Wie die Swiss ihre Flotte für die Zukunft fit trimmt

Auf den Namen «Zug» hat Swiss gestern eine A340 getauft. Eine Maschine, die nicht mehr gebaut wird und irgendwann einen Nachfolger braucht. Näher rückt der Umbau der Europaflotte.

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Mit Kirsch statt Champagner wurde am Donnerstag ein A340-300 der Swiss auf den Namen «Zug» getauft. Allerdings: Die Produktion dieses Flugzeugtyps hat Airbus jüngst eingestellt. Ein Widerspruch? Laut Sonja Ptassek, Mediensprecherin von Swiss, hat die Taufe nichts mit dem Flugzeugtyp zu tun, sondern ist Teil des Kommunikationskonzepts. Gemäss diesem werden die Swiss-Maschinen nach Kantonshauptorten und Tourismusdestinationen der Schweiz benannt. «Unsere A340-300 können, rein technisch gesehen, bis etwa 2028 in der Flotte bleiben», erklärt Ptassek. «Bezüglich Ersatz hat Swiss derzeit keine konkreten Pläne, doch die Entwicklung in der Flugzeugindustrie wird natürlich verfolgt.»

Boeings Dreamliner für Swiss?

Für Max Ungricht, Chefredaktor des Aviatik-Magazins «Cockpit», ist klar: «Die Swiss muss sich in den nächsten Jahren mit Nachfolgemodellen für den A340 auseinandersetzen. Der noch nicht produzierte Airbus A350 oder sogar die Boeing 787, auch bekannt als Dreamliner, könnten infrage kommen – auch wenn die Swiss heute keine Boeing-Maschinen mehr in der Flotte besitzt.»

Angesichts des Erfolgs bestimmter Langstrecken von Swiss – man denke dabei an San Francisco oder New York – stellt sich die Frage, ob sogar der A380 ein Thema für die Swiss sein könnte. Ungricht verneint. Trotz profitabler Langstrecken lohne sich dieses Modell nicht für die Airline, denn der Unterhalt von nur einer bis zwei A380-Maschinen sei zu aufwendig. Zudem würden die zwei Andockstellen für A380 am Flughafen Zürich ohnehin von Singapore Airlines und vielleicht auch künftig von Emirates mit ihren entsprechenden Flugzeugen benutzt.

Neue Europaflotte – ein «Quantensprung»

Im Gegensatz zu den Nachfolgern der A340-300 steht schon heute fest, wie die Europaflotte der Swiss erneuert wird: Ab 2014 machen die Avro-RJ100-Modelle einer neuen Generation von Flugzeugen Platz, wenn 30 Maschinen der C-Series von Bombardier in die Flotte aufgenommen werden. Ein «Quantensprung», wie es Max Ungricht bezeichnet: «Die neuen Maschinen sind wesentlich leiser als die Vorgängermodelle, benötigen weniger Treibstoff und der Ausstoss an Kohlendioxid ist viel geringer. Zudem können sie, wie bereits die Avro-Modelle, auf sehr kurzen Strecken wie jene am Flughafen London-City landen.»

Wachsende Flotte, wachsende Zahlen: Der Airline mit dem Schweizer Kreuz geht es gut. Startete die Swiss vor zehn Jahren mit 52 Maschinen und musste einige Jahre finanziell unten durch, ist sie seit der Übernahme durch Lufthansa kontinuierlich zur «Cash Cow» mutiert. In letzter Zeit wies sie gar glänzendere Zahlen aus als ihr Mutterkonzern. Heute fliegt die Swiss mit 91 Flugzeugen durch die Welt – darunter zehn A330-300, die von 2009 bis 2011 sukzessive in Betrieb genommen wurden.

Insolvenz bot Chancen für Neues

Hätte Ungricht in den harzigen ersten Jahren der Swiss-Geschichte eine solche Erfolgsstory erwartet? «Ja, auf jeden Fall», so der Aviatik-Experte. «So widersprüchlich dies klingen mag.» Swiss habe gute Voraussetzungen dafür gehabt, denn die Insolvenz brachte die Möglichkeit, etwas Neues zu machen. «Es tönt brutal, aber sozusagen auf dem weissen Papier bei null zu beginnen bietet Chancen, weil dies keine Altlasten mit sich bringt.»

Die Swiss ist heute zehn Jahre alt. Wo steht sie wohl in zehn Jahren? Ungricht glaubt, dass die Fluggesellschaft weiterhin pragmatisch wachsen wird, wie sie es heute schon tut. «Die Swiss ist derzeit die Ertragsperle der Lufthansa, und das kann ich mir auch in zehn Jahren vorstellen.»

Erstellt: 09.03.2012, 19:09 Uhr

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