Welche Schweizer Firmen sich besonders schlecht verkaufen

Profitmaximierung, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung: Das gehört in der heutigen Wirtschaftswelt zusammen. Eine Studie gibt den hiesigen Konzernen diesbezüglich schlechte Noten. Und erstellt eine Rangliste mit prominenten Namen – auch am Schluss.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Tue Gutes und rede darüber. Diese Maxime der Unternehmenskommunikation haben die Schweizer Firmen nur unvollständig verinnerlicht. Zumindest beim Sprechen gibt es Verbesserungsbedarf: Dies besagt eine Studie, die das italienische Beratungsbüro Lundquist kürzlich veröffentlicht hat. In der Erhebung wurden mehrere Hundert grosse Unternehmen bezüglich ihrer Informationspolitik zur Nachhaltigkeit und zur sozialen Verantwortung untersucht. In allen sieben gebildeten Kategorien schneiden die Schweizer unter dem europäischen Durchschnitt ab.

Laut den Studienautoren veröffentlicht fast ein Viertel der hiesigen Unternehmen keinen Nachhaltigkeitsbericht – ein viel höherer Anteil als im übrigen Europa, wo nur zwei von hundert Grossunternehmen nicht über die Aktivitäten, Prozesse, Ziele und Ergebnisse im Bereich der Nachhaltigkeit rapportieren. Eine solche Auswertung wird von NGOs heutzutage als Standard erachtet. Sie sollen sicherstellen, dass sich die Firmen ein Mindestmass an Gedanken über Umwelt- und Sozialthemen machen und Transparenz über ihr diesbezügliches Gebaren schaffen.

Wie die Studie weiter besagt, bietet über die Hälfte der Schweizer Grossunternehmen auf ihrer Website keine ausreichenden Informationen für interessierte «Stakeholder» an. Damit gemeint sind Aktionäre, Investoren, Behördenvertreter, Konsumenten und Bürger, sowie Mitarbeiter von Unternehmen und Organisationen, die sich beruflich mit dem Thema der unternehmerischen Verantwortung auseinandersetzen. Ein Drittel der hiesigen Firmen publiziere übers Internet nicht einmal «ein Minimum an Informationen», heisst es im Papier. Diese Firmen würden damit eine bedeutende Gelegenheit zum Dialog verpassen.

Die Schweizer Firmen im Einzelrating

23 von 41 untersuchten Firmen haben sich laut Lundquist für eine vertiefte Untersuchung geeignet. Mit Nestlé, der Credit Suisse und SGS erhalten ein Nahrungsmittelkonzern, eine Bank und eine Prüfgesellschaft die besten Noten. Diese Firmen hätten am besten verstanden, interessierte Personen über die digitalen Kanäle mit Unterlagen zu versorgen. Die übrigen 18 Firmen bestanden nicht einmal den «Eintrittstest» zur Auswertung, sie erhielten in der Endauswertung weniger als 10 von möglichen 100 Punkten. Die Immobilienfirma Swiss Prime Site, der Uhrenhersteller Swatch und der Zahnimplantatehersteller Nobel Biocare liegen am Schluss der Rangliste.

Kommunikation und Realität

Beim Studienersteller Lundquist handelt es sich um eine Consultingfirma mit Sitz in Mailand, die Unternehmen bei der Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien, aber auch bei der Kommunikation berät. Dass gute Noten bei der Kommunikation nicht zwingend bedeuten, dass Unternehmen auch tatsächlich ein vorbildliches Verhalten an den Tag legen, zeigt der Vergleich mit anderen Untersuchungen, beispielsweise mit dem Nachhaltigkeitsranking, dass das Büro Inrate letztes Jahr für die Zeitschrift «Bilanz» erstellte (hier ein Link zum dazugehörigen Artikel). Dieses fusst weniger auf der Kommunikation, sondern mehr darauf, was in der Realität dahinter steht.

Bei Inrate schneidet etwa Nestlé ziemlich schlecht ab. Der Lebensmittelmulti, der in der Lundquist-Studie für die umfangreichen Multimedia-Inhalte und Dialogmöglichkeiten gelobt wird, erhält in der Inrate-Auswertung auf einer Skala, die von A+ bis D– reicht, nur die Note C– und steht damit auf dem drittletzten Platz von dreissig untersuchten Firmen. «Produziert Produkte und Kühlprodukte, die weder ökologisch noch gesund sind», heisst es dort zu Nestlé. «Zahlreiche Kontroversen.» Ähnlich verhält es sich mit Syngenta. Die CS, bei Lundquist auf Platz 2, schneidet bei Inrate ebenfalls unterdurchschnittlich ab.

Topnoten in beiden Studien erhält die Prüfgesellschaft SGS. Anders gelagert ist der Fall von Swiss Re – einer Firma, die offenbar Gutes tut, ohne gross darüber zu sprechen. Die Rückversicherung wird bei Inrate speziell für die Massnahmen im Klimabereich gelobt. Wegen der spärlichen Informationen dazu hat Swiss Re in der Lundquist-Auswertung allerdings nicht einmal den Cut für die vertiefte Analyse geschafft. Ähnlich verhält es sich mit der von Inrate für ihre «optimierten Spülsysteme» gelobten Geberit. Der Sanitärhersteller erhält für seine Kommunikationspolitik nur mässige Noten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.11.2014, 12:40 Uhr

Artikel zum Thema

Die Schweiz ist das Land mit den klügsten Städten

Sie sind nachhaltig, innovativ und versprechen eine hohe Lebensqualität: Die Gewinner des «Smartest Cities Index». Kein Land ist in den Top 10 so oft vertreten wie die Schweiz. Mehr...

Die Grüngeldstrategie

Der Finanzplatz arbeitet nach dem Ende des Bankgeheimnisses an seiner Positionierung. Eine unterschätzte Chance ist dabei der Nachhaltigkeitssektor. Die verwalteten Vermögen in diesem Bereich wuchsen trotz Krise zweistellig, sind aber immer noch relativ klein. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Blogs

Politblog Eine Abstimmung kommt selten allein
Sweet Home Zeitreise im Zickzack

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Unendlich: Die Kunstinstallation «Wald der nachhallenden Lichter» im Mori Building Digital Art Museum in Tokio. (21. Juni 2018)
(Bild: Shuji Kajiyama/AP Photo) Mehr...