Wer ist diese Frau?

Der Leistungsausweis von Nayla Hayek, der neuen Präsidentin der Swatch Group, ist bescheiden. In der Praxis wird ihr Bruder Nick den Konzern gestalten.

Arbeitete bereits seit längerem für den Konzern ihres Vaters: Nayla Hayek.

Arbeitete bereits seit längerem für den Konzern ihres Vaters: Nayla Hayek. Bild: Keystone

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Eine Berufung von Hayeks Tochter Nayla zur Präsidentin der Swatch Group habe nicht zur Debatte gestanden, sagte Esther Grether am Dienstag der «Bilanz». Grether ist Grossaktionärin und Verwaltungsrätin des Uhrenkonzerns. Branchenkenner gingen davon aus, dass nach Hayeks Tod sein Sohn Nick, der seit 2003 Konzernleiter ist, zusätzlich das Präsidium übernehmen werde. Gestern kam alles anders. Nayla Hayek wurde vom Verwaltungsrat der Swatch Group einstimmig zur Präsidentin gewählt, also auch mit Grethers Stimme.

Von Nayla Hayek ist wenig bekannt. Sie züchtet im Zürcher Unterland Araberpferde. Ihr Sohn Marc, der heute im Unternehmen die Marke Blancpain führt, wuchs nach der Scheidung bei den Grosseltern auf. Im Verwaltungsrat der Swatch Group sitzt Nayla Hayek seit 1995. Nayla habe im Unternehmen wenig Profil gehabt und kaum Spuren hinterlassen, sagt dazu ein langjähriger Weggefährte von Hayek senior. Nayla sei sehr loyal zu ihrem Bruder Nick, die beiden hätten sich immer sehr nahe gestanden. Ein anderer Kenner der Familie sagt dagegen, ihn erstaune die Wahl keineswegs. Mit Nick als Konzernleiter und Präsident hätte die Familie sich öffentlicher Kritik ausgesetzt, weil Doppelmandate und die damit verbundene Machtkonzentration verpönt seien. Wichtig sei für Hayeks nur, dass beide Schlüsselstellen mit Familienmitgliedern besetzt seien, sagt ein anderer.

Präsidentin, nicht Delegierte

Darum sei auch kein Aussenstehender ins Präsidium berufen worden, obwohl der Konzern an der Börse kotiert ist. Die Weichen für die Teilung der Macht hat offenbar noch Hayek senior gestellt. «Nayla Hayek wurde in den letzten Jahren auf diese Funktion vorbereitet und verfügt über langjährige Erfahrung im Verwaltungsrat», teilte die Firma mit.

Zunächst fällt auf, dass Nayla als Präsidentin nicht über die Machtfülle ihres Vaters verfügen wird. Hayek senior war bis zum Tod Präsident und Delegierter des Verwaltugsrates. Der Senior verstand sich stets als aktiver Präsident und konnte als Delegierter jederzeit ins Tagesgeschäft eingreifen. Dass diese Funktion abgeschafft wurde, bedeutet wohl, dass die Stellung des Konzernleiters aufgewertet wird, die Naylas Bruder Nick seit 2003 innehat.

2009 zwei Millionen verdient

Nayla Hayeks Leistungsausweis ist von aussen schwer einzuschätzen. Sie sei «über Jahre erfolgreich operativ tätig» gewesen, schreibt Swatch Group. Zweite Vizepräsidentin des Verwaltungsrats wurde sie indes erst vor drei Monaten. Für Swatch Group war sie zunächst als Beraterin tätig, seit Mitte 2007 arbeitet sie im Anstellungsverhältnis operativ für den Konzern. Nayla betreut für Swatch Group die Golfregion und Indien, zudem führt sie die Marken Balmain und Tiffany. Ihre Kontakte im Weltverband der Araberpferdezüchter trügen zu vielen Geschäfts- und Promotionsaktivitäten von Swatch Group bei, heisst es im Geschäftsbericht 2009. Letztes Jahr hat sie fast 2 Millionen Franken verdient, ihr Vater als Präsident und Delegierter nur einige Hunderttausend Franken mehr.

Nayla hat offenbar vor zwei Jahren die Beteiligung an der Rivoli Group in Dubai eingefädelt, die in der Region 245 Luxusläden betreibt. Rivoli soll Swatch Group als Sprungbrett dienen, um im Golf und in Indien die Marktanteile auszubauen.

Weltkonzern mit 6 Milliarden Umsatz

Nick Hayek verteidigte gestern im Westschweizer Radio die Wahl seiner Schwester: «Es war so geplant.» Nayla sei die Bestqualifizierte und die am besten auf das Amt vorbereitete Anwärterin gewesen, sagte Nick Hayek. In der Praxis ändert Naylas Präsidium wohl wenig daran, dass ihr jüngerer Bruder Nick, 56, den Weltkonzern mit knapp 6 Milliarden Franken Umsatz und 23 500 Mitarbeitenden voranbringen muss, dass er in den nächsten Jahren die Strategie und die Marschrichtung vorgeben wird.

Nayla Hayek sei die am besten qualifizierte und am besten vorbereitete Anwärterin für das Amt gewesen, sagt ihr Bruder. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.07.2010, 06:46 Uhr

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