Wenn der Pizzakurier den Laptop liefert

Der Onlinehändler Steg Electronics stellt künftig bestellte Ware am gleichen Tag zu. Möglich machen das unübliche Lieferanten.

Steg-Electronics-Chef Lorenz Weber sagt im Interview, ob nun die Pizzas kalt bei den Kunden ankommen, weil die Kuriere gleichzeitig Smartphones ausliefern. Video: Patrice Siegrist

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Bislang lieferte der Pizzakurier Prosciutto, Margherita oder Quattro Stagioni – in Zukunft auch Laptops, Drucker oder Festplatten. Der Elektronikhändler Steg Electronics liefert seit heute die bestellten Produkte noch am gleichen Tag. Damit das klappt, spannt Steg Electronics mit lokalen Kurieren zusammen, vor allem Essenslieferanten, aber auch Velokuriere und Taxifirmen. Der Hauptpartner ist Pizza-Blitz. Das hat das Unternehmen heute in Zürich an einer Pressekonferenz bekannt gegeben.

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Die Zustellung am selben Tag, die sogenannte Same-Day-Delivery, durch die Kuriere lanciert der Elektronikhändler schweizweit. Es sei kein Pilotprojekt, sondern ab sofort ein fixes Angebot, sagt Steg-Electronics-Chef Lorenz Weber. Die zehn grössten Städte der Schweiz würden abgedeckt, heisst es seitens Steg. «Drei Millionen Einwohner können den Dienst nutzen», sagt Weber.

Der 35-jährige Weber erhofft sich, dass in den nächsten drei Monaten täglich rund 50 bis 80 Bestellungen auf diese neue Express-Variante abgewickelt werden können. Das wäre eine Umsatzsteigerung von 1 bis 2 Prozent. Weber gibt aber zu, dass Prognosen unglaublich schwierig sind: «Wir haben keine Ahnung, wie viele es sein werden.» Bestellt werden könne alles, was ein Mensch tragen könne. Die technische Definition: Alle Produkte bis 32 Kilogramm mit normalen Massen. Dazu zählen auch grosse Fernseher.

Und wie steht es um den Geruch der Elektronikartikel? Riecht das gelieferte Smartphone danach nach Pizza Prosciutto? Weber wiegelt ab. Die Produkte würden zwar beispielsweise in den speziellen Pizzaboxen auf dem Scooter transportiert, die Transportzeit sei aber so kurz, dass sie danach bestimmt nicht stinken würden, das werde garantiert.

9.50 Franken für die Lieferung

Damit der bestellte Fernseher aber auch wirklich am gleichen Abend bis 21 Uhr ausgeliefert wird, gibt es gewisse Einschränkungen. Produkte, die in der lokalen Filiale an Lager sind, können die Kunden bis 18 Uhr bestellen. Geräte, die nur im Zentrallager vorhanden sind, müssen die Konsumenten bis 11 Uhr bestellt haben, wenn sie noch am gleichen Abend das Paket vom Kurier in Empfang nehmen möchten. Laut Steg seien in jeder ihrer Filialen circa 3000 Artikel verfügbar, im Zentrallager 15'000.

Für die schnelle Zustellung fallen Sonderkosten an. Der Preis für die Same-Day-Delivery beträgt 9.50 Franken. Dass er nicht höher liege, begründet Steg damit, dass ein Minimum der Lieferungen Extrafahrten der Kuriere sein sollen. In jeder Region würden die Kuriere die Fahrten mit herkömmlichen Bestellungen bündeln. Dazu holen die Lieferpartner einmal alle Bestellungen, die noch am Abend geliefert werden müssen, in der jeweiligen Steg-Filiale ab. Anschliessend bringen sie die Produkte in ihre Zentralen. Von dort werden sie verteilt. «Wenn mal in einer bestimmten Region keine Pizza bestellt wird, wird es aber Extrafahrten geben», sagt Steg-Chef Weber.

Same-Day-Delivery ist in der Schweiz noch nicht weit verbreitet. Swisscom, Coop und Post haben es bisher eingeführt. Bei den Elektronikhändlern bieten Brack bei einer Bestellung bis 9 Uhr und Interdiscount auf ein begrenztes Produktsortiment in der Stadt Zürich eine Lieferung am selben Tag an. Marktführer Digitec, der seit drei Jahren zum Migros-Universum gehört, bietet es nicht an und hat derzeit auch nichts Konkretes geplant.

Erstellt: 05.04.2016, 19:48 Uhr

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