Wer wird der nächste Google?

Im Silicon Valley wird fieberhaft nach der nächsten Garagenfirma gesucht, die zum Erfolgskonzern werden könnte. Vielleicht kommt die aus einer Ecke, wo man es nicht vermuten würde.

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Das Getöse um den neuen Internet-Browser war gewaltig. Zwei ehemalige Google-Techniker schickten Ende Juli ihre Suchmaschine Cuil in die Umlaufbahn. Einen Monat später war die Luft draussen. Cuil liegt heute klar abgeschlagen, irgendwo auf Platz 30 bis 40 der Suchmaschinen.

Cuil ist nicht das erste Unternehmen, das von sich behauptet, «der nächste Google« zu sein. Das Rätselraten, wer es als nächster vom Ein- oder Zweimannbetrieb in der Garage zu einem global führenden Technologiekonzern schafft, ist seither ein beliebtes Gesellschaftsspiel im Silicon Valley. Vor zwei Monaten war es Facebook, jetzt ist es Twitter, zuvor waren es Powerset und Hakia oder auch Sap. Selbst Youtube und Wikipedia galten einmal als das nächste grosse Ding.

Risikokapital treibt Suche an

Angetrieben wird diese Suche vor allem von den Risikokapitalgebern, die seit 2004 mindestens eine halbe Milliarde Dollar in Jungfirmen gepumpt haben, allein um eine bessere Suchmaschine zu entwickeln. (Cuil etwa erhielt 33 Millionen). «Wir wollen die nächste Google finden, bevor sie Google wird», sagte Intel-Innovationschef Dave McKinney vor knapp einem Jahr. Intel hat wie Microsoft auch Projekte auf die Beine gestellt, um sich an den Erfolg von Google anzuhängen und möglichst frühzeitig eine vielversprechende neue Technologie zu entdecken.

Fündig geworden sind sie bisher nicht. Auch Amazon nicht, der führende Internet-Laden, der 2004 die eigene Suchmaschine A9 startete, aber nie über einen kleinen Marktanteil hinauskam. Bezeichnend: Der damalige Chef von A9 arbeitet nun für Google.

Chrome gut gestartet

Der grosse Erfolg des Unternehmens hängt auch damit zusammen, dass Google die besten Computer-Ingenieure von anderen Firmen abwirbt und globale neue Talente rekrutiert. Zahlreiche Jungfirmen werden nur deswegen gestartet, um später von Google – gegen eine reiche Ausbeute – aufgekauft zu werden. Dies macht es wenig wahrscheinlich, dass bald eine neue Google entsteht.

Allen Erfolgsgeschichten, die in der Garage begangen, sei es Google, Apple oder Hewlett & Packard, ist eines gemeinsam: Die Firmengründer konzentrierten sich auf eine Nische des Technologiemarktes und bauten sie beharrlich zu eine Quasi-Monopol aus. Bei Google ist dies die Datensammlung. Das Unternehmen ist drauf und dran, der dominante Sammler, Verarbeiter und Auswerter der global verfügbaren Datenbanken zu werden. Der nächste Schritt ist, die erworbenen Kenntnisse für soziale Netzwerke zu nutzen und das Internet zum wichtigsten Medium überhaupt zu machen, vor der Presse, dem Radio oder auch dem Film und Fernsehen.

Vielleicht ist grün die Zukunftsfarbe

Vielleicht kommt die nächste grosse Sache auch aus einem ganz anderen Feld, wie Bill Joy, ein Mitbegründer von Sun und heute Teilhaber der führenden Risikokapitalfirma Kleiner Perkins Caufield & Byers, sagt. «Es wird eine gewaltige Menge an neuer, grüner Technologie geben und sie wird neuen Reichtum schaffen. In diesem Bereich werden wir die Googles und Microsofts der Zukunft schaffen.»

Erstellt: 03.10.2008, 17:48 Uhr

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