«Wenn du sie einstellst, dann heisst das Krieg»

Steve Jobs war einer der Drahtzieher von Abwerbeverboten im Silicon Valley. So wurden Löhne gedrückt. Nun müssen sich Firmen einer Sammelklage Zehntausender IT-Spezialisten stellen.

Drohte Google: Steve Jobs.

Drohte Google: Steve Jobs. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Sammelklage ist die bis anhin grösste Entschädigungsforderung im Silicon Valley. Mehr als 60'000 Software-Ingenieure und andere Hightechspezialisten mit Ansprüchen von über neun Milliarden Dollar könnten betroffen sein. Auf der Anklagebank sitzen Konzerne wie Apple, Google und Ebay. Sie sollen sich auf ein illegales Abwerbeverbot geeinigt haben und so die Löhne mehrere Jahre unter Druck gehalten haben. Apple derweil hat selber begonnen, Topleute von Konkurrenten in Asien abzuwerben.

Der grosse Drahtzieher der Absprachen war gemäss Gerichtsunterlagen Apple-Chef Steve Jobs. Doch auch Tim Cook und Meg Whitman, damals Chefin von Ebay und heute bei Hewlett-Packard, waren Akteure der illegalen Absprachen. Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass sich zudem Intel, Adobe, Intuit, Pixar und selbst Lucasfilm an der Wettbewerbsbehinderung beteiligt hatten. Getrieben wurde das System zunächst durch eine Achse zwischen Lucasfilm, Pixar und Apple.

Als Erster begann George Lucas sich Sorgen um seine Hightechspezialisten zu machen. Mitte der 80er-Jahre verkaufte der «Star Wars»-Regisseur die Trickfilm-abteilung seines Unternehmens an Steve Jobs, der die Pixar-Studios in der Folge zu einem Grosserfolg machen sollte. Es galt aber eine Bedingung: «Wir können uns keinen Abwerbekrieg erlauben, weil wir dazu nicht die Margen haben.»

Jobs droht mit «Krieg»

Jobs hielt sich gemäss den Gerichtsdokumenten an diese Auflage und setzte sie auch bei Apple durch. Zudem drängte er Google zum Mitmachen. 2005, als Sergey Brin einige Mitarbeiter des Safari-Browser-Teams abwerben wollte, fuhr der Apple-Chef dazwischen. «Wenn du auch nur einige dieser Leute einstellst, dann heisst dies Krieg», drohte er in einem E-Mail. Brin duckte sich und vereinbarte mit Jobs, keine Abwerbungen mehr zu versuchen. Als später trotzdem ein Apple-Ingenieur kontaktiert wurde, reagierte Google und entliess den dafür verantwortlichen Mitarbeiter.

Google begann nun selber mit dem Muskelspiel. Konzernchef Eric Schmidt machte aber auch klar, dass die sogenannte Do-not-Call-Liste geheim bleiben sollte. «Ich will keine Papierspur hinterlassen, die uns später eine Klage einbringen könnte», so Schmidt in einem E-Mail. Dasselbe galt für Intel-Chef Paul Otellini. «Eric und ich haben uns per Handschlag auf ein Nichtabwerben verständigt. Ich will nicht, dass dies bekannt wird.»

Auf dem Arbeitsmarkt war Google damals zu einer Bedrohung für Apple und andere etablierte Firmen geworden. Das Onlineunternehmen befand sich in Aufbruchstimmung und heuerte Toptalente zu besten Bedingungen an. Die Löhne im Silicon Valley zogen 2005 auf einen in zehn Jahren nicht gesehenen Stand an. Das sorgsam gestaffelte Salärsystem schien bedroht. Apple und andere Technologiekonzerne versuchten die Löhne in einem hohen, aber überblickbaren Preisband zu halten und Exzesse zu verhindern.

Klage beim Rekurs zugelassen

Das US-Justizministerium geht davon aus, dass die illegalen Absprachen mehrere Jahre hielten und erst ab 2009 eingestellt wurden. Die dominante Position von Steve Jobs wirkte dabei als Treibsatz, wie das Beispiel von Adobe zeigt. Die Softwarefirma versuchte ebenfalls, einige Ingenieure von Apple abzuwerben. Jobs drohte erneut mit einem Vergeltungsschlag, worauf Adobe seine Avancen sofort einstellte. «Sonst wird Jobs Adobe absichtlich nachstellen, nur um seinen Standpunkt klarzumachen», heisst es in einem internen Adobe-Mail.

Fünf der von diesen Absprachen betroffenen Ingenieure schlossen sich schliesslich 2011 zu einer Sammelklage zusammen. Ein Gericht weigerte sich vor einem Jahr zunächst, die Sammelklage anzunehmen, da die Fälle zu unterschiedlich lägen. Ein Rekurs hatte nun aber Erfolg. Bundesrichterin Lucy Koh in San Jose gab der Sammelklage grünes Licht und lehnte auch eine Eingabe der Konzerne ab. Die vorgelegten Beweisstücke seien genügend, um die Vorwürfe gegen die Unternehmen zu untermauern und einem Geschworenengericht plausibel zu machen. Die Verhandlungen setzte sie auf Ende Mai an.

