Wie I. P. ihr ganzes Geld verlor

Als sie den Betrug bemerkte, war ihr Konto bereits leer geräumt: die Basler Studentin

I. P. wurde in Bern Opfer von Bankomatbetrügern. Ohne ihr Wissen landete ihr Erspartes in Chicago. Das Protokoll eines Skimmingfalls.

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Mittwoch, 9.Februar: Die Studentin I.P. (möchte anonym bleiben) bezieht einen kleineren Geldbetrag am Automaten der Raiffeisenbank beim Berner Waisenhausplatz. Ihr fällt nichts Verdächtiges auf, die Geldausgabe klappt problemlos.

Mittwoch, 16.Februar: Das Erkennungssystem der UBS meldet eine Unregelmässigkeit aus den USA. Mit der Debitkarte der Kundin I.P. werden an einem Geldautomaten in Chicago innerhalb weniger Minuten neun Transaktionen getätigt. Zuerst einige hundert Dollar, dann immer mehr. Nach kurzer Zeit ist die Limite von 5000 Franken erreicht und das Konto so gut wie leer.

Der Fall wird mit ähnlichen Auffälligkeiten verglichen und die Bezüge der letzten Monate angeschaut. Schnell zeichnet sich ein Muster ab: Mehrere der auffälligen Transaktionen aus den USA wurden mit Karten getätigt, die am 9.Februar an demselben Automaten benutzt wurden. Die Fäden laufen am Waisenhausplatz in Bern zusammen. Dort wurden PIN-Codes und Magnetstreifen kopiert und später auf Kartenrohlingen gespeichert.

Die betroffenen Karten werden gesperrt, die Information der Kunden in die Wege geleitet.

Donnerstag, 17.Februar: Die UBS versucht das erste Mal, mit den mutmasslichen Betrugsopfern Kontakt aufzunehmen. Die Studentin I.P. ist zunächst telefonisch nicht erreichbar. Nach mehreren Versuchen an den folgenden Tagen gelingt es der Bank, ihre Kundin über die Transaktionen ins Bild zu setzen. Diese reagiert überrascht – mit gutem Grund: In Chicago war sie noch nie. Die UBS geht nun von einem Betrugsfall aus und lädt die betroffene Kundin zu einem Gespräch nach Basel ein.

Freitag, 25.Februar: Der UBS-Kundenberater in Basel präsentiert I.P. die Details der Chicagoer Transaktionen und befragt sie zum 9.Februar. Die Studentin füllt ein Formular aus und bestätigt, dass sich die betroffene Debit-Karte immer noch in ihrem Besitz befindet. Wie allen anderen Skimmingopfern, welche die Sorgfaltspflicht eingehalten haben, wird I.P. der verlorene Betrag zurückerstattet. Die UBS kommt für den Betrag auf, obwohl der Betrug nicht an ihrem Automaten geschehen ist.

Auf Anraten der Bank reicht die Studentin bei der Kantonalpolizei Basel-Landschaft eine Strafanzeige ein.

Samstag, 5.März: Auf ihrer Internetseite schaltet die basellandschaftliche Kantonspolizei eine Skimmingwarnung auf. Innert zweier Wochen seien sieben Anzeigen von geschädigten Personen eingegangen. Mit einer Ausnahme wurden sämtliche illegalen Geldbezüge in Chicago getätigt. Den Schaden beziffert die Polizei auf über 30000 Franken.

Dass sie bei weitem nicht das einzige Skimmingopfer ist, dürfte für I.P. ein schwacher Trost sein. Auch drei Wochen nach dem Vorfall herrscht auf ihrem Konto noch gähnende Leere.

Christian Zeier>

Erstellt: 10.03.2011, 08:06 Uhr

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