Wie die Swisscom ihr Datenleck stopfen will

Das Informationsleck bringt die Swisscom in eine peinliche Lage. Nach den jüngsten Veröffentlichungen zeigt sich das Unternehmen verunsichert und prüft rechtliche Schritte.

Datendieb konnte bis jetzt nicht ausgemacht werden: Swisscom-Gebäude in Zürich-West.

Datendieb konnte bis jetzt nicht ausgemacht werden: Swisscom-Gebäude in Zürich-West. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das grösste Datenleck in der Geschichte der Swisscom ist seit heute um ein Kapitel reicher. Obwohl die vier Datenträger bereits letztes Jahr entwendet wurden, gelangen deren Inhalte nur häppchenweise an die Öffentlichkeit.

Konnte das bisher Veröffentlichte die Gemüter nur mässig erregen, so werden nun brisante Details bekannt: Telefonnummern und Kontaktadressen von fast tausend Prominenten und Listen, die die Swisscom-Kunden in verschiedene Kategorien einteilen, machen den Kern dieser neusten Enthüllung aus (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Datenauswertung noch nicht abgeschlossen

Und das Leck ist noch nicht gestopft: Die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ), die exklusiv über die Daten verfügt, kündigt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet einen Weiterzug der Geschichte an. Die Zeitung sei sich allerdings der Brisanz der Daten bewusst, weshalb sie sich in der Berichterstattung entsprechend zurückhaltend gezeigt habe, sagt Journalist Andreas Schmid. Insgesamt wurden dem Telekommunikations-Unternehmen vier Speicherbänder entwendet. Drei der Bänder habe die Swisscom mittlerweile wiedererhalten. Ein weiteres sei vom Datendieb zerstört worden. Das ergab die bisherige Ermittlung der Staatsanwaltschaft.

Quellenschutz hat Priorität

Obwohl die NZZ nicht mehr im Besitz der Datenträger ist, hat sie deren Inhalte offenbar kopiert. Davon geht zumindest die Swisscom aus. Nur dank ausländischer Mithilfe sei es überhaupt möglich, die Daten zu entschlüsseln, sagt Schmid. Wem diese Aufgabe zufällt, behält die Zeitung ebenso für sich wie die Identität des Informanten. Die NZZ verweist dabei auf den Quellenschutz, der oberste Priorität geniesse.

Die Swisscom zeigt sich wenig erfreut über die neusten Enthüllungen. «Uns ärgert vor allem, dass nun Namen von Personen in Umlauf gebracht wurden. Das verletzt die Persönlichkeitsrechte unserer Kunden», sagt Mediensprecher Olaf Schulze. Dabei habe nicht nur der Schutz von sogenannten VIP-Kunden Priorität, sondern derjenige aller Kunden, so Schulze. Was die Swisscom hingegen beruhigt, ist, dass auf dem Datenträger «keine hochsensiblen Daten wie Passwörter» enthalten seien.

Sicherheitsschranken versagten

Dennoch handelt es sich für die Swisscom – einen der grössten Datenverwalter der Schweiz – um eine äusserst peinliche Angelegenheit. Das Ausmass der Affäre ist gar grösser als beim Schweizer Nachrichtendienst, der im Jahr 2012 ebenfalls aufgrund eines Datenklaus in die Negativschlagzeilen geriet. Auch damals haben die Sicherheitsschranken versagt, dennoch konnte eine Veröffentlichung im letzten Moment noch verhindert werden.

Nicht so bei der Swisscom. Zwar habe das Unternehmen gleich zu Beginn diverse Massnahmen eingeleitet und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, sagt Schulze. Auch interne Prozesse seien unter die Lupe genommen worden, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Bisher ohne Resultat. «Wir können zwar nachvollziehen, wer damals Zugang zum Datenzentrum hatte, aber ein Verdacht auf einzelne Personen konnte nicht ausgemacht werden», sagt Schulze.

Swisscom prüft Anzeige gegen NZZ

Die Ermittlungen wurden mittlerweile auf Eis gelegt. Die Staatsanwaltschaft behält sich aber vor, sie jederzeit wieder aufzunehmen. Zudem prüft die Swisscom rechtliche Schritte gegen die NZZ. «Der Quellenschutz der Zeitung ist mit ein Grund, weshalb das Verfahren gegenwärtig blockiert ist», sagt Schulze. «Wir drängen darauf, dass die Daten vernichtet und die Persönlichkeitsrechte unserer Kunden nicht weiter verletzt werden», sagte er. Die NZZ weigerte sich bisher, dieser Forderung nachzukommen.

Um weitere Datendiebstähle zu verhindern, hat die Swisscom zudem die internen Sicherheitsschranken erhöht. Bereits seit 2012 würden Daten ausschliesslich auf vielen verschiedenen Hard Disks verteilt gespeichert. Gemäss Schulze hat eine Hard Disk hat aufgrund der verteilten Daten nur einzelne Fragmente eines Datenbestandes. «Mit einer einzelnen oder weniger Festplatten ist der Aufwand sehr hoch, um überhaupt verwertbare Daten zu erhalten», sagt der Mediensprecher.

Weiter ist das Unternehmen daran, im neuen Rechenzentrum Wankdorf eine Screening-Anlage – ein Metalldetektor und Röntgenanlage – einzubauen.

Erstellt: 20.12.2013, 15:24 Uhr

Artikel zum Thema

Federers Geheimnummer im Swisscom-Abfalleimer

Bei der Swisscom wurden brisante Datenträger entwendet. Darauf enthalten sind Privatdaten von knapp 1000 Prominenten sowie interessante Kundentabellen. Mehr...

Wer hat das beste Handynetz im Land?

Swisscom, Sunrise, Orange: Ein Test des Branchenmagazins «Connect» zeigt, wer mit welchen Diensten bei welchem Anbieter am besten fährt. Mehr...

SP fordert 1:15 für Post, SBB und Swisscom

Die Lohndebatte Wirtschaftsverbände sind erbost über die SP-Vorschläge: Die Linke will Lohnbandbreiten ins Gesetz schreiben trotz dem klaren Nein zu 1:12. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Grosstransport: Ein vietnamesischer Mann befördert eine Vielzahl an Gütern mit seinem Motorrad durch die Stadt Hanoi. (22. Juli 2019)
(Bild: Minh Hoang / EPA) Mehr...