielsweise in der Gastronomie der Anteil an Tieflohnstellen 42,1 Prozent. Rund die Hälfte aller Tieflohnstellen verteilt sich auf die vier Wirtschaftszweige Detailhandel, Gastronomie, Beherbergung und Gebäudebetreuung/Garten- und Landschaftsbau. Einen starken Einfluss hat zudem das Dienstalter: Über die Hälfte der Angestellten im Tieflohnbereich arbeiten seit weniger als 3 Jahren im gleichen Unternehmen.

Für die Analyse der Tieflöhne verwendete das BFS hauptsächlich die Daten der schweizerischen Lohnstrukturerhebung. Diese wird alle zwei Jahre im Oktober durchgeführt.

Für den Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) zeigen die vom BFS veröffentlichten Daten, dass das Problem der Tieflöhne in der Schweiz weiterhin akut ist. Ein grosser Teil der Betroffenen sei in Branchen tätig, in denen die Löhne nicht durch Gesamtarbeitsverträge geschützt seien, teilte der SGB in einem Communiqué mit. Daher sei ein staatlich festgelegter Mindestlohn notwendig, wie iHn die Anfang Jahr eingereichte Mindestlohn-Initiative fordert. (fko/sda)

Erstellt: 20.06.2012, 18:54 Uhr

Jede fünfte Frau hat eine Tieflohnstelle: Hotel-Raumpflegerinnen bei der Arbeit. (Archivbild) (Bild: Keystone )

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