Kalifornien klagt gegen Ebay

Bereits auf einen Vergleich geeinigt haben sich Lucasfilm, Pixar und Intuit. Die Entschädigungssumme liegt bei 20 Millionen Dollar. Apple, Google und die anderen Technologiefirmen dürften nicht so billig davonkommen. Dies auch deshalb, weil der Staat Kalifornien mit einer Klage gegen Ebay nachgedoppelt hat. Das Online-Auktionshaus steht im Verdacht, mit Intuit ein eigenes Abwerbeverbot vereinbart zu haben. Staatsanwältin Kamala Harris wirft Ebay vor, den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt behindert und den Angestellten höhere Löhne vorenthalten zu haben.

Derweil treibt Apple seine Expansion in Asien voran. In China und Taiwan wirbt das Unternehmen vermehrt Ingenieure von HTC, Inventec, Quanta und anderen Firmen ab. Zwar soll das Kerngeschäft der Forschung und Entwicklung in Cupertino bleiben, doch soll der Produktionszyklus in den asiatischen Wachstumsmärkten beschleunigt werden, bestätigte Apple einen Bericht des «Wall Street Journal». Dabei soll den günstigeren Android-Anbietern die Stirn geboten werden.

Apple sah seinen Anteil am globalen Smartphonemarkt in einem Jahr von 20,9 auf 17,9 Prozent sinken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.03.2014, 09:43 Uhr

Apple

Langjähriger Finanzchef geht
Einer der Architekten der Erfolgsgeschichte von Apple verlässt den Konzern: Finanzchef Peter Oppenheimer wird Ende September aufhören. Oppenheimer ist seit 1996 bei Apple und seit 2004 Finanzchef. Konzernchef Tim Cook nannte Oppenheimer einen «lieben Freund», der entscheidend am Erfolg des Unternehmens mitgewirkt habe. In seinen zehn Jahren als Finanzchef sei der Umsatz von 8 auf 171 Milliarden Dollar geklettert.

Oppenheimers Nachfolger kommt aus dem Unternehmen: Es ist der bisherige zweite Mann in der Finanzabteilung, Luca Maestri. Er wird bereits im Juni die Verantwortung als Finanzchef übernehmen. Sein Vorgänger wird ihm bis zu seinem Abgang beratend zur Seite stehen. Oppenheimer war am Montag in den Verwaltungsrat von Goldman Sachs berufen worden. (SDA)

Microsoft

PR-Profi wird Topstratege
Der neue Microsoft-Chef Satya Nadella hat einen Politberater zum neuen Chefstrategen ernannt. Mark Penn soll nach neuen Produktideen und Bereichen für strategische Inves­titionen suchen. Nadella lobte Penns Fokus auf die schnelle Auswertung von Daten zu Werbekampagnen. Der PR-Berater war einst der Stratege im Wahlkampfteam von Hillary Clinton, als sie 2008 um die Nominierung der Demokraten kämpfte. Als Penn 2012 zu Microsoft kam, attestierte ihm die «New York Times» den Hang zu einer «Taktik verbrannter Erde». In seiner Microsoft-Zeit orchestrierte Penn die umstrittene «Scroogled»-Kampagne mit Attacken gegen Google. In seinem neuen Job verliere Penn die Kontrolle über Microsofts gewaltiges Werbebudget, schrieb der Technologie-Blog Recode. (TA)

Artikel zum Thema

Die unheimliche Macht des Silicon Valley

Die Logik hinter dem Kauf von Whatsapp durch Facebook zeigt eine erschreckende Perspektive: Für die Kontrolle über unsere Daten tun die Internetgiganten aus dem Silicon Valley alles. Mehr...

Silicon Valley vs. China

Analyse Der Durchbruch mit den Elektroautos will einfach nicht kommen. Warum eigentlich? Und wer hat am Schluss doch die Nase vorn? Mehr...

Apples Wandel nach dem Tod von Steve Jobs

Mehr Transparenz, mehr Teamarbeit und mehr Geld für die Aktionäre: Der Elektronikkonzern hat sich in den letzten zwei Jahren in vielem verändert. Doch nun kommt die Bewährungsprobe. Mehr...

Bildstrecke

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Blogs

Outdoor Wandern für Selbstlose

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Waagrechtstart: An den Festlichkeiten des St. Juliantag in Malta, springt ein Wettkämpfer von einem rutschigen Pfahl und schnappt sich die Fahne über dem Wasser. (20.August 2017)
(Bild: Darrin Zammit Lupi ) Mehr...