Hintergrund

Wie Grossinvestoren die CS-Krise nutzten

Als die Credit Suisse im letzten Sommer durch eine heisse Phase musste, nutzten Singapur, Norwegen und Saudiarabien die Gunst der Stunde. Das Engagement der Investoren ist hoch rentabel – birgt aber Risiken.

Manövrierte die CS im Sommer 2012 durch schwierige Zeiten: Konzernchef Brady Dougan.

Manövrierte die CS im Sommer 2012 durch schwierige Zeiten: Konzernchef Brady Dougan. Bild: Reuters

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Nach einem Rüffel der Nationalbank musste es im vergangenen Juli schnell gehen für die Credit Suisse. Die Kapitalausstattung stimmte nicht, Investoren mussten her. Innerhalb eines Monats schnürten die CS-Verantwortlichen daraufhin ein Paket. Dessen Gesamtumfang lag bei 15,3 Milliarden, 3,8 Milliarden davon wurden durch die Ausgabe einer zwingend in Aktienkapital wandlungspflichtigen Anleihe eingesammelt.

Es waren illustre Käufer mit von der Partie: Saudiarabiens Olayan Group, die Anlagegesellschaften Blackrock und Capital Group, Staatsfonds aus Norwegen und Singapur. Sie steuerten mindestens 2 der 3,8 Milliarden Franken für diese sogenannte Maacs-Anleihe bei, die vor einigen Tagen wie abgemacht in Aktien umgewandelt wurde. Die restlichen 1,8 Milliarden wurden von bestehenden Credit-Suisse-Aktionären eingesammelt.

Den Aktienindex weit übertrumpft

Der Blick zurück zeigt, dass sich das Investment gelohnt hat. Und wie: Im Vergleich zum Wandelspreis von 16.29 Franken, der im vergangenen Juli festgelegt wurde, hat der CS-Aktienkurs per Ende März um knapp 53 Prozent auf 24.91 Franken zugelegt. Für die Anleihenhalter kommen rund 2,8 Prozent Zinsen für die Zeit seit Juli 2012 hinzu. Macht total über 55 Prozent Rendite: Wer in dieser Zeit in den SMI investierte, verdiente inklusive Dividenden gut die Hälfte davon.

Gewöhnliche CS-Aktienkäufer hätten in dieser Zeit rund 45 Prozent Rendite erzielen können. Die finanzielle Unterstützung in der Krise hat sich für die Grossinvestoren also bezahlt gemacht. In den nächsten Tagen wandern die CS-Aktien bei ihnen ins Depot. Dort gesellen sie sich zu den Anteilscheinen, welche sie bereits an der Credit Suisse halten. Beim norwegischen Rentenfonds Norges Bank etwa werden dann aus 3 Prozent über 4 Prozent Besitzanteil an der Schweizer Grossbank.

Im Griff der Grossen

Auch der Investmentfonds Capital Research Global Investors hat bis zuletzt an den Papieren festgehalten. Andere Grossinvestoren haben die Wandelanleihen in der Zwischenzeit abgestossen oder in reguläre Aktien umgetauscht: So etwa Crescent Holding, die Investmentgesellschaft der Familie Olayan. Seit dem letzten Sommer haben die Saudis ihren Anteil an CS-Namensaktien von 6,1 auf 6,7 Prozent erhöht. Auch Blackrock erschien im Dezember 2012 über der Meldeschwelle von 3 Prozent.

Eine Zusammenstellung der letzten Meldungen ergibt ein erstaunliches Bild: Bis zu 37 Prozent der Credit Suisse sind demnach in Besitz der Staatsfonds von Katar oder Norwegen sowie von US-Grossinvestoren wie Blackrock, Dodge & Cox, Franklin Templeton oder Harris Associates. Abweichungen nach unten sind möglich, sollten diese Aktionäre in den letzten paar Monaten kleinere Verkäufe getätigt haben.

Glaubt man den Aktienanalysten bei Bloomberg, wird sich das Festhalten an CS-Papieren für die Grossinvestoren weiter lohnen. 17 von 41 befragten Analysten geben aktuell eine Kaufempfehlung aus, 20 weitere haben das Papier auf «Halten» gesetzt. Nur 4 Analysten empfehlen den Titel zum Verkauf. Prognostiziert ist eine Kurssteigerung von 15 Prozent über die nächsten 12 Monate. Die Finanzgemeinde rechnet damit, dass die Bank vom besseren Wirtschaftsumfeld profitieren kann.

Erstellt: 08.04.2013, 15:18 Uhr

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CS-Aktionäre nicht aus dem Schneider

Etwas weniger als die Hälfte der Analysten hat die CS-Aktie auf «Kaufen» gestellt. Nicht zu einer Kaufempfehlung entschlossen hat sich Teresa Nielsen, Bankenanalystin bei Vontobel. Sie fürchtet die juristischen Risiken.

Denn die CS ist zusammen mit der Bank J. P. Morgan im US-Bundesstaat New York angeklagt, weil sie Anleger verbriefter Hypothekarpapieren während der Subprimekrise um bis zu 11,2 Milliarden Dollar geprellt haben soll.

Während die Credit Suisse diese Forderungen für verjährt hält, so zeigt das Beispiel der UBS, dass dieser Standpunkt wohl wenig aussichtsreich ist. Die Bank hatte in einem Prozess gegen Fannie Mae und Freddie Mac ähnlich argumentiert, blitzte damit vor einem US-Berufungsgericht aber ab, wie am Freitag bekannt wurde.

Die Nachricht muss auch die Grossinvestoren aufgeschreckt haben. Ihr Engagement bei der Schweizer Grossbank war zuletzt durchaus rentabel – doch es birgt nach wie vor Risiken.

Sollte die Credit Suisse im Gerichtsprozess in New York recht erhalten, so könnte es laut Analystin Theresa Nielsen für die Aktie interessant werden. Bei einer Verurteilung könne eine weitere Kapitalerhöhung dagegen zum Thema werden. (ssc)

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Die Staatsinvestoren bei der Credit Suisse Staatsfonds aus Singapur, Norwegen und Katar kommen an Bord der Credit Suisse: Wer diese Grossinvestoren sind und was sie mit der Schweizer Bank vorhaben.

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