Wie die Wasserkraft wieder rentabel wird

Politiker wollen sie subventionieren, für Wissenschaftler ist das unsinnig. Sie lancieren nun andere Ideen.

Die Kosten sind zu hoch: Touristen beim Stausee in Vals. (Archivbild)

Die Kosten sind zu hoch: Touristen beim Stausee in Vals. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Wasserkraft ist zum Sorgenkind der Schweiz geworden. Wegen der tiefen Energiepreise ist sie derzeit ein Verlustgeschäft, Politiker fordern nun Rettungsmassnahmen. Die Subventionen für Wasserkraft müssten ausgebaut werden, findet zum Beispiel SVP-Stratege Christoph Blocher (notabene mit einer gleichzeitigen Erhöhung der Subventionen auch für AKW).

Laut einer neuen Studie des Competence Center for Research in Energy, Society and Transition (Crest) wäre das allerdings der falsche Weg. Denn Subventionen könnten die Wasserkraft langfristig nicht retten, schreiben Experten der ZHAW, der ETH Zürich sowie der Universitäten St. Gallen und Basel. Sie argumentieren: «Mit Subventionen können die strukturellen Probleme nicht behoben werden. Auch hat die Schweiz keinen direkten Einfluss auf die Marktentwicklung in den Nachbarländern.»

An dieser schwierigen Situation wird sich laut der Studie in absehbarer Zeit nichts ändern. Denn die Strompreise dürften noch längere Zeit tief bleiben. Es sei deshalb unklar, ob die Wasserkraft ihre in der Energiestrategie 2050 angedachte Rolle auch übernehmen könne. Wegen der schlechten Finanzlage der Stromproduzenten seien ausserdem neue Investitionen in Gefahr.

Wasserzinsen auf dem Prüfstand

Die Wissenschaftler machen deshalb eigene Vorschläge, wie die Wasserkraft wieder rentabel werden könnte. So müssten die Stromkonzerne unbedingt Kosten sparen. Ein wichtiger Kostenblock sind die Abgaben der Konzerne an die öffentliche Hand. Sie machen etwa ein Viertel der Gestehungskosten aus. Zu diesen Abgaben gehören auch die Wasserzinsen – also die Beiträge, welche die Kraftwerksbetreiber den Standortkantonen abliefern. Diese Zinsen sind laut der Studie in den letzten Jahren «drastisch gestiegen», unter anderem weil das Wasserzinsmaximum – also der maximale Betrag, den die Kantone einfordern dürfen – 2011 und 2015 erhöht wurde.

Die Höhe der Zinsen hängt von der technischen Leistung eines Kraftwerks ab. Besser wäre es aber, wenn auch der Gewinn der Kraftwerksbetreiber eine Rolle spielen würde, finden die Autoren. Konkret: «Denkbar wäre es, die fixe Vergütung durch eine Kombination einer fixen Abgabe mit einem flexiblen, auf der Gewinnlage basierenden Anteil zu ersetzen.» In Zeiten, in denen die Konzerne rote Zahlen schreiben, würde die Zinslast damit schrumpfen. Ob sich diese Idee politisch umsetzen lässt, ist allerdings fraglich. Denn die Wasserzinsen tragen bis zu 14 Prozent zum Haushaltsbudget der Bergkantone bei. Man könnte deshalb laut der Studie auch über vollkommen neue Ausgleichsmechanismen nachdenken, zum Beispiel einen Energiefonds.

Die Stromkonzerne müssten ausserdem neue Handelsstrategien auf den Strommärkten entwickeln, fordern die Wissenschaftler. Zudem müsse die Politik die Koordination mit der EU voranbringen, um die Interessen der Schweiz möglichst gut zu vertreten. Gesonderte Importsteuern auf Strom (zum Beispiel ein CO2-Preis für Dreckstrom, wie ihn FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen fordert) kämen allerdings nicht infrage wegen des bilateralen Freihandelsabkommens und der WTO-Regelungen. Unsinnig wäre es laut der Studie auch, die Subventionen für erneuerbare Energien zu streichen: «Auch ein sofortiger Stopp der Förderung erneuerbarer Energien in der Schweiz oder in der EU würde keine unmittelbare Änderung der Preissituation bewirken.» (fko)

Erstellt: 17.03.2016, 12:12 Uhr

